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Raphael Saadiq in Berlin : Meister des Rock & Soul

  • -Aktualisiert am

Musikalisch kann er beinahe alles: Raphael Saadiq bei seinem Konzert in Berlin Bild: Pein, Andreas

Raphael Saadiq stellt die Machtfrage. Wem gebührt der Thron des Rock’n’Soul? Mit einem packenden Konzert in Berlin gibt er auch direkt die Antwort.

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          Als Raphael Saadiq vor vier Jahren eine Retrosoulplatte vorlegte, ließ sich das noch politisch begründen. Hier wies ein afroamerikanischer Musiker auf die Wurzeln des Genres hin, das man nicht den Britinnen überlassen dürfe. Ihn beeindrucke, sagte er später, die Spielfreude und Authentizität in Blues, Soul und Funk, so dass er hoffe, nie wieder einen Schlagzeugcomputer anzurühren. Spricht hier einer, für den früher alles besser war und der im Pop an so zweifelhafte Werte wie Echtheit und Gefühlspathos glaubt?

          Tatsächlich scheint Saadiq die Frage, in welchem Verhältnis Tradition und Zeitgeist zueinander stehen, souverän hinter sich gelassen zu haben, wie sich jetzt bei seinem überragenden Auftritt in Berlin zeigte. Denn im Unterschied zu modischen Soul-Klassizisten wie Aloe Blacc und Mayer Hawthorne muss er weder den Geist von Motown, James Brown oder Curtis Mayfield beschwören, noch mit Hiphop-Zitaten beweisen, dass er weiß, was heute angesagt ist. Er geht zu den Ursprüngen - der Straße und der Kirche - zurück und bewegt sich so im Überzeitlichen.

          Ein uneitles Allroundtalent

          Los geht es ungewöhnlich rockig. In Lederjacke, Hoody, Skinnyjeans und Edelsneakern betritt Saadiq die Bühne, aus seiner Telecaster feuert er brachiale Riffs und verzerrte Soli in den Saal des C-Clubs, harte Kost, die das Publikum erst einmal verdauen muss. Als seine siebenköpfige Band jedoch die Funk-Rock-Nummer „Heart Attack“ anstimmt, ist die Menge sofort auf Saadiqs Seite. Die Musiker sind dermaßen aufeinander eingespielt, dass sie jedes Lied mühelos, aber beharrlich aus dem Nichts heraus in ekstatische Höhen treiben und ebenso punktgenau wieder herunterfahren können. Dazwischen bleibt noch Zeit für Spaß, wenn etwa Songs durch fortwährende Tuschs immer wieder verzögert werden, so dass das Ganze parodistische Züge bekommt. Saadiq selbst entpuppt sich als Allroundtalent, das seine Dienste, wenn nötig, dem Teamgeist unterordnet. Er übernimmt ganz uneitel die Rolle des Rhythmusgitarristen oder Background-Sängers, um jemand anderem das Rampenlicht zu gönnen.

          Doch er hat auch eine Mission, nämlich zu zeigen, dass die Popmusik von Soul über Rock bis zu Hiphop auf zwei Säulen basiert: Blues und Gospel. So erklärt er anhand von „Stone Rollin’“, dass irdische Gelüste sich in einen wiegenden Blues-Basslauf übersetzen lassen. Innigkeit und Harmonie kommen demgegenüber am besten im mehrstimmigen Gospel-Gesang zum Ausdruck. Wie Saadiq diese ja nicht neue Erkenntnis vermittelt, lässt sich als Kommentar auf die derzeitige Rückwärtsgewandheit verstehen: Stile und Trends mögen kommen und gehen, die Gründe, Musik zu machen und zu hören, sind die gleichen.

          Auf den Thron des King of Rock’n’Soul, den bis zu seinem Tod Solomon Burke besetzt hat, ist Raphael Saadiq derzeit wohl der heißeste Anwärter.

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