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Lieber als auf Englisch rappt Eden Derso in ihrer Muttersprache Hebräisch. Bild: Tamir Moos_h

Rapperin Eden Derso : Nennt mich nicht Beyoncé!

  • -Aktualisiert am

Die äthiopischstämmige Minderheit in Israel ist noch immer nicht gut integriert. Davon handeln auch die hebräischen Texte der jungen Rapperin Eden Derso.

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          Sie hätte nie gedacht, ihr erstes Album „vor dem Ende des Militärdienstes zu veröffentlichen“. Wenn Eden Derso von ihrer noch jungen Karriere erzählt, dann tut sie das mit begeistert leuchtenden Augen. Offenkundig weiß die 21 Jahre alte Frau, dass ihr Großes bevorsteht. Gleichzeitig vermittelt sie den Eindruck, ihr steiler Aufstieg in der israelischen Hiphop-Szene sei das Selbstverständlichste der Welt: „Ich bin die jüngste Rapperin in Israel und bin besser als die Männer. Darüber rappe ich, das sollten alle wissen“, sagt sie mit dem szenetypischen Selbstbewusstsein.

          Aktuell tritt Derso regelmäßig in Israel auf, vor allem in Tel Aviv, wo auch ihr Label sitzt. Ende Oktober wird sie dort ihre erste Solo-Show spielen. Zum Konzept ihres 2018 erschienenen ersten Albums, „Keter Shakuf“, auf Deutsch „transparente Krone“, erklärt sie: „Wegen unserer Hautfarbe werden wir Israeli of Color häufig als bedrohlich wahrgenommen. Mit meiner Musik zeige ich aber, dass wir alle eine wunderschöne Krone tragen – auch wenn viele sie nicht sehen wollen.“

          „Die Königin von Saba unserer Tage“

          Geboren und aufgewachsen ist Derso in Rehovot, einer Kleinstadt wenige Kilometer südlich von Tel Aviv. Dort leben viele äthiopischstämmige Juden, die wie Dersos Eltern vor Jahrzehnten eingewandert sind. Sie bilden die unterste Schicht der jüdischen Bevölkerung, was sich in der Zahl der Hochschulabschlüsse, in Einkommensunterschieden oder ungleichen Chancen auf dem Arbeitsmarkt zeigt. „Ich bin die Königin von Saba unserer Tage“, singt hingegen Derso im Titel-Song ihres Albums. Der Legende nach sollen die äthiopischen Juden aus der Liaison des jüdischen Königs Salomon und der sagenhaft reichen Königin von Saba hervorgegangen sein, deren wahres Herrschaftsgebiet manche Historiker in Äthiopien vermuten.

          Die etwa 150.000 äthiopischen Juden stellen knapp zwei Prozent der israelischen Gesamtbevölkerung. Erstmalig in das Land kamen sie in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts. Zwar sind die heroischen Geheimaktionen „Operation Moses“ und „Operation Salomon“, durch die ab den achtziger Jahren Zehntausende Juden vor dem Bürgerkrieg und einer großen Hungersnot in Äthiopien gerettet wurden, unumstößlicher Teil des nationalen Geschichtsbewusstseins. Eine erfolgreiche Integration in die israelische Einwanderungsgesellschaft gelang trotz einiger Fortschritte jedoch nicht. Für Verbesserungen mussten sich die äthiopischen Israelis immer wieder selbst einsetzen.

          Zuletzt kam es im Juli dieses Jahres anlässlich von Polizeigewalt zu Protesten im ganzen Land. Auch Derso hatte an einer Demonstrationen teilgenommen. Sie hatte den Eindruck, dass viele Israelis sich gar nicht dafür interessieren, was die äthiopischen Juden zu sagen hatten. „Als Kind hätte ich es gerne gesehen, wie eine schwarze Frau das ganze Land in Atem hält – aber nun bin ich da“, erzählt Derso selbstbewusst und fügt hinzu: „Ich bin sichtbar und mache den besten Handjob“, wie sie das Rappen süffisant nennt.

          Spielerisch und eindringlich

          Dersos melodischer Flow, ihre provokanten Lyrics sowie die auf den Punkt produzierten Beats sind tatsächlich atemberaubend. In „Busses“ etwa, einem der besten Stücke auf „Keter Shakuf“, zu dem auch ein Musikvideo veröffentlicht wurde, geht es darum, wie Derso es schafft, sich gegenüber der Einflussnahme durch andere ihre Eigenständigkeit zu bewahren. In „Amen“ erzählt sie von einer selbstzerstörerischen Liebschaft, der sie so verfallen war, dass sie „Ja und Amen“ zu allem gesagt hatte. Viele Songs drehen sich um Empowerment, sie sind dabei aber nie verbissen oder überpolitisiert, sondern spielerisch und eindringlich zugleich.

          „Weil ich eine Frau bin, wird von mir häufig erwartet, wie Beyoncé zu klingen“, erzählt Derso. Als ihre wichtigsten Einflüsse nennt sie jedoch Lauryn Hill und vor allem Tupac. Schon früh sei sie über ihre älteren Brüder mit dessen Musik in Berührung gekommen, das ikonische Poster, auf dem der legendäre Rapper mit ausgestreckten Mittelfingern posiert, hing jahrelang im Kinderzimmer. An Tupac imponiert Derso auch, dass dieser immer wieder empathisch über die besondere Situation von Frauen sang. Der Einfluss des melodiösen Neunziger-Jahre-Hiphop ist auf „Keter Shakuf“ unüberhörbar.

          In ihrer Muttersprache Hebräisch rappt Derso erst seit einigen Jahren. Irgendwann hatte sie das Gefühl, sich auf Englisch nicht mehr adäquat ausdrücken zu können. Vor allem die Virtuosität von Nechi Nech, einer der bekanntesten israelischen Rapper, der heute als Ravid Plotnik auftritt, hatte ihr das Potential von hebräischen Lyrics aufgezeigt. Dass ihre Texte in der Deklination gelegentlich fehlerhaft sind, stört Derso nicht: „Meine Produzenten wollten das ändern, ich habe ihnen aber nur entgegnet: Fuck it, das ist nun mal mein Slang!“

          Zu Shigola Records, einem kleinen israelischen Hiphop-Label, ist Derso durch Zufall gekommen. Dessen Betreiber, Michael Cohen aka DJ Mesh, hatte ihre Songs vor einiger Zeit über Youtube und Facebook entdeckt. Danach ging alles blitzschnell. Aktuell arbeitet Derso an ihrem zweiten Album, das 2020 erscheinen soll. Während des zweijährigen Militärdienstes, der in Israel für jüdische Frauen zwischen achtzehn und neunzehn Jahren verpflichtend ist, hatte Derso von ihren Vorgesetzten Freiräume für die Arbeit am Album erhalten. Heute widmet sie sich ganz der Musik.

          Eden Derso ist bisher vor allem in Israel bekannt. Erste Auftritte im Ausland spielte sie bei einem jüdischen Kulturfestival in Warschau sowie in Addis Abeba – bei ihrem ersten Aufenthalt in Äthiopien. „Damals habe ich kein einziges Wort der lokalen, Amharisch rappenden MCs verstanden“, lacht Derso. Seitdem hat sich ihr Interesse an der Geschichte und Kultur des Landes verstärkt. In der Schule hatte sie immer den Eindruck, den äthiopischen Teil ihrer Identität zugunsten des israelischen aufgeben zu müssen, erzählt sie. Heute jedoch stellt sich ihr beides als gleichwertig dar. Dieses Selbstbewusstsein reflektiert ihre Musik eindrücklich.

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