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Popstar Prince : Der Meister des musikalischen Alleingangs ist tot

  • Aktualisiert am

Eine Ikone der Popmusik: Prince ist am Donnerstag im Alter von 57 Jahren gestorben. Bild: dpa

Vor wenigen Tagen musste sich Prince wegen einer Grippe im Krankenhaus behandeln lassen. Jetzt wurde der Musiker tot in seinem Haus gefunden. Seine künstlerische Bedeutung für den modernen Pop, Funk und R&B lässt sich kaum ermessen.

          „Mit großer Trauer bestätige ich, dass die legendäre Sängerikone Prince Rogers Nelson heute Morgen im Alter von 57 Jahren in seinem Anwesen in Paisley Park gestorben ist. Es gibt bislang noch keine weiteren Informationen über die Todesursache“, erklärte die Managerin des Musikers am Donnerstag. Die genaue Todesursache war zunächst unklar.

          Mit seinem einzigartigen Stil zwischen R&B, Funk, Rock und Soul galt Prince als einer der vielseitigsten und wandlungsfähigsten Künstler seiner Zeit. Prince, mit vollem Namen Prince Roger Nelson, wurde am 7. Juni 1958 in Minneapolis geboren. In seiner Jugend galt er als introvertierter Außenseiter. Er wuchs ohne seinen Vater auf, den Jazzpianisten John Nelson, und riss mehrmals von zu Hause aus. Mit zwölf Jahren gab ihn seine Mutter in die Obhut der Familie Anderson, deren Sohn André (später André Cymone) ihn musikalisch förderte. Schon als Dreizehnjähriger hatte Prince sich das Spielen von Gitarre, Schlagzeug und Klavier selbst beigebracht. Zusammen mit André und dem Schlagzeuger Morris Day gründete er seine erste Band, die anfangs nur Coverversionen spielte. Später komponierte Prince selbst Songs für seine Band, die von Rhythm & Blues und von seiner Lieblingskünstlerin Joni Mitchell inspiriert waren.

          Im Alter von nur neunzehn Jahren erhielt Prince einen lukrativen Plattenvertrag bei "Warner Bros." Sein Debütalbum "For You" spielte er in fünf Monaten Studioarbeit im Alleingang ein – diese Gewohnheit sollte er lange beibehalten. Die Single "Soft And Wet" verkaufte sich 350.000 Mal. Der große Durchbruch kam mit seinem dritten Album: „Dirty Mind“ verpackte schlüpfrige Themen wie Oralsex („Head“) und Inzest („Sister“) in Elektro-Funk-Rhythmen. Der von ihm kreierte sogenannte Minneapolis-Sound prägte die amerikanische Soul- und Funkszene stark.

          1983 gründete Prince sein eigenes "Paisley Park"-Label, auf dem fortan auch seine Platten erschienen. Mit dem Soundtrack zu dem Film "Purple Rain" wurde er endgültig zum Superstar: Auf diesem Album erschien mit "When Doves Cry" sein erster Nummer-eins-Hit. Auch der Titelsong "Purple Rain" wurde ein weltweiter Erfolg und wurde mit einem Grammy ausgezeichnet.

          Während der musikalische Erfolg mit dem Hit „Kiss“ stabil blieb, war Prince auf der Leinwand kein großer Erfolg beschieden. Sein zweiter Film "Under The Cherry Moon", bei dem er auch Regie führte, floppte spektakulär. Als Songwriter hingegen bescherte er den Bangles 1986 einen großen Erfolg mit „Manic Monday“. Auch „Nothing Compares 2 U“, gesungen von Sinéad O'Connor, stammt aus Prince‘ Feder.

          Das 1987 erschienene Doppelalbum "Sign 'O' The Times" vermischte Gospel- und Soulballaden, modernen R&B und harten Funkrock. Es gilt als Meisterwerk des Musikers. Sein nächstes Werk "Black Album" wurde zu einem der populärsten Marketingstreiche in der Popmusikgeschichte: Nach der Veröffentlichung einer ersten Kleinstauflage Ende 1987 zog Prince das Album zurück. Rund 400.000 bereits gepresste Alben wurden auf sein Geheiß hin vernichtet. Für eines der wenigen erhaltenen Originale des "Black Album" zahlte ein Käufer bei einer Auktion 13.500 Dollar. In den Neunzigern legte die Plattenfirma das Album für kurze Zeit neu auf.

          Nach einem kleinen Karriereknick ging es 1992 mit dem Album "Love Symbol" wieder aufwärts: Soul und Funk trafen auf Jazz, HipHop und Ethno-Anleihen. Im Frühjahr 1994 wollte Prince unabhängig von seinem Vertrag mit Warner Musik machen und ersetzte dazu seinen Namen durch ein verschlungenes Symbol, weshalb er meist "The Artist Formerly Known As Prince" (TAFKAP) genannt wurde. Angeblich hatten die Verantwortlichen bei seiner Plattenfirma die Single "The Most Beautiful Girl In The World" abgelehnt – dank Prince‘ Alleingang wurde das Lied ein großer Erfolg.

          Große Hits blieben in den nachfolgenden Jahren aus, doch seine Alben waren weiterhin erfolgreich. 2003 wurde Prince in die "Rock And Roll Hall Of Fame" aufgenommen, im Jahr darauf startete er eine Welttournee mit seinem Album „Musicology“. Er verkaufte 1,9 Millionen Exemplare der Platte und war laut dem Magazin „Rolling Stone“ der bestverdienende Musiker des Jahres.

          Im Mai 2005 reichte Prince vor einem Gericht in Minnesota die Scheidung von seiner zweiten Ehefrau, Manuela Testolini, ein. Ein halbes Jahr später eröffnete er in einem Casino in Las Vegas den Nachtclub "3121", benannt nach seinem jüngsten Album, und trat dort zwei Jahre lang freitags und samstags auf.

          Sein letztes Album „HITnRUN Phase Two“ veröffentlichte Prince im Dezember 2015. Auch hier komponierte, arrangierte, produzierte und sang der Musiker alle Lieder selbst. Der kommerzielle Erfolg blieb allerdings aus, obwohl die Kritik sich wohlwollend äußerte. „Gestochen scharfe, bluesige Gitarrensoli leuchten überall“, schrieb der „Rolling Stone“. Die britische Musikzeitschrift „New Musical Express“ gab der Platte vier von fünf möglichen Punkten und erklärte, „HITnRUN Phase Two“ sei „nach fast vierzig Prince-Alben eine gute Leistung“.

          Vergangenen Freitag war Prince laut Medienberichten wegen einer Grippe ins Krankenhaus gebracht worden. Demnach fühlte er sich nach einem Konzert in Atlanta derart unwohl, dass sein Privatjet in Moline im Bundesstaat Illinois zwischenlanden musste. Prince kämpfte bereits seit Wochen mit der Grippe und hatte zuletzt zwei Konzerte absagen müssen.

          Musikerkollegen reagierten fassungslos auf den Tod des erst 57 Jahre alten Prince. „Die Welt hat eine Menge Magie verloren. Ruhe in Frieden“, schrieb Katy Perry auf Twitter. „Taub. Fassungslos. Das kann nicht echt sein“, schrieb Justin Timberlake. „Prince kann nicht sterben“, twitterte der Rapper Ice-T. Prince sei einer der begabtesten Künstler aller Zeiten gewesen, teilte die Recording Academy mit, die jedes Jahr die Grammys verleiht. „Niemals konformistisch hat er unsere musikalische Landschaft neu definiert und für immer verändert. Prince war ein Original, das so viele beeinflusst hat, und sein Erbe wird für immer fortleben.“

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