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Pop : Schluß mit Britney!

  • -Aktualisiert am

Courtney Love und Rock`n`Roll Bild: EFE

Die neue Generation weiblicher Popikonen ist laut, wütend und eigensinnig. Oder sie tut zumindest so. Über Pink, Punk und Verkleidungen.

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          Die Hüpf-Sängerin Jeanette Biedermann wäre noch jung genug, um jung zu sterben, falls sie das will. Es steht jedenfalls auf einem ihrer neuen T-Shirts ("Live fast, die young"), ist zwar ein alter Rocker-Trinkspruch - aber so, wie die Ärmel in türkisen Fetzen herunterhängen, der Gürtel mit drei Schnallen lose drüberliegt und auf der Fotokulisse der Stacheldraht wuchert, das soll wohl Punk sein. Und wenn Jeanette Biedermann jetzt Punk macht, dann ist es mit Punk wieder mal vorbei.

          Letztes Jahr hatten die Jungs ihr Punk-Revival, mit Gitarrenbands, Wuschelköpfen und zu kleinen Sakkos - 2003 haben die Frauen und Mädchen ihr eigenes durchgesetzt. Unerhörte Personen traten härter auf denn je: die rauchende und saufende Sängerin Pink, um die es gleich noch gehen wird; das von einem russischen Psychologen ferngesteuerte Schülerinnen-Duo Tatu; das wunderbar fluchende Disco-Weib Peaches, das sich in Unterhose und mit Anklebebart scheinbar der Lächerlichkeit preisgab. Courtney Love machte ein paar Foto-Sessions und sogar ein wenig Musik, bis ihr - sagen wir mal: private Dinge dazwischenkamen.

          Symbol dafür, daß Frauen ihren Punk selber machen müssen

          Am bekanntesten ist Courtney Love in ihrer Funktion als Witwe von Nirvana-Sänger Kurt Cobain - eher im verborgenen steht sie als Symbol dafür, daß Frauen ihren Punk selber machen müssen. Als Ende der siebziger Jahre die Pioniere zur Stürmerei auf bürgerliche Bilder loszogen, da war das mit wenigen Ausnahmen ein Männerclub. Courtney Love, ein mit der Lust versöhnter Feminismus, weiblich geführte Punk-Plattenfirmen, das alles kam erst Anfang der Neunziger in der "Riot Grrrl"-Bewegung. Über die wurde weniger berichtet als 1977 über das doofe Konzert auf dem Themse-Boot, mit dem die Sex Pistols die englische Königin foppen wollten.

          Wird jetzt immer punkiger: Sängerin Pink
          Wird jetzt immer punkiger: Sängerin Pink : Bild: AP

          Die Lage im Jahr 2003 können einem auch Marketing-Planer prima erklären: Nachdem sich eine Mädchengeneration an der Niedlichkeit und Schlankheit der ehemaligen "Disney Club"-Moderatorin Britney Spears übersättigt hat, mußte etwas passieren. Es mußte aufgeräumt werden in der Puppenstube. So wie die 24 Jahre alte Pink aus Los Angeles im Video zu ihrer neuen Single "Trouble" die Gäste eines Western-Saloons verhaut. "Pink ist Punk!" titelt eine Männerzeitschrift, eine Nachricht, die wohl vor allem dem lustigen Stabreim geschuldet ist, sich aber am Ende selbst erfüllt: Wenn man intensiv genug an Pinks Faust riecht, dann duftet sie nach Ärger.

          Unkompromittiertes Punk-Originalmodell

          Letzte Woche ist ihr drittes Album "Try This" weltweit hoch in die Charts eingestiegen, und acht von 14 Liedern der Platte hat ein gewisser Tim Armstrong mitkomponiert. Armstrong ist Sänger der Band Rancid aus San Francisco, die seit 13 Jahren als unkompromittiertes Punk-Originalmodell gilt, wie man es nur noch in der Hydrokultur ultralinker Jugendhäuser findet.

          Bis vor kurzem hatte dieser Tim Armstrong sogar eine Punk-Ehefrau. Vor sechs Jahren, da war er 31, war ihm bei einem Festival in Australien die 17 Jahre alte Ausreißerin Brody Dalle begegnet, selbst Sängerin und Gitarristin. Die beiden ließen sich ihre Namen gegenseitig in die Oberarme tätowieren, heirateten, gingen nach Los Angeles. Das zweite Album von Brodys Band The Distillers brachte Armstrong bei seiner kleinen Plattenfirma heraus, und die chauvinistischsten unter seinen Fans schreiben ihm heute, er wäre mal besser nicht so großzügig gewesen. Diesen Sommer erfuhr Tim Armstrong nämlich auf besonders garstige Art, daß seine Frau einen Neuen hat. In der Zeitschrift "Rolling Stone" überraschte ihn ein Zungenkuß-Foto mit Brody und dem Rocksänger Joshua Homme. Sie kam nicht zurück.

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