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Pop-Kolumne „Das wird’s“ : Zwischen Wahnsinn und Verstand

Peter Maffay am Beginn einer kurzen Deutschlandtournee im Februar Bild: dpa

Der eine, Sido, verbreitet in Socken Verschwörungstheorien und sagt nachher, so war es nicht gemeint. Der andere, Peter Maffay, sammelt Unterschriften für die Rückkehr der Konzertkultur. Über die alte Schule konstruktiver Agitation.

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          Sie haben es ja selbst nicht leicht. In Amerika ist so gut wie jede erfolgreiche Musikerin, jeder Popstar entweder Illuminat oder ein gestaltwandelndes außerirdisches Reptil. Sogar Leute wie Justin Bieber. Das liegt an seiner echsenhaften Art zu blinzeln. Auch Katy Perry und Madonna haben sich längst verraten. Avril Lavigne wurde nach ihrem ersten Album durch eine etwas größere Doppelgängerin ersetzt, und Jay-Z ist in der Zeit zu uns gereist.

          Elena Witzeck
          Redakteurin im Feuilleton.

          Das ist schlimm. Leider ist es noch schlimmer, wenn die Stars mit ihrem Millionenpublikum selbst konspirative Theorien verbreiten. Was sie damit lostreten und wen sie anstecken, haben die letzten Wochen gezeigt. Und zuletzt hat eine Nachfrage bei Sido gezeigt, wie sie es vor sich rechtfertigten: Er habe doch nichts verbreitet, sagte der, das sei alles schon da gewesen.

          Viel lauter geworden

          Nun ist es nicht ganz unüblich, dass sich Stars in ihren Heldenphantasien für die „Aufklärung“ komplexer Sachverhalte durch simple, weithin abgelehnte, weil haarsträubende Erklärungen begeistern. Auch Drogenkonsum mag da eine Rolle spielen. Der Chefredakteur von Rap.de, genannt Skinny, hat dem „Spiegel"-Ableger „Bento“ nach dem Eklat gesagt: „In erster Linie äußern sich die, die das vorher auch schon gemacht haben.“ Sie seien nur viel lauter geworden.

          Man könnte seine Energien natürlich auch einfach konstruktiv nutzen. Darauf kommen aber offenbar nur die, an die man zuallerletzt gedacht hätte, weil sie schon lebenslang im Business sind. Peter Maffay hat Anfang der Woche einen offenen Brief an die Bundeskanzlerin, den Bundestag und das Finanzministerium geschickt. Es geht um die Lage der Konzertbranche. Da müsse sich jetzt etwas für Veranstalter und Künstler tun. Vor allem die jungen Musiker, die noch am Anfang stünden, brauchten die Livemusik. „Sie ist im wahrsten Sinne des Wortes ein wichtiger Teil der Harmonie in unserem täglichen Leben.“

          Unterstützt wurde der Aufruf unter anderen von den Scorpions, Angelo und Joey Kelly, Sasha, Sven Väth, Till Brönner, Die Happy und PUR. Streiten ließe sich darüber, warum das so lange gedauert hat, weniger Aufwand als die Aneignung einer Verschwörungstheorie war es auf jeden Fall. Egal. Schön wäre nur, die Liste würde länger und bunter. Dann entkämen wir vielleicht auch endlich der Lage, nur die zu hören, die am schrillsten schreien.

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