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Pop français : Der erste Samba von Paris

Pionierin des musikalischen Aufbruchs: die Sängerin Jane Birkin Bild: Capitol

In einer fliegenden Citroën DS von Saint-Germain nach St. Barthelemy - Coralie Clément, Julie Delpy, Jane Birkin und ihre Tochter Charlotte Gainsbourg singen die Lieder der Saison.

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          Es gab, als die Sängerin Jane Birkin vor einiger Zeit in Paris auftrat, eine Szene, da stand sie im Rampenlicht ganz vorn auf der Bühne und hielt das Mikrophon in die Höhe, und so, wie sie es tat, erinnerte sie an die kleine Freiheitsstatue, die nicht weit entfernt auf der Seineinsel vor dem Gebäude von Radio France steht und mit ihrer Fackel in Richtung New York winkt - und vielleicht war dieser Moment einer, der die Situation der neuen französischen Musik auf den Punkt brachte: eine englische Schauspielerin, die Ende der sechziger Jahre in Frankreich als Sängerin berühmt wurde und nun wie ein Gruß an die neue Welt auf einer Pariser Bühne stand.

          Niklas Maak

          Redakteur im Feuilleton.

          Seit einiger Zeit gibt es - mit Air und Daft Punk einerseits, Benjamin Biolay und Carla Bruni andererseits - in Frankreich eine Musikbewegung, die sich nicht mehr darauf beschränkt, alte Chansontraditionen unbeirrt in die Gegenwart zu schleifen oder aber in einem wütenden Akt der Überaffirmation den amerikanischen Pop so gut zu frankophonisieren, wie es eben geht; seit einiger Zeit gibt es eine französische Musik, in der sich Folk und Pop, Samba und Chanson zu ungehörten Dingen vermischen; in der Amerika, Brasilien und Frankreich nicht mehr so seltsam unzusammenhängend wie ein Cafe noir neben einem Bagel und einer Kokosnuß stehen, sondern so klingen, als gehörten sie schon immer zusammen.

          Ein anderes Frankreich

          Es gab schon einmal diese Form von selbstbewußter Sehnsucht nach dem angloamerikanischen Sprachraum in der französischen Musik - bei Charles Aznavour, als er "You are the one for me, for me, for me, formidable / You are my love very, very, very, veritable" sang, oder eben in den Liedern, die die 1946 in London geborene Schauspielerin und Sängerin Jane Birkin 1969 mit Serge Gainsbourg sang. Birkin, die 1966 mit ihrer Rolle in Antonionis "Blow Up" bekannt wurde, verkörperte mit ihrer spitzen, überdrehten Stimme ein anderes Frankreich, eines, in dem der britische und amerikanische Pop Einzug gehalten und sich auf das Beste mit dem genialischen örtlichen, existentialistisch dunklen Gebrummel verbunden hatte, für das wie kein anderer Birkins große Liebe, der Komponist, Kettenraucher und Chaospoet Serge Gainsbourg, stand.

          Deutlich düsterer: Jane Birkins Album „Rendez-vous”

          Jetzt, 35 Jahre später, hat die Pionierin der Internationalisierung des französischen Chansons ein Album voller Duette aufgenommen, darunter eine großartige Coverversion von Bryan Ferrys Roxy-Music-Song "In every dreamhome a heartache", der hier noch finsterer und elegischer als das Original klingt, dazu ein italienisches Duett mit Paolo Conte und ein brasilianisches mit Caetano Veloso. "Rendez-Vous" ist ein spannendes, hier und da aber auch reichlich düsteres Album, in dem einem ehemalige Gutelaunekracher wie Michel Delpechs "Pour un flirt avec toi" wie musikalische Untote entgegengeschlurft kommen; zumindest bei diesem Lied möchte man schnell den Hebel von "33" auf "45" schalten, was beim CD-Player ja leider nicht mehr funktioniert.

          Countrymusik und Chanson vermählt

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