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Pop-Anthologie (163) : Sein König war der Duke

In den zwei Präsidentschaftswahlkämpfen von Barack Obama unterstützte Stevie Wonder den demokratischen Kandidaten. Bild: AFP

Stevie Wonder hat sein Werk mit 30 Jahren nahezu abgeschlossen, zuvor stand er auf einer Stufe mit den Beatles. Als er dem gerade verstorbenen Duke Ellington huldigte, war er auf dem Höhepunkt seines Schaffens.

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          Das Studio des Musiklabels Motown in Detroit ist ein unscheinbarer flacher weißer Bau an einer vielbefahrenen Straße. Doch sobald man die Räume betritt, in denen Dutzende von Welthits entstanden sind, vermittelt sich sofort die Magie dieses Ortes. Im ehemaligen Aufnahmestudio lässt sich auch die kulturelle Trennung der verschiedenen Ethnien in den USA spüren.

          Philipp Krohn
          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Ein Guide braucht nur kurz drei Töne anzustimmen (di-dö-dö) und schon singt der ganze Raum „I got sunshine on a cloudy day“. Doch das weiße Publikum steigt nach den ersten Zeilen aus und erst zum Refrain des Temptations-Klassikers „My Girl“ wieder ein. Die Schwarzen singen vom Anfang bis zum Ende voller Inbrunst mit. Es ist ihre Kultur. Labelgründer Berry Gordy aber war darum bemüht, sie auch zu der des zahlungskräftigen weißen Publikums werden zu lassen.

          Die Räumlichkeiten hat Stevie Wonder zum ersten Mal als Elfjähriger betreten. Bald stellte sich heraus, dass der bei Geburt erblindete junge Sänger eines der Musikgenies war, von denen Gordy mehr als ein Jahrzehnt lang auch finanziell enorm profitierte, bevor sie sich künstlerisch selbständig machten und mitten in der Zeit der Black Power zu Chronisten des sozialen Wandels wurden.

          Allein schon die Sechziger-Hits machen ihn zum Star

          Würde man nur die ersten zehn Jahre seiner Karriere bis zum Jahrzehntwechsel von den sechziger in die siebziger Jahre bewerten, zählte Stevie Wonder mit Eigenkompositionen wie „I Was Made To Love Her“, „Uptight“ oder „I’m Wondering“ oder fremdem Material wie „For Once In My Life“ oder „Blowin‘ in the Wind“ schon zu den Großen der Popmusik. Ein zuverlässiger Lieferant kontinuierlicher neuer Hitsingles für Radio und Tanzfläche.

          Dann deutete sich im Übergang der Jahrzehnte mit „Signed, Sealed, Delivered (I‘m Yours)“ an, dass Wonder bereit war, noch eine weitere Stufe zu nehmen. Vom Album „Where I’m Coming From“ im Jahr 1971 an legte er ein Werk vor, das im Rang dem der Beatles ebenbürtig ist. Anders als den Fab Four, die in der Popgeschichtsschreibung zurecht eine zentrale Rolle zugewiesen bekommen haben, wird dieser Rang in der Spitzengruppe Stevie Wonder aber trotz seiner Serie von acht unverwechselbaren Klassikern, 20 Nummer-Eins-Hits über die gesamte Karriere und 25 Grammys nicht automatisch zuteil. In den Bestenlisten ist als afroamerikanisches Beispiel der Platz für Marvin Gayes pazifistisches und ökologisches Meisterwerk „What’s Going On“ reserviert.

          Über „Songs In The Key Of Life” von Stevie Wonder, eines der fünf besten Doppelalben der Popgeschichte, wird immerhin nur positiv gesprochen. Ähnlich wie das „White Album“ der Beatles galt es bei Veröffentlichung 1976 als eine Bestandsaufnahme dessen, was in seinem Genre zu diesem Zeitpunkt möglich war: Funk, Soul, Pop, Fusion, Latin verschmolz der Sänger und Komponist kunstvoll.

          Der Einfluss des Albums von 1976 ist greifbar

          Zwanzig Jahre später waren die Nachwehen bei den großen Figuren der Popkultur dieser Zeit mehr als zu spüren – sie lieferten zum Teil leicht überarbeitete Übersetzungen von Wonder-Songs in die Jetztzeit, die kaum anders klangen als im Original: beim Rapper Coolio („Gangsta’s Paradise“), bei George Michael im Duett mit Mary J. Blige („As“) oder beim Kinostar Will Smith („Wild Wild West“).

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