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Pop : Alles, was du brauchst: das neue Beatles-Album

  • -Aktualisiert am

Ewige Besteller Bild: dpa

Die Beatles, so will es die Plattenfirma, sind pünktlich zum Weihnachtsgeschäft wieder da - und das auch noch in Dolby Surround. Ihr „neues“ Album „Love“ aber entpuppt sich als Etikettenschwindel.

          Es dürfte sich herumgesprochen haben: Es ist nicht gut bestellt um die Popmusik und die dazugehörige Großindustrie. Jungen Bands fällt außer Neuauflagen mittelmäßiger Ideen von vor zwanzig Jahren nicht mehr allzuviel ein, echte Stars gibt es immer weniger, Robbie Williams macht jetzt depressiven Para-Hip-Hop, und dann auch noch diese Downloads - schrecklich. Noch schrecklicher: Rettung ist nicht in Sicht. Weder für die Musik noch für die mit ihr Handelnden. Es gibt niemanden, der im derzeitigen Musikmorast in der Lage wäre, noch mal ein richtiges Zeichen zu setzen.

          Fast niemand. Zum Glück gibt es die „Beatles“ und ihr am Freitag erscheinendes neues Album „Love“. „Love“? „Beatles“? Neues Album? Sind die nicht ... - Nein, sind sie nicht. Jedenfalls glaubt die Plattenfirma EMI tapfer an ein Weiterbestehen der 1970 aufgelösten Band. Oder zumindest doch an eine kurzfristige Wiederinbetriebnahme pünktlich zum Weihnachtsfest. Und, jawohl, „Love“ ist „ein wirklich neues Album der ,Beatles'“, das schreibt jedenfalls Tony Wadsworth, Geschäftsführer der britischen EMI, in einer Pressemitteilung.

          Ein wilder, neuer Mix

          Zur Erklärung: Sechsunddreißig Jahre nach der Trennung der Band, sechsundzwanzig Jahre nach der Ermordung John Lennons und fünf Jahre nach dem Krebstod George Harrisons meinen die verbleibenden Ex-Mitglieder McCartney und Starr im Verbund mit Yoko Ono und Olivia Harrison der Bandgeschichte der vier Alleserfinder noch ein Kapitel anhängen zu müssen. Vor etwa drei Jahren bereits trat das Grüppchen mit einer Bitte an Sir George Martin, den legendären „Beatles“-Produzenten, heran. Ob er wohl für eine Zusammenarbeit mit dem Cirque du Soleil noch mal die alten Masterbänder aus dem Keller holen und daraus einen wilden, karriereumspannenden neuen Mix schaffen könne? Gemeinsam mit seinem Sohn Giles machte sich der inzwischen Achtzigjährige an die Arbeit.

          Mit „Love” hatten sies schon immer: 1967 in London

          Das Ergebnis liegt nun vor und läßt auch Paul McCartney kurz die Realität vergessen: „Dieses Album bringt die ,Beatles' wieder zusammen, denn plötzlich sind John und George wieder mit mir und Ringo zusammen.“ John Lennon und George Harrison dürften das anders sehen, aber nun ja, der Überschwang. Auch Yoko Ono hat etwas zur Platte zu verkünden: „Das Album vermittelt das Gefühl von Liebe, und deswegen heißt es auch ,Love'.“

          McCartney hatte keine Zeit

          Am Dienstag der vergangenen Woche lud die Plattenfirma in den Kölner Mediatower, wo der gesamten Musikjournalistenmischpoke das „neue Beatles-Album“ stilvoll und im Surround-Sound um die Ohren geblasen werden sollte. Mit dem Aufzug geht es hinauf in die Lounge, von wo aus man einen einmaligen Blick über die Stadt genießt. Die Restbeatles sind freilich nicht anwesend. Ist erstens bei sogenannten Listening-Sessions nicht üblich, zweitens wurden ja alle Statements bereits vorab auf Zetteln ausgeteilt, und drittens wäre sowieso nichts dabei rumgekommen: Paul McCartney, der noch vor nicht allzu langer Zeit für diverse „Beatles-Songs“ den Songschreiber-Credit „Lennon/McCartney“ in „McCartney/Lennon“ ändern lassen wollte, ist gerade in einen ebenso häßlichen wie öffentlichen Ehekrieg mit seiner Nochfrau Heather Mills verstrickt und wäre vermutlich sehr unkonzentriert gewesen, und Ringo Starr hätte vermutlich eh nur rumgesessen, gegrinst und das Peace-Zeichen gemacht.

          Warum dann überhaupt so ein Theater? Hätte man nicht einfach ein paar Vorabmuster an betagte Beatles-Experten in den diversen Redaktionen schicken können? Natürlich nicht, weil sich auch unter betagten „Beatles“-Experten mindestens ein Finsterling gefunden hätte, der „Love“ kaltherzig ins Netz gestellt hätte, was das Konzept der „Liebe“ (Yoko Ono) ja wohl völlig pervertiert hätte.

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