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Heavy Metal für den Frieden : Sie stehen in der Mitte des Konflikts

  • -Aktualisiert am

Schwermetaller als Friedensfürsten: Orphaned Land mit ihrem Bandleader Kobi Farhi in der Mitte Bild: Ami Bornstein

In Gaza spitzt sich der militärische Konflikt zu. Die bekannteste Metal-Band Israels kämpft dagegen schon lange für religiöse Verständigung. Auf ihren Konzerten versammelt sie Juden, Christen und Muslime gleichermaßen.

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          Seit dem gewaltsamen Tod dreier jüdischer Jugendlicher und dem grausamen Vergeltungsmord an einem jungen Palästinenser hat sich der Konflikt zwischen Israel und der Hamas innerhalb weniger Wochen in drastischer Weise zugespitzt. Die Zahl der Toten steigt täglich, ein dauerhafter Waffenstillstand ist nicht in Sicht. Eine Gruppe israelischer Heavy Metal-Musiker versucht dagegen schon seit Jahren, ein Zeichen für den Frieden in der Konfliktregion zu setzen.

          Orphaned Land sind einer der international erfolgreichsten Musikexporte Israels – und das, obwohl sie sich musikalisch weit fernab des Mainstreams bewegen. Ihr Stil lässt sich im Bereich des progressiven Metal verorten, immer wieder mischen sie jedoch auch traditionelle Instrumente in den Sound, die dem Ganzen einen orientalischen Charakter verleihen.

          Muslimische Anhänger in allen Ländern 

          Das neuste Album der Band trägt den Titel „All Is One“ und vereint auf seinem Cover die Kernsymbole der drei abrahamitischen Religionen, das Kreuz, den Davidstern und die Hilal genannte arabische Mondsichel. Die Völkerverständigung und der Friede zwischen den Religionen ist das Hauptthema von Orphaned Land und findet sich auch in den Texten wieder, die in bis zu fünf verschiedenen Sprachen vorgetragen werden.

          Im Titelsong von „All Is One“ heißt es: „Evil falls on each of us, there’s nothing new / Who cares if you’re a Muslim or a Jew?“ Auch „Brother“ hinterfragt den Sinn eines Konfliktes, in dem sich zwei Religionen in einem für beide Seiten heiligen Land seit Jahrzehnten bekriegen: „The lord blessed us both, but we still fight and claim.“   

          Derzeit ist die Türkei das einzige Land, in dem die Musiker auch vor ihren muslimischen Anhängern auftreten können. Zu diesen Gelegenheiten reisen die muslimischen Fans oftmals aus den unterschiedlichsten Ländern der arabischen Welt an. Im vergangenen Jahr ging die Band mit der palästinensischen Gruppe Khalas auf Europatournee. Angesprochen auf mögliche Proteste sagte Sänger Kobi Farhi dem Musikmagazin Rolling Stone damals: „Wir leben zusammen, wir spielen zusammen und wir scheren uns nicht darum, was die Politiker sagen.“

          Ein Konflikt mit mehr als einem Schuldigen

          Fast zehn Monate später hat sich die Situation im Gaza-Konflikt innerhalb weniger Wochen rapide verschlechtert. Die letzten Tage in seiner Heimatstadt Bat Yam, nahe Tel Aviv, gehörten für Farhi zu den schlimmsten, die er jemals in diesem Land erlebt hat. Der Weg zum Hass, zur Rache, zum Blutvergießen und zum Krieg sei ein so kurzer gewesen, was man aufgebaut habe, sei innerhalb von Tagen zerstört worden. „Es ist sehr frustrierend, vor allem als Musiker, der sein ganzes Leben dem Schreiben von Songs gewidmet hat, die Menschen zusammenbringen sollen.“

          Obwohl sich keiner der Musiker auf eine Seite der Kriegsparteien schlägt, sieht Kobi Farhi Orphaned Land durchaus als politische Band. „95 Prozent unserer Songs behandeln Themen, die mit der Situation im Nahen Osten verknüpft sind. Die Tatsache, dass wir Israelis sind und eine so große Anzahl arabischer Fans haben, hängt damit zusammen, dass wir diese Themen ansprechen, aber niemals Partei ergreifen.“

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