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Online-Dancefloors eröffnen : Berliner Clubs starten weltweite Spendensammlung

  • Aktualisiert am

Wie wird wohl der Dancefloor ohne Gäste aussehen? Bild: dpa

Seit vergangenem Wochenende sind die Berliner Clubs geschlossen. Jetzt haben sie in einer gemeinsamen Aktion einen Online-Stream eingerichtet. Und sagen: Es geht um Spenden, nicht um Party.

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          Vor zwei Wochen kämpften die Berliner Clubs noch um mehr Anerkennung und Kulturschutz – jetzt geht es ums bloße Überleben. Die Berliner Clubcommission, Vertreter der Betreiber in der Hauptstadt, hat angekündigt, am Mittwoch eine Streamingplattform zu eröffnen, auf der täglich Programm aus den Berliner Clubs zu sehen und hören sein wird. Ziel ist, die Nutzer daheim zum Spenden zu animieren. „Wir leben davon, Menschen zusammenzubringen und ihnen Schutzräume zu bieten“, sagte Lutz Leichsenring, Sprecher der Clubvertreter, bei der Vorstellung am Dienstag. „Offensichtlich hat dieser Schutzraum nicht ausgereicht.“

          Auf der Website unitedwestream.berlin wird jeden Tag zwischen 19 und 24 Uhr live aus einem der Berliner Clubs übertragen. Den Anfang macht das Watergate an der Spree. Auch der Tresor, das Sisyphos, die Griessmühle und andere bekannte Berliner Clubs hätten sich angemeldet, so Leichsenring. Es gebe schon für mindestens dreißig Tage Programm. Neben den DJ-Sets und Livemusik sollen über den Stream auch Diskussionen, Vorträge und Filme im Kontext der Clubkultur zu sehen sein. Das Programm wird gemeinsam mit ARTE concert auf die Beine gestellt.

          Mittel zum Zweck

          Die Online-Dancefloors dürften aber nur „ein Mittel zum Zweck“ sein. Mit den Spendengeldern sollen „soziale Härtefälle“, also besonders notleidende Clubs und Künstler, unterstützt werden. Keinesfalls wolle man tanzfreudige Menschen animieren, Freunde zu sich nach Hause einzuladen und damit die gerade notwendige soziale Isolation zu konterkarieren, sagte Leichsenring. Dafür sei der Stream auch gar nicht geeignet.

          Seit vergangenem Wochenende sind alle Clubs in Berlin geschlossen, um die Ausbreitung des Corona-Virus unter Kontrolle zu bringen. Das gesamte Nachtleben ist stillgelegt. Etwa 9000 Mitarbeiter und mehrere tausend Künstler sind ohne Beschäftigung. In den nächsten Wochen geht es darum, gerade die kleineren Clubs vor dem Ruin zu schützen. Einige haben bereits Insolvenz beantragt. Aber selbst für das Berghain, den bekanntesten Club Deutschlands, werde mit seinen 350 Mitarbeitern in Nöte geraten, so die Clubvertreter.

          Die Clubcommission hofft auf ein Rettungspaket in Höhe von zehn Millionen Euro. Bis die Politik sich auf einen Fonds festlegt, soll das durch den Stream eingesammelte Geld helfen. Weiter in die Zukunft denken als vier Wochen, also die bislang festgelegte Phase der Schließung, möchte man lieber noch gar nicht.

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