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Oh Susanna : Die Liebe ist ein zartes Ding

  • -Aktualisiert am

Daß jemand den Mut hat, so etwas zu singen - Oh Susanna Bild: Hot Records

Jeder Song auf Oh Susannas neuem Album wirkt als kleines Wunder für sich. Und ihre Stimme hat eine Qualität, die selten geworden ist in der Popmusik: Sie berührt.

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          Der Kritiker des Magazins "Stereo" sagte, dies sei die "Rose im großen Garten der Mauerblümchen". Sylvie Simmons meint, diese Rose fülle die Lücke zwischen Dolly Parton und Sinéad O'Connor. Dazwischen ist viel Platz. Gibt es Bedarf an einer Lückenbüßerin namens Suzie Ungerleider? Und was hätte sie zu tun mit der wasserstoffblonden amerikanischen Jodlerin oder der sich schroff gebenden, selbstzerstörerischen Empfindsamkeit der kahlköpfigen Irin? Mehr, als man denkt.

          Edo Reents

          Redakteur im Feuilleton.

          Die 1971 in Massachusetts geborene Kanadierin, die sich in Anlehnung an einen Song von Stephen Foster aus der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts Oh Susanna nennt, ist eine Interpretin der alternativen Popmusik. Daß ihre Lieder formal alles andere als wagemutig sind, ist dabei von Vorteil und läßt ihre Ausdruckskraft, die in der Tat zwischen der abgeklärten, scheinbar naiven Unbekümmertheit einer Parton und der infantilen Kratzbürstigkeit der O'Connor changiert, erst recht hervortreten. Eine Stimme, die ihresgleichen zur Zeit nicht hat, bringt das Repertoire mit einer Intensität zu Gehör, die weit davon entfernt ist, aufdringlich zu wirken. Sie hat eine Qualität, die selten geworden ist in der Popmusik: Sie berührt.

          Vielleicht will sie einfach vernünftige Musik machen

          Vermutlich deswegen taucht Oh Susanna nicht in Hitparaden und Radios auf. Dort verstopft ihre Landsmännin Shania Twain die Kanäle mit einer herzlosen Musik, die immerhin soviel beweist: Man muß nur dreist genug sein, dann kann man auch die Musik mit dem wenigsten sex appeal, als welche Countrymusik immer noch gilt, zu einem Massenprodukt glattschleifen, bei dem man am Ende gar nicht mehr weiß, um was es sich dabei handelt.

          Country macht Suzie Ungerleider auch. Aber auf den Gedanken, sich einen Produzenten ins Haus zu holen, der ihr die Tür zur Hitparade aufhält, ist sie vermutlich in ihrem Leben noch nicht gekommen. Das mag mit einer natürlichen Scheu der Bibliotheksangestellten zu tun haben, die sie einmal war; es kann auch ganz einfach so sein, daß sie vernünftige Musik machen will, in der die Tradition noch etwas zu suchen hat - welche Sängerin käme sonst auf die Idee, Otis Reddings schwermütiges Nachlaßlied "I've Got Dreams to Remember" zu intonieren? - und die dennoch annehmbar zeitgenössisch klingt. Letzteres ist auf dem immer noch expandierenden Markt des alternative country, der inzwischen fast etwas schamlos auf das Retro-Bedürfnis seiner Kundschaft setzt, gar nicht so schwer; Vorbilder gibt es genug. Doch selbst die Nachahmung des Gelungenen hat diese Sängerin nicht nötig. 1997 legte sie ein Kurzalbum mit sieben "Murder Ballads" vor und provozierte nicht nur deswegen erste Vergleiche mit Nick Cave, ohne daß sich die Musikkritik oder gar das Feuilleton deswegen groß mit ihr befaßt hätte.

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