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Oasis : Was habt ihr eigentlich gegen innerbetriebliche Mitsprache?

  • -Aktualisiert am

Brauchten viel Zeit: Die Gallagher-Brüder Bild: dpa/dpaweb

Müßiggang ist aller Tugenden Anfang: Die besten Noel-Gallagher-Songs schreiben heute andere, aber das kann dieser Band nur nützen - Das sechste Album von „Oasis“

          5 Min.

          Der größte Fehler in der „Oasis“-Rezeption war es vermutlich, diese Band mit einer Art von Zeitgeist, ja sogar mit Politik in Verbindung zu bringen und ihr gleichzeitig eine Wiederbelebung bester britischer Poptraditionen abzuverlangen. Das war ein folgenreiches Mißverständnis.

          Edo Reents

          Redakteur im Feuilleton.

          Ihre Musik wurde als Soundtrack für etwas gehört, das sich wie die Popkultur als solche hauptsächlich in der Vorstellung der Leute abspielte und das es im Grunde gar nicht gab. New Labour und Cool Britannia waren Erfindungen, Hochstapeleien, genauso wie es natürlich hochstaplerisch war, wenn die Band behauptete, nicht nur die neuen „Beatles“ zu sein, sondern auch größer als diese. Sie war nur lauter. Doch niemand störte sich daran und nahm zur Kenntnis, daß etwa eine erheblich gewitztere Gruppe wie „Ocean Colour Scene“ das ganz große Erbe viel eher hätte beanspruchen können.

          „Oasis“ konnten schon deswegen keine Aufbruchstimmung erzeugen, wie man sie in Großbritannien nach dem Machtwechsel von Major zu Blair spürte, weil ihre Musik nicht entwicklungsfähig war. Mit der zweiten Platte hatten sie alles gesagt; was danach kam, wurde ausschließlich im Hinblick darauf gehört, ob es das Niveau von „Definitely Maybe“ und „(What's The Story) Morning Glory?“ halten könne, was nie mehr der Fall war. Immerhin schafften diese beiden Alben etwas, was klassischen Bands normalerweise schon lange nicht mehr gelingt: einen Mythos zu begründen, der sich nicht allein den Pressekampagnen verdankt, sondern wirklich der Musik. Kein an Rockmusik Interessierter wird „Cigarettes and Alcohol“ oder „Champagne Supernova“ je vergessen, Lieder, die mit all ihrer Großspurigkeit, ihrer Härte und ihrem Enthusiasmus noch einmal exemplarisch vorführten, was ein auf das Wesentliche reduzierter, von Selbstzweifeln ganz und gar unangekränkelter Musizierwille vermag.

          Schreibt nicht mehr alle Songs selbst - Noel Gallagher

          Noel Gallagher fiel nichts mehr ein

          In ihrer besten Zeit vermittelten „Oasis“ nämlich dem Publikum auf eine anachronistische Weise die Vorstellung einer Rockband als erstrebenswerter Lebensform, in der an einmal entwickelten Tugenden und Standards so eisern festgehalten wird wie in einer englischen Arbeiterfamilie. Die Musiker freilich vermochten den Widerspruch nicht aufzulösen, der sich aus ihren mitunter ruppig ausgelebten Aufsteigerträumen und der Weigerung ergab, dem proletarischen Milieu den Rücken zu kehren. Mit ihren wichtigsten Konkurrenten „Blur“ und „Radiohead“, die sich der Tüftelei ergaben und sich vom Rockimage distanzierten, hatten sie schon bald nichts mehr gemeinsam.

          Sie spielten auch in vermeintlich experimentellen Phasen so geradlinig wie die von ihnen vergötterten englischen Fußballer, auch wenn dafür nur die größten Hallen groß genug waren. Anders als viele Konkurrenten gaben sie sich nicht damit zufrieden, daß sich Popmusik auf dem Plattenteller und im Konzertsaal abspielte; es mußten auch die Boulevardzeitungen sein, die, neben der in der Tat schwächer werdenden Musik, für Überdruß sorgten. „Oasis“ waren seit ihrem dritten Album 1997 nur noch Prominente, denen nichts mehr einfiel - genauer gesagt: Noel Gallagher fiel nichts mehr ein, dem Gitarristen und bis dahin alleinigen Songschreiber, der die Band zusammenhielt, Interviews gab und seinem Bruder und Sänger Liam meistens den Vortritt ließ, wenn es darum ging, die Öffentlichkeit gegen sich aufzubringen.

          Noel Gallagher spürte früh und gab vor wenigen Jahren auch öffentlich zu, daß gerade ein Repertoire an zündenden Songideen schnell erschöpft ist. So wurde, befördert sicherlich auch durch den Austausch von Gruppenmitgliedern, eine Art Demokratisierungsprozeß eingeleitet, der schon beim erstmals nach Jahren die Erwartungen wieder halbwegs erfüllenden Album „Heathen Chemistry“ spürbar war und der sich nun auszuzahlen scheint.

          Dröhnende, Primitive Kraft

          „Don't Believe The Truth“, die sechste „Oasis“-Platte, ist vor allem wegen der Lieder, die nicht von Noel Gallagher stammen, so gut geworden. Das Beste kommt von den Neulingen Andy Bell und Gem Archer; der Gallagher-Ausstoß ist, inklusive des von Liam Geschriebenen, auf die Hälfte heruntergefahren - eine Maßnahme, die das Weiterleben der Band auf Jahre hinaus gewährleisten dürfte.

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