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Neues von Van Halen : Die Äxte der Dickköpfe

  • -Aktualisiert am

Wegen solcher Leute ritzte man einst intime Bekenntnisse in Schultische: David Lee Roth (l.) und Eddie Van Halen am Beginn einer neuen Freundschaft Bild: Robert Yeager

Nur echt mit den drei Streifen: Die Hardrockband Van Halen ist glücklich wiedervereint mit dem Original-Sänger David Lee Roth und macht Rummsrock, bei dem die Richtung stimmt.

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          Das V schmiegt sich ans H, und links und rechts stechen drei triumphale Streifen heraus: Die Zeit, in der dieses Bandlogo auf Schultische gemalt wurde, scheint so unendlich weit entfernt. Am ehesten vergegenwärtigen kann man sie sich anhand eines Films von 1979 mit dem Titel „Over the Edge“: Vandalismus war das Thema, und Matt Dillon in seiner ersten Filmrolle verkörperte es zu Van Halens Hardrock-Version des Kinks-Klassikers „You Really Got Me“. Der Film wurde bald verboten.

          Jan Wiele
          Redakteur im Feuilleton.

          Nicht zu bremsen war dagegen die kalifornische Jugendbande um die Brüder Edward und Alex van Halen an Gitarre und Schlagzeug, den Bassisten Michael Anthony und den Sänger David Lee Roth. Von 1978 bis 1983 veröffentlichte sie jedes Jahr ein Album, das mindestens Platinstatus erreichte, vom selbstbetitelten Debüt bis zu jenem orwellianisch anmutenden „1984“, das den fröhlichen Hit „Jump“ enthielt, aber mit seinem Coverbild schon wieder Anstoß erregte: Ein Engelskindchen genehmigte sich darauf seine erste Zigarette.

          Früher war mehr Glametta: Die beiden im Oktober 1982 auf einer Bühne in Philadelphia
          Früher war mehr Glametta: Die beiden im Oktober 1982 auf einer Bühne in Philadelphia : Bild: dapd

          Van Halen waren eben eine erklärte Partyband, deren Charakter der Frontmann Roth wohl selbst am besten beschrieben hat: Der Glitzerfaktor der Bee Gees traf auf den Punk der Sex Pistols. Wirklich anarchisch war die Gruppe aber keineswegs; der Besuch einer Van-Halen-Show sollte vielmehr den Höhepunkt einer lange aufgestauten Triebabfuhr darstellen, für die man wochenlang seine Schlaghosen bügelte und stärkte, danach aber wieder zurück zur Schule gehen konnte - so erzählt es Roth in seinem auch musikgeschichtlich überaus lesenswerten Buch „Crazy from the Heat“.

          Was diese Konzerte zu einer solchen Attraktion machte, waren aber nicht nur die athletischen Sprünge des flamboyanten Sängers in unglaublichen Hosen, sondern vor allem die völlig neue Spieltechnik des Gitarristen Edward van Halen, der mit ungekannter Schnelligkeit Arpeggien spielte, indem er eine selbstentwickelte Art des Fingertappings anwandte - und das dazu noch auf einer feuerroten Stratocaster mit anarchistischen weißen Streifen. „Eruption“ heißt eines seiner Solostücke bezeichnend, und Frank Zappa sagte bewundernd, Eddie Van Halen habe das Gitarrenspiel neu erfunden.

          1985 kam es zum Bruch zwischen Sänger und Band, und es folgte eine zweite Phase von Van Halen mit dem so ganz anderen Sammy Hagar. Der war zwar auch athletisch und lieferte sich zudem Gitarrenschlachten mit Eddie; seine Zeit mit der Band steht aber stärker im Zeichen der monothematischen Rockballaden mit Keyboard-Klangteppich, die es früher bei Van Halen nicht gab: „Why Can’t This Be Love“ (1986), „When It’s Love“ (1988) und „Don’t Tell Me (What Love Can Do)“ (1995).

          Alles ist wieder da

          Während sich eingefleischte Fans noch stritten, wer nun der bessere Sänger sei, wurden Van Halen wie viele Alt-Rocker Mitte der Neunziger zunehmend schwer vermittelbar, und auch Kleidungsstil und Frisuren litten unter Anpassungsschwierigkeiten. Der nächste Versuch der Band mit dem Sänger Gary Cherone schließlich zeitigte 1998 ein so blasses Album, dass er heute schon fast wieder vergessen ist.

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