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Forster, Lambchop, Mekons : Die goldene Generation der Independent-Songwriter

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Anders Kurt Wagner, der sich auf „This“ mal wieder als Lambchop verkleidet. Waren es einst vor allem seine Texte, die nicht zu dechiffrieren sind, so ist es inzwischen auch die Musik. Bei aller Zuneigung auch zu Wagner: Es fällt selbst dem Fan schwer, die einzelnen Songs der letzten, immer seltener werdenden Alben auseinanderzuhalten. Ein fragiler Klangstrom umhüllt uns seit langer Zeit schon, dem die gewohnten Regeln des Songwriter-Handwerks egal sind, der nur noch den eigenen Gesetzen gehorcht. Durchscheinend wirkt die Musik, ein Schleier, eine Abwesenheit. Die Möglichkeiten, den Gesang elektronisch zu verfremden, werden auch auf „This“ wieder ausgiebig genutzt und tragen weiter bei zu dem außerweltlichen Musikerlebnis, das immer noch behauptet, ein Lammkotelett zu sein. Und doch: auch hier Momente puren Glücks, kleine Wendungen, Verzierungen, unerwartete Abweichungen. Kein Hit, nirgends, aber Musik aus Amerika, die man nur in Teilen Europas hört.

„Deserted“, das Ende März erscheinende Album von den Mekons, der Band von Jon Langford und Genossinnen, geht noch einmal einen komplett anderen Weg: Die sich immer wieder zusammenraufenden Gründermütter und -väter des nordenglischen Punks haben hier trotz des gewohnt raubatzigen Gesangs ihr einstiges Rabaukentum gegen eine Finesse getauscht, die den Songs teils eher nicht so gut steht – und in den besten Momenten an das Siebziger-Jahre-Art-Rock-Duo Godley & Creme erinnert: Auf „Lawrence of California“ oder „Harar 1883“ wähnt man sich fast körperlich zurückversetzt in die Art-School-Pop-Szene der Siebziger, als man versuchte, zu Philosophie zu tanzen. Doch gibt es ein Publikum, das auf Songtitel wie „Weimar Vending Machine“ abfährt und auf den Glamour vergangener Musikjahrzehnte? Was die Hitparaden angeht, erzählt die Abbildung eines alten Konzertposters aus den Siebzigern auf der Facebook-Seite der Band die ganze Geschichte in knappster Form. Während die Mekons Headliner sind, werden unter „ferner liefen“ auch U2 geführt: „Ja, U2 waren eine unserer Vorgruppen, und die Jungs sahen so jung aus und so klein und zerbrechlich und hatten trotzdem bereits diese heroischen Fußballstadien-Gesten drauf, die sie dann groß gemacht haben.“ Näher am ursprünglichen Mekons-Modell ist die personell leicht anders zusammengesetzte Gruppenversion Mekons 77, deren 2018 erschienenes Album „It Is Twice Blessed“ (Slow Things/Indigo) es schaffte, unpeinlich die besten Punk-Tugenden fortzuschreiben: lautstark agitierend die Wahrheit zu singen. Schöner und besser ist diese ja nicht geworden, und die Falten und Plauzen der Mekons 77 passen da bestens ins Bild.

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