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Neues Album von The Cure : Der Preis unseres Glücks

  • -Aktualisiert am

Die Band The Cure gibt es schon seit 28 Jahren Bild:

Sie haben metaphysischen Hunger und sind gleichzeitig den Dingen verfallen: The Cure gelingt im dreizehnten Anlauf mit „4:13 Dream“ endlich ein ehrliches Album. Besonders mit dem Song „The Hungry Ghost“ ist schließlich der Diamant gefunden, für den sich das Warten gelohnt hat.

          Simon Gallup spielt seit achtundzwanzig Jahren in der Schicksalsgemeinschaft The Cure. Insbesondere als die Briten Anfang der Achtziger noch ein Trio waren, das karge, wie von einem Pasolini des Pop inszenierte Alltagstragödien aufführte, schien die Essenz ihrer archaisch drohenden Musik ganz in den repetitiv pulsierenden Achtelnoten enthalten, mit denen Gallup, tief in seinen kniehoch baumelnden Bass gebückt, Stücke wie „A Forest“ ins kollektive Unterbewusstsein pumpte.

          Porl Thompson ist der Bruder der Ex-Frau von Simon Gallup. Der vielseitige Gitarrist spielte schon 1976 bei den Easy Cure, doch zu Cure stieß er erst 1985 bei „Head On The Door“. Das war das bahnbrechende Album, mit dem Bandleader Robert Smith und Produzent Dave Allen aus einem suizidgefährdeten Post-Punk-Trio eine mit Ironie und Hits à la „Close to Me“ gesegnete Alternative zum Cinemascope-Sound Pink Floyds machten.

          Mit Thompson, wechselnden Keyboardern und dem superben Drummer Boris Williams konnten Cure dann 1987 als Quintett den globalen Durchbruch „Kiss me, Kiss me, Kiss me“ sowie zwei Jahre später das Meisterwerk „Disintegration“ aufnehmen. Aus einem Indie-Teenie-Grüppchen, das Ende der Siebziger in „Killing an Arab“ mit Schepper-Keller-Sound Camus „L'Étranger“ vertonte, war eine federnd-harte Band geworden, die es an guten Tagen fast mit den Led Zeppelin von „Physical Graffiti“ hätte aufnehmen können. Auf der ersten Seite des 1992 folgenden Doppelalbums „Wish“ übertrafen sie sich dann ein letztes Mal, bevor Williams und Thompson ausstiegen.

          Das neue Album von The Cure heißt „4:13 Dream”

          Das Verfallensein und Verführtwerden

          Robert Smith ist der Bruder der Frau von Porl Thompson und somit ungefähr der Schwager des Schwagers von Simon Gallup. Smith hat bewiesen, zur Not auch allein The Cure sein zu können; aber der Familienmensch bekannte sich nach jeder Krise immer nur fester dazu, mit Freunden und Verwandten jene Musik zu machen, die auch seine andere große Familie, die treue Cure-Gemeinde, hören will: Cure-Musik eben. Angesichts der letzten Platten könnte man sich nichts sehnlicher als einen verheerenden Familienstreit wünschen, damit Smith endlich eine Karriere als Solokünstler wagen möge, vielleicht mit einem Produzenten wie Nigel Godrich, der Songwritern ihr Bestes abzuverlangen weiß.

          Doch Smith, der einst sagte, er könne nicht spielen, wenn er fürchten müsse, man mache sich hinter seinem Rücken über seine Texte lustig, ist alles andere als ein Ego-Shooter wie etwa Sting. Er ist eher ein Gelegenheitszauberer. Durch seinen existentialistisch-punkigen Freiheitssinn, zu allem und jedem „nein“ sagen zu können, gelang es ihm einst sogar, im tollkühnen Sprung vom selbstzerstörerischen Acid-Rock des „Pornography“-Albums zu „wonderfully, wonderfully, wonderfully pretty“ Gassenhauern à la „Lovecats“ überzugehen. Hört man heute ein Gothic-Manifest wie „Figurehead“, das wie ein eiskaltes Eisen in den Ohren brennt, versteht man das Freiheitspathos hinter programmatischen Zeilen wie „I can never say no to anyone but you“ im Rückblick freilich besser.

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