https://www.faz.net/-gqz-vawz

Neues Album von Prince : Zurück zur Revolution

  • -Aktualisiert am

Triumphale Rückkehr des gefallenen Engels der Achtziger Bild: dpa

Prince, der gefallene Engel des Pop, meldet sich mit einer Platte zurück, die an seine Glanzzeiten in den Achtzigern erinnert. Für seine Plattenfirma dürfte „Planet Earth“ nach einer kostenlosen Vorveröffentlichung in der Boulevardpresse hingegen eher ein Desaster werden.

          Als die Plattenfirma Sony BMG kürzlich vollmundig ihre Freude darüber verkündete, die nächste Platte von Prince zu vertreiben, konnte das Unternehmen nicht ahnen, wie aufregend diese Kollaboration tatsächlich werden würde. Zu ersten Verstimmungen kam es, als Prince die Single „Guitar“ als Gratis-Download für einen amerikanischen Mobiltelefonanbieter freigab. Und kurz vor der offiziellen Veröffentlichung steckte das vollständige Album „Planet Earth“ bereits als kostenlose Beigabe im britischen Boulevardblatt „Mail on Sunday“. Beinahe drei Millionen Exemplare gelangten so nicht nur am Handel vorbei auf den Markt, sondern unmittelbar nach Erscheinen der Ausgabe konnten alle zehn Stücke im Internet heruntergeladen werden. Zum ersten Mal hat ein Musiker dieses Kalibers ein aktuelles Album komplett verschenkt.

          Eigentlich hätte die Plattenfirma wissen müssen, worauf sie sich einlässt. Nachdem Prince in den Achtzigern durch eine Reihe von grandiosen Alben mit Madonna und Michael Jackson zum Pop-Dreigestirn der Dekade aufgestiegen war, hatte er sich Mitte der neunziger Jahre wegen undurchschaubarer und bizarrer Auseinandersetzungen mit dem Hause Warner selbst ins Abseits katapultiert. Nach Vertragsstreitigkeiten verwandelte er zunächst seinen Namen in ein Piktogramm, um sich dann öffentlich als wohl reichster Sklave der Musikindustrie zu stigmatisieren. Es gelang ihm in dieser Zeit nicht, Schritt zu halten. Die besten Prince-Songs schrieben andere wie „OutKast“, die „Neptunes“ oder Raphael Saadiq. Erst 2004 glückte dem inzwischen fast Fünfzigjährigen mit „Musicology“ das künstlerisch wie kommerziell ertragreiche Comeback.

          Rückkehr zu den Glanzzeiten

          Während sich „Planet Earth“ für die Musikindustrie und die britischen Plattenläden nun als ökonomisches Desaster entpuppen dürfte, erhielt der - finanziell aller Sorgen ledige - Prince durch diesen Coup so viel Aufmerksamkeit wie lange nicht. Doch darf sein Schachzug nicht lediglich als weitere Eskapade im Privatkrieg gegen die Tonträgerfirmen abgebucht werden: Dass das Werk musikalisch überzeugend ist, ist die eigentliche Nachricht.

          Gratisbeilage zum Ärger der Plattenfirma: Mit der Vorveröffentlichung seines Albums in der Boulevardpresse ruinierte Prince die Ziele des Marketings

          Stilistisch kehrt Prince mit seinem insgesamt schon vierundzwanzigsten Studioalbum zu seinen Glanzzeiten zurück, als er sich mit jeder Platte von „Purple Rain“ bis zu „Lovesexy“ neu erfand. Dabei helfen ihm mit dem Duo Wendy Melvoin und Lisa Coleman sowie der Percussionistin Sheila Escovedo einige Mitstreiter seiner damaligen Band „The Revolution“. Aber auch der umtriebige Funk-Saxophonist Maceo Parker ist wieder mit von der Partie. Anklänge an aktuelle Strömungen des Hip-Hop und R&B wie „Black Sweat“ vom Vorgänger „3121“ fehlen.

          Gitarrenlastig, energetisch, selbstironisch

          Dafür fällt „Planet Earth“ wieder einmal gitarrenlastiger aus, was am deutlichsten in dem selbstironischen Brachialrocker „Guitar“ zum Ausdruck kommt. Prince versichert hier einer düpierten Dame zwar seine Zuneigung; noch lieber als mit ihr zusammen zu sein, spiele er allerdings lärmend auf seinem elektrischen Saiteninstrument. Derart überdreht und energetisch klingt das Lied dann auch. Jazzig geht es dagegen bei „Somewhere Here on Earth“ zu. Mit seinem luftig-lockeren Arrangement und den gedämpften Trompetentönen könnte das Stück von jenen legendären Bändern stammen, die Prince einst mit Miles Davis aufgenommen haben soll. Während „Chelsea Rodgers“ eine Prise tanzbaren Disco-Funk versprüht, liefert das bombastische Titellied „Planet Earth“ die düster-apokalyptische Sicht des praktizierenden Zeugen Jehovas auf den Klimawandel.

          Im Ganzen mag dem Album vielleicht etwas innerer Zusammenhang fehlen; es ist eher eine bunte Mischung mit Songs von gleichbleibend hoher Güte. So gelingt Prince mit dem dritten Qualitätswerk in Folge ein Hattrick, der zeigt, dass man sein künftiges Schaffen noch nicht unter die Rubrik „Spätwerk“ einordnen sollte. Und bei den künftigen Vertriebswegen ist bestimmt ebenfalls noch nicht das letzte Wort gesprochen.

          Weitere Themen

          „Harri Pinter Drecksau“ Video-Seite öffnen

          Trailer : „Harri Pinter Drecksau“

          Jürgen Maurer spielt Harri Pinter, einen Mitvierziger, der von sich und seinem Auftritt mehr als überzeugt ist. Als seine Freundin ihn jedoch betrügt, gerät sein Selbstbild ins Wanken. Der österreichische Film läuft am 19.07.2019 um 20.15 Uhr auf arte.

          Im begehbaren Familienalbum

          Analoge Fotografie : Im begehbaren Familienalbum

          Warum beschäftigt sich der kanadische Künstler Michel Campeau mit einer scheinbar anachronistischen Fototechnik? Eine Frankfurter Ausstellung geht einer der größten Zäsuren in der Entwicklung der Fotografie nach.

          Topmeldungen

          Müssen sich auf Reformen einigen: Luigi Di Maio und Matteo Salvini im Februar in Rom

          Italiens Regierung : Salvini droht mit vorgezogenen Wahlen – mal wieder

          Italiens Innenminister steht wegen der Affäre um mögliche Parteispenden aus Russland unter Druck – und bedrängt nun seinen Koalitionspartner. Es sei noch genügend Zeit, das Parlament aufzulösen und nach der Sommerpause neu zu wählen.

          Bayern München : Die klare Botschaft des Manuel Neuer

          Dortmund hat kräftig aufgerüstet. Die Bayern indes kommen auf dem Transfermarkt nicht so richtig voran. Torwart Manuel Neuer sieht das gelassen – und verrät, welches besondere Ziel die Münchner antreibt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.