https://www.faz.net/-gqz-87h32

Neues Album „Teenager vom Mars“ : Fettes Brot, dünn belegt

Drei sind ’ne Party: Fettes Brot bei einem Konzert in Frauenfeld Bild: dpa

Gesellschaftskritik und Partylaune, geht das zusammen? Fettes Brot wagen den Versuch auf ihrem neuen Album „Teenager vom Mars“ – und müssen an beiden Fronten herbe Verluste einstecken.

          1 Min.

          Es ist ja auch schlimm, als für ihre Partykracher bekannte Band älter und gesetzter zu werden. Man ist nicht mehr rund um die Uhr besoffen oder bekifft, sondern schaut abends die Tagesschau an und sorgt sich tagsüber, ob das Kind so viel Zucker essen sollte. Man bekommt also etwas mit vom Leben oder dem, was man dafür hält. Das kann man natürlich getrost ignorieren und weiter Texte schreiben, die im Wesentlichen die Themenfelder Frauen und Feiern umkreisen. Man kann einzelne getragene, ernste Stücke auf seinen Alben verstecken, die das Jungvolk kalt erwischen wie ein mit Senf gefüllter Krapfen. Und man kann versuchen, gute Laune mit Gesellschaftskritik zu verbinden. Das dürfte die schwierigste Disziplin sein.

          Gelingen kann das durchaus. „Lasse reden“ von Die Ärzte ist ein Paradebeispiel dafür, auch wenn das Lied als ganz offizieller Sargnagel der Punkrockvergangenheit der Band gilt. Und auch Fettes Brot haben es mit dem „1 Euro Blues“ schon einmal geschafft. Auf „Teenager vom Mars“ hingegen scheitert der Versuch grandios – und die Texte sind nicht das Problem.

          „Teenager vom Mars“
          „Teenager vom Mars“ : Bild: Fettes Brot Schallplatten

          „Du weißt es aus dem Internet, von ‚Bild‘ und Verwandten: Schuld an der Misere sind Asylanten. Du bist ja kein Ausländerfeind oder so, schließlich hast du ja auch eine Putzfrau aus Polen“, heißt es in „Ganz schön Low“. Die Band langt also ordentlich hin, ohne allzu viel von ihren Zuhörern zu verlangen. In „Gegenmodell“ beschreibt sie, was alles als erstrebenswert gilt, es aber aus der Nähe betrachtet doch nicht ist: die vermeintlich schönste Frau, die wichtig wirkende Karriere, die glatt produzierte Popmusik im Radio.

          Und da wären wir auch schon beim Thema: Warum zündet das nicht so richtig? Bei manchen Liedern spielt die Produktion durchaus eine Rolle, denn dort rücken Raps und Gesang neben der Musik fast in den Hintergrund. „Mein Haus“ etwa wird von dudelndem Krach dominiert, der offenbar ein bisschen nach Daft Punk klingen soll – und sogar ein Vocoder kommt zum Einsatz, der hier etwa so modern wirkt wie in „Believe“ von Cher aus dem Jahr 1998. Dann machen die Herrschaften sich auch noch über Schlager lustig, um nur zwei Tracks später den Titel „Boyfriend“ zu liefern, der sich selbst schmusig wiegt. Es gibt allerdings löbliche Ausnahmen wie „K.L.A.R.O.“ und „Das letzte Lied auf der Welt“, das zur Partymusik zurückfindet. Dabei kann man dem Trio sogar den Vocoder verzeihen. Aber nur mit zusammengebissenen Zähnen.

          Weitere Themen

          Patienten als Devisenbringer

          Fernsehfilm „Kranke Geschäfte“ : Patienten als Devisenbringer

          Urs Eggers letzter Film „Kranke Geschäfte“ handelt von Medikamentenversuchen in der untergehenden DDR. Die Geschichte ist gut recherchiert und skandalisiert nicht. Durch Corona kommt eine besondere Dimension hinzu.

          Topmeldungen

          Ein Foto Alexej Nawalnyjs mit seiner Frau Julia, das der russische Oppositionspolitiker am 25. September auf Instagram postete.

          Fall Nawalnyj : Der Kreml verstrickt sich in Widersprüche

          Die russische Regierung macht unterschiedliche Angaben zum Fall Nawalnyj. Dabei hat Präsident Wladimir Putin die Vergiftung mit Nowitschok nun bestätigt – indirekt.

          Klimastreik in Frankfurt : „Die Normalität ist pervers“

          Fridays for Future will sich breiter aufstellen: Mit anderen Gruppen demonstrieren die Klimaschützer nun als „intersektionales Bündnis“ gegen Kapitalismus, Kolonialismus, Rassismus und Sexismus.
          Luis Suárez feiert 2019 sein Tor beim Spiel Barcelona gegen Dortmund.

          Sprachtests für Fußballer : Italienisches Eigentor

          Muss ein Fußballspieler Verben konjugieren können? Der Skandal um den uruguayischen Stürmer Luis Suárez zeigt: in Italien unter Umständen schon.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.