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Neues Album „Teenager vom Mars“ : Fettes Brot, dünn belegt

Drei sind ’ne Party: Fettes Brot bei einem Konzert in Frauenfeld Bild: dpa

Gesellschaftskritik und Partylaune, geht das zusammen? Fettes Brot wagen den Versuch auf ihrem neuen Album „Teenager vom Mars“ – und müssen an beiden Fronten herbe Verluste einstecken.

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          Es ist ja auch schlimm, als für ihre Partykracher bekannte Band älter und gesetzter zu werden. Man ist nicht mehr rund um die Uhr besoffen oder bekifft, sondern schaut abends die Tagesschau an und sorgt sich tagsüber, ob das Kind so viel Zucker essen sollte. Man bekommt also etwas mit vom Leben oder dem, was man dafür hält. Das kann man natürlich getrost ignorieren und weiter Texte schreiben, die im Wesentlichen die Themenfelder Frauen und Feiern umkreisen. Man kann einzelne getragene, ernste Stücke auf seinen Alben verstecken, die das Jungvolk kalt erwischen wie ein mit Senf gefüllter Krapfen. Und man kann versuchen, gute Laune mit Gesellschaftskritik zu verbinden. Das dürfte die schwierigste Disziplin sein.

          Julia Bähr
          (bähr), FAZ.NET

          Gelingen kann das durchaus. „Lasse reden“ von Die Ärzte ist ein Paradebeispiel dafür, auch wenn das Lied als ganz offizieller Sargnagel der Punkrockvergangenheit der Band gilt. Und auch Fettes Brot haben es mit dem „1 Euro Blues“ schon einmal geschafft. Auf „Teenager vom Mars“ hingegen scheitert der Versuch grandios – und die Texte sind nicht das Problem.

          „Teenager vom Mars“
          „Teenager vom Mars“ : Bild: Fettes Brot Schallplatten

          „Du weißt es aus dem Internet, von ‚Bild‘ und Verwandten: Schuld an der Misere sind Asylanten. Du bist ja kein Ausländerfeind oder so, schließlich hast du ja auch eine Putzfrau aus Polen“, heißt es in „Ganz schön Low“. Die Band langt also ordentlich hin, ohne allzu viel von ihren Zuhörern zu verlangen. In „Gegenmodell“ beschreibt sie, was alles als erstrebenswert gilt, es aber aus der Nähe betrachtet doch nicht ist: die vermeintlich schönste Frau, die wichtig wirkende Karriere, die glatt produzierte Popmusik im Radio.

          Und da wären wir auch schon beim Thema: Warum zündet das nicht so richtig? Bei manchen Liedern spielt die Produktion durchaus eine Rolle, denn dort rücken Raps und Gesang neben der Musik fast in den Hintergrund. „Mein Haus“ etwa wird von dudelndem Krach dominiert, der offenbar ein bisschen nach Daft Punk klingen soll – und sogar ein Vocoder kommt zum Einsatz, der hier etwa so modern wirkt wie in „Believe“ von Cher aus dem Jahr 1998. Dann machen die Herrschaften sich auch noch über Schlager lustig, um nur zwei Tracks später den Titel „Boyfriend“ zu liefern, der sich selbst schmusig wiegt. Es gibt allerdings löbliche Ausnahmen wie „K.L.A.R.O.“ und „Das letzte Lied auf der Welt“, das zur Partymusik zurückfindet. Dabei kann man dem Trio sogar den Vocoder verzeihen. Aber nur mit zusammengebissenen Zähnen.

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