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Neues Album von Miley Cyrus : Darauf einen Blubberlutsch

  • -Aktualisiert am

Lasst buntes Blubbern um sie sein: Miley Cyrus auf ihrem neuen Album Bild: Smiley Miley

Alles fließt und strömt und trieft und tropft. Das neue Album von Miley Cyrus ist verschwenderisch und auch noch kostenlos. Einen Vorwurf allerdings kann man der Sängerin machen.

          Alles ist flüssig. Ob Cola, Sperma oder Liquid Ecstasy. Das fließt und schlägt Bläschen und fließt wieder, während dazu das süße, poltrige Zeug namens Musik frei verfügbar aus dem Internet tropft und rinnt. Gitt, hat sich doch diese Miley schon wieder mit was weißem Zähflüssigen das Gesicht eingeschmiert. Da kann sich dann der Boulevard wieder beschweren, dass sie genau das macht, was den Boulevard interessiert. Nichts nimmt der Boulevard ja seinen Opfern so übel, wie wenn sie sich zum Beispiel fortgesetzt ausziehen oder skandalöse und pornografische Referenzen produzieren.

          Das passt dann auch wunderbar in das nun schon etwas überstrapazierte Standard-Miley-Cyrus-Narrativ; dass sie sich nämlich nun so gar nicht benehme wie das Disney-Girl, das sie einst war. Und wie überraschend, erschreckend, provokant, mutig und emanzipiert, dass je nach Kommentatoren-Standpunkt sei.

          Das Ineinanderfließende der Miley-Welt

          Diesem Vorher-Nachher-Stories fügt sie mit ihrer neuen quietsch-kostenlosen und knallbunt streamenden Internet-Album-Veröffentlichung „Miley Cyrus & Her Dead Petz“ eine weitere hinzu. Die lautet: Einst war sie mainstreamiger als Mainstream überhaupt geht, und jetzt macht sie ein stellenweise krachiges, dann wieder kindliches Indie-Album; ohne Beteiligung der Schallplattenfirma, für nur 50.000 Dollar aufgenommen (in einer Paisley-Porno-Garage mit einem riesigen Aquarium, stellt man sich vor), mit einigen echt noisy Effekten, weirden Stimmverfremdungen, kratzigen Beats und gänsehautverursachenden ASMWR-Effekten und dazu wieder jede Menge Achselhöhlengeruch, harten Ficks, erotischen Erfrischungsgetränken und rührend betrauerten toten Haustieren im weiteren Sinne (darunter ein Kugelfisch, von ihm wird noch die Rede sein).

          Zeit wird es da, auf das Gemeinsame, zumindest aber doch Ineinanderfließende zu verweisen, das zwischen Cola, Sperma und Liquid Ecstasy in der Miley-Welt immer schon bestanden hat und die vermeintlich gegensätzlichen Stadien verbindet.

          Unfassbar süß und komplett lähmend

          Denn sie ist ja nicht nur ein Kind einer Zeit, in der die Musik sich von festen, materiellen Tonträgern gelöst hat und endgültig zu einem weltumspannenden und welteindickenden fließenden Strom geworden ist. Auch die „fluid identities“, auf die sich Pop-Stars der Großelterngeneration wie Prince, Madonna und Bowie noch etwas einbildeten, sind auf kalifornischen Schulhöfen vermutlich längst normativ geworden, so statusbildend wie früher.

          Miley Cyrus bei den MTV Video Music Awards in Los Angeles

          Miley bezeichnet sich selbst als „gender fluid“, was als Metapher für die Überwindung von Geschlechterstereotypen sicher den berühmten Grauschattierungen vorzuziehen ist – auch wenn auf dieser Platte zwar sehr viel passiert, aber nichts, was einer männlich heterosexuellen Rezeption der sehr klassischen Art in irgendeiner Weise im Wege stehen würde.

          Vor allem aber führt ein gerader Weg von all den süßen Soft Drinks und Blubberwassern, die wir mit Mileys vermeintlich nur bravem Frühwerk assoziieren, zu all den Giften und Sexsäften, die hier in 23 Songs um die Gräber ihrer geliebten Haustieren fließen, wie ein Delta der Devianz.

          All dieses Zeug, das Kinder gerne trinken und zwar nie genug trinken können, ist ja alles Andere als harmlos. Genau die permanente Überdosis, die Kinder und Heranwachsende lieben, verursacht bei Erwachsenen den Ekel, den beim Puritaner und Zwangscharakter die Körperflüssigkeit, die Ausscheidung, Schweiß und Sekrete verursachen.

          Kein Kostüm, das sie nicht tragen könnte: Miley Cyrus

          Dass das Übertriebene, übermäßig Genossene und das damit verbundene Glück immer nahe bei Ekel und Kotze wohnt, artikuliert Miley Cyrus gleich mehrfach auf diesem Album mit aller gebotenen Eloquenz („I’m So Drunk“, „Fuckin Fucked Up“, „Fweaky“). Blubberlutsch hieß das Getränk bei Walt Disneys anderem Geschöpf, Donald Duck, das unfassbar süß ist, total abhängig macht und fast alle Muskeln komplett lähmt. Dem entspricht das Nebeneinander von sehr strammen Beats und schlaff-metaphysischen Weltschmerz-Nummern auf diesem üppigen Album.

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