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Kanadische Musik-Legende : Auch Neil Young verkauft Autorenrechte

Neil Young auf der Bühne im Mai 2019 Bild: AP

Der umtriebige britische Fonds Hipgnosis erwirbt 50 Prozent der Rechte am umfangreichen Katalog des 75 Jahre alten Musikers. Es geht um Millionen – und es ist schon der dritte Deal des Fonds in einer Woche.

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          Mit Neil Young verkauft der nächste bekannte Songwriter Autorenrechte an seinem Werkekatalog. 50 Prozent der Rechte an Text und Komposition von 1180 Songs gehen an den Fonds Hipgnosis. Weitere Details und der Kaufpreis wurden nicht mitgeteilt.

          Benjamin Fischer

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Seit einiger Zeit machen Songwriter populärer Werke ihre Autorenrechte oder einzelne Teile davon zunehmend zu Geld. Der Reiz für Käufer liegt darin, dass sie bei jeder Nutzung eines Werkes Lizenzgebühren erhalten – ganz gleich, ob es in Filmen, Werbung, bei Live-Aufführungen oder in den weiterhin stark wachsenden Streamingdiensten genutzt wird. Auch wenn andere Künstler einen von Neil Youngs Songs interpretieren, ist nun nicht nur Young selbst, sondern auch Hipgnosis an den Tantiemen aus dem Erfolg des Covers beteiligt.

          Dass die Auswertung eines Song-Katalogs mit einigen Hürden verbunden sein kann, zeigt derweil nicht zuletzt Neil Youngs Werdegang. In den siebziger Jahren hatte der Kanadier ein Angebot abgelehnt, den Titel „Heart of Gold“ für eine Radio-Kampagne zu lizensieren. Auf einem Konzert 1973 scherzte er damals, den Song dann wohl „Burger of Gold“ nennen zu müssen. Im 1988 erschienenen Lied „This note‘s for you“ heißt es zudem, „Ain’t singin’ for Pepsi, ain’t singin’ for Coke“. „Es wird keinen Fall 'Burger of Gold' geben, aber wir werden gemeinsam daran arbeiten, dass jeder seine Lieder zu Neils Bedingungen zu hören bekommt“, erklärte Hipgnosis-Gründer und Chef Merck Mercuriadis. Der Abschluss verändere Hipgnosis für immer, sagte der ehemalige Manager von unter anderem Elton John oder Guns'n’Roses.

          Es geht um Dutzende Millionen

          Die Rechte und damit verbundenen Tantiemenanteile an den Musik-Aufnahmen sind wiederum ein separater Aspekt und nicht Teil eines Autorenrechte-Verkaufs wie dem aktuellen von Young. Der Vertrieb von Aufnahmen ist das klassische Geschäft eines Musik-Labels. Auf dem Verlagsgebiet und dem Bereich Autorenrechte hingegen tummelt sich neben dem Hipgnosis-Fonds und den Verlagen allen voran der großen Musikunternehmen Universal, Warner und Sony Music auch beispielsweise Primary Wave.

          Dieses Unternehmen hat im Dezember gerade erst einen Anteil an den Urheberrechten von Fleetwood-Mac-Songwriterin Stevie Nicks gekauft. 80 Prozent der Rechte sollen 100 Millionen Dollar wert gewesen sein, was zumindest ein Gefühl für die Summe ermöglicht, die der 75 Jahre alte Young erhalten dürfte. In Branchenmagazinen ist einerseits von ungefähr von 50 Millionen Dollar, anderseits von um die 150 Millionen Dollar die Rede. Ebenfalls im Dezember hatte Bob Dylan die Autorenrechte an seinem begehrten Katalog an die Verlagssparte von Universal Music verkauft. Dort war sogar von bis zu 400 Millionen Dollar die Rede.

          Der Fall Dylan unterstreicht, dass die großen Musikunternehmen nicht gewillt sind, Hipgnosis und Co. das Feld zu überlassen. Der Fonds hat seit seiner Gründung Mitte 2018 mehr als 1,5 Milliarden Dollar für Rechte an Stand Ende 2020 mehr als 57.000 Songs ausgegeben. 3000 davon seien Nummer eins-Hits, so Mercuriadis. Werke von Debbie Harry und Chris Stein (Blondie) gehören ebenso zum Portfolio wie Rechte am Katalog von Jack Antonoff – bekannt etwa als Co-Songwriter von Taylor Swift. Erst am Montag kamen Produzentenrechte von Jimmy Lovine hinzu. Am Dienstag wiederum wurde der Kauf der Autorenrechte an 161 Songs von Lindsey Buckingham vermeldet.

          Von dem Song-Bestand der großen Unternehmen der Branche ist Hipgnosis freilich noch weit entfernt. Die Bertelsmann-Musiksparte BMG beispielsweise besitzt oder verwaltet im Verlagsbereich nach eigenen Angaben die Rechte an drei Millionen Songs.

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