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Lemmy Kilmister gestorben : Der Kultstar mit den Warzen

Ian „Lemmy“ Kilmister 1945-2015 Bild: AP

Lemmy Kilmister, der Frontmann der Band „Motörhead“ lebte sein Leben immer so, wie die Musik seiner Band war: rau und schnell. Alkohol und Drogen waren seine ständigen Begleiter. Nun ist er im Alter von 70 Jahren gestorben.

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          1984 schrieb der Motörhead-Frontmann Lemmy Kilmister den Song „Killed by Death“ und kündigte darin an, dass der einzige Augenblick, in dem er nicht schwierig sein werde, sei, wenn der Tod ihn ereile. Sein Lebensstil, den er seit jener Zeit pflegte, untermauerte diese Aussage. Er war bekannt dafür, Amphetamine zu nehmen und exzessiv Alkohol zu trinken. Einmal behauptete er von sich, dass er seit seinem 30. Geburtstag jeden Tag eine Flasche Whiskey getrunken habe. In Interviews war das Glas mit der Jack-Daniels-Cola-Mischung sein ständiger Begleiter. Am Montagabend ist Lemmy in seiner Wahlheimat Los Angeles an Krebs gestorben.

          Oliver Kühn

          Redakteur in der Politik.

          Der breiten Öffentlichkeit bekannt geworden war Lemmy jedoch nicht nur durch sein Auftreten, sondern durch seine Musik. Der am Heiligabend des Jahres 1945 geborene Ian „Lemmy“ Kilmister machte seine ersten musikalischen Gehversuche, nachdem er ein Konzert der „Beatles“ gesehen hatte, wie er selbst angab. Einer seiner größten Einflüsse sei Little Richard gewesen, sagte er. Davon war in seiner ersten bekannten Band, den Spacerockern „Hawkwind“, jedoch nichts zu hören. Lemmy hatte bei seinem Einstieg in die Band von Rhytmusgitarre auf Bass – was wesentlichen Einfluss auf seinen unnachahmlichen, einzigartigen Stil hatte – umgesattelt und sang mit „Silver Machine“ den größten Hit der Band. 1975 schmissen ihn die anderen Bandmitglieder jedoch raus, nachdem er an der kanadischen Grenze wegen Drogenbesitzes verhaftet worden war.

          Das hatte ihn so deprimiert, dass er beschloss, seine eigene Band zu gründen, damit ihn niemand mehr feuern konnte. Eigentlich entschied Lemmy sich für den Namen „Bastard“, davon wurde ihm jedoch abgeraten, denn mit dem Namen werde er mit Sicherheit keinen Auftritt bei „Top of the Pops“ bekommen. So benannte er die Formation nach dem letzten Song, den er für „Hawkwind“ geschrieben hatte: „Motörhead“ – ein amerikanischer Slangausdruck für jemanden der Amphetamine nimmt, mit dem Umlaut, damit es deutscher und damit böser klang, wie er einmal sagte.

          Musikalisch bestand Lemmy immer darauf, Rock 'n' Roll zu spielen, auch wenn alle anderen behaupteten, es sei Heavy Metal. Dem Klang „Motörheads“ war die Band über die Jahre und die 22 Alben, die die Gruppe in wechselnder Besetzung veröffentlichte, immer treu. Rau musste es sein und schnell. Lemmys Bass korrespondierte dabei mit seiner Stimme, die genauso klang, wie er lebte, nach Zigaretten und Whiskey. Die Inhalte der Songs waren dabei aber nie zu vernachlässigen. Lemmy war ein durchaus politischer Mensch, der in den Texten Themen wie Krieg („1916“) oder Kindesmissbrauch („Don´t let Daddy kiss me“) aufgriff. Der erfolgreichste Song der Band war „Ace of Spades“ vom gleichnamigen Album aus dem Jahr 1980.

          Der kommerzielle Erfolg und Lemmys Aussehen – seine Koteletten, die in den Oberlippenbart übergingen, waren stilbildend, seine Fibrome auf der Wange waren eine Art Markenzeichen – und sein Auftreten – immer mit schwarzem Hut in schwarzem Hemd und schwarzer Hose – ließen „Motörhead“ schnell Kultstatus gewinnen und inspirierten viele andere Musiker dazu, Bands zu gründen, unter anderem Metallica.

          „Ich sehe Dich im Jenseits“

          In den vergangenen Jahren ist Lemmys Gesundheitszustand immer schlechter geworden. 2013 wurde ihm ein Defibrillator eingepflanzt und er benötigte Hilfe beim Treppensteigen. Davon ließ er sich jedoch kaum beeindrucken. 2014 sagte er in einem Interview mit dem „Guardian“, er sei immer noch unzerstörbar. Das einzige was ihn davon abhalte könne, weiter Musik zu machen, sei der Tod. Das war schon damals nicht mehr ganz richtig, mehrere Auftritte hatten wegen seiner gesundheitlichen Probleme abgesagt werden müssen.

          „Motörhead“ in der von vielen als beste gehaltene Besetzung: Philip „Philthy Animal“ Taylor, Würzel, Lemmy und Phil Campbell.

          Am Montagabend wurde bekannt, dass der Tod Ian „Lemmy“ Kilmister nur vier Tage nach seinem 70. Geburtstag nun ereilt hat. Wie die Band am Dienstag im Online-Netzwerk Facebook mitteilte, verlor Lemmy einen „kurzen Kampf gegen einen extrem aggressiven Krebs“. Demnach hatte der Sänger und Bassist erst am Samstag von seiner Krankheit erfahren. Die Band forderte die Anhänger aber auf, nicht zu trauern. „Hört Motörhead, spielt Motörhead laut, spielt Lemmys Musik laut. Trinkt etwas, erzählt euch Geschichten. Feiert das Leben, das dieser wunderbare Mann so ausgiebig gefeiert hat. Er hätte genau das gewollt.“

          Auch der britische Rockmusiker Ozzy Osbourne, für den Lemmy mehrere Hits geschrieben hatte, drückte seine Trauer über den plötzlichen Tod des Musikers aus. „Ich habe heute einen meiner besten Freunde, Lemmy, verloren“, sagte der Sänger der Band „Black Sabbath“. „Er wird sehr fehlen. Er war ein Krieger und eine Legende. Ich sehe Dich im Jenseits.“

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