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Nachruf auf Jackie Leven : Der Vagabund

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Der Schotte Jackie Leven war ein Folk-Sänger, Cash-Epigone und Möchtegern-Punk, der nie das große Publikum fand. Nun ist er im Alter von 61 Jahren gestorben.

          Jackie Leven dürfte als einer der vom Pech am meisten verfolgten Sänger und Songschreiber in die Geschichte eingehen. Er war früh unterwegs, aber unter falschem Namen (John St. Field), so dass sein Folk, der nicht so abwechslungsreich und intensiv war wie der seines schottischen Landsmanns Gerry Rafferty, ihm nicht dauerhaft zugeordnet werden konnte; seine Debütplatte „Control“ wurde wenig gekauft und schnell wieder vergessen. Die Gründung der Möchtegern-Punkband Doll By Doll fiel in die falsche Zeit, weil man nach 1975 entweder Disko, Wave oder schon richtig harte Sachen bieten musste, um sich im Geschäft zu halten. Und als Jackie Leven 1983 gerade einen zweiten Sololanlauf nehmen wollte, wurde er überfallen und war praktisch zwei Jahre lang außer Gefecht gesetzt.

          Edo Reents

          Verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton.

          Aber selbst das Heroin, in das er sich flüchtete, konnte nicht verhindern, dass aus dem Bären von einem Mann mit der zarten Seele doch noch ein Interpret wurde, der sich in seiner Spätphase an der destruktiven Musikerstrategie Johnny Cashs orientierte und dessen seit 1994 regelmäßig veröffentlichte Platten zwar auch kein Massenpublikum erreichten, aber von Liebhabern unaufdringlich-gemäßigten Countrys und Folks geschätzt wurden. Gleich die erste hieß seinerzeit „The Mystery Of Love Is Greater Than The Mystery Of Death“. Dieser Wahrheit können Jackie Leven und seine Anhänger nun getrennt, im Jenseits und im Diesseits, auf den Grund gehen. Denn am Montag ist Jackie Leven, der aus der kargen Gegend von Fife, Schottland, stammte, Abkömmling einer Roma-Familie und auch in Deutschland bis zuletzt ein gern gesehener Gast war, im Alter von einundsechzig Jahren gestorben.

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