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Nachruf auf Jack Bruce : Der Improvisator

  • -Aktualisiert am

Jack Bruce Bild: AP

Als Mitglied der Superrockgruppe Cream errang er Weltruhm, seinen Bass spielte er wie eine Lead-Gitarre. Nun ist Jack Bruce im Alter von 71 Jahren gestorben.

          Ihretwegen wurde einst die Kategorie „Supergroup“ bemüht, und Jack Bruce war, als Bassist, Sänger und Komponist, eine mindestens genauso treibende Kraft, wie die beiden anderen, Eric Clapton an der Gitarre und Ginger Baker am Schlagzeug: Cream. In den zwei Jahren ihres Bestehens definierten sie das Rockspiel neu und machten aus einem Genre, das zwar auf Befreiung aus war, aber eben auch mit formalen und kommerziellen Zwängen zu tun hatte, etwas anderes – einen auf Improvisation setzenden Wettbewerb instrumenteller Virtuosität, in dem jeder gleich wichtig war.

          Edo Reents

          Verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton.

          Jack Bruce hatte es in dieser Hinsicht wohl am schwersten, denn der Bass war damals und ist eigentlich bis heute ein zwar unentbehrliches – das sieht man an den Rockbands, die glauben, darauf verzichten zu können: Doors, White Stripes –, aber unter Image-Aspekten doch vergleichsweise uninteressantes Instrument. Jack Bruce, der seine Lehrjahre in der britischen Rock-, Blues- und Jazzrock-Elite absolvierte, hatte ihn schon während seiner Mitgliedschaft der Graham Bond Organisation dermaßen flink zu bedienen gewusst, dass er sich von reiner Grundlagenarbeit emanzipierte und zum gleichberechtigten Solisten wurde – eine Rolle, die er bei den bisweilen, vor allem live, phantastisch ausufernden Cream-Improvisationen perfektionierte. Manchmal war fast nicht zu unterscheiden, ob gewisse Lead-Parts nun von Claptons Gitarre oder doch von Jack Bruces ungeheuer dynamischem Bass kamen.

          Dn Cream-Ruhm konnte er sich nie wieder erspielen

          Und nicht nur, dass er in dem trotz der schmalen Besetzung dichten Cream-Klang so mächtig war – Jack Bruce hatte von den Dreien auch die beste, rockaffinste Stimme und war als Komponist verantwortlich für die schlagkräftigsten, längst legendären Lieder: „Sunshine of Your Love“, „I Feel Free“ und, sein wohl inspiriertestes, „White Room“.
          Nach dem raschen Cream-Ende zählte er, mit fünfundzwanzig Jahren, schon zum Rock-Adel, geradezu ein elder statesman, der sich von seinen Tantiemen eine Insel in seiner schottischen Heimat kaufte und sich dort auf seine bis zuletzt immer wieder durch andere Gruppen-Engagements unterbrochene Solo-Karriere vorbereitete. Das Debüt „Songs For A Taylor“ (1970) wurde aus dem Stand ein Meilenstein jazz-nahen Rocks, „Out Of The Storm“ (1974) ebenfalls ein Musterbeispiel sorgfältiger, aber nicht blutleer-ausgetüftelter Studioarbeit. In dieser Zeit spielte er auch mit Leslie West und Corky Laing, die beide von der Gruppe Mountain gekommen waren, drei denkwürdige, aber unter dem musikalischen wie kollegialen Hochdruck fast auseinanderfliegende Powerrock-Platten ein.

          Jack Bruce hielt auch danach Tuchfühlung zu den einflussreichsten Musikern aus Rock, Blues und Jazz, aber den Cream-Ruhm konnte er sich nie wieder erspielen – zu zündend waren seine damaligen Leistungen gewesen, als dass sich dergleichen hätte konservieren lassen. Eine Wiedervereinigung mit Clapton und Baker zeigte ihn 2005 an mehreren Abenden in der Londoner Royal Albert Hall als alten Meister, aber gesundheitlich war er damals schon schwer angeschlagen. Am Samstag ist John Symon Asher „Jack“ Bruce in Suffolk, England, einundsiebzigjährig gestorben; er hinterlässt eine schwäbische Ehefrau und drei Kinder.

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