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Nach schwerer Erkrankung : Gitarrenlegende Eddie van Halen gestorben

Bild: Picture-Alliance

Er galt als Mitbegründer moderner Rockmusik auf der E-Gitarre – und als Wegbereiter für Techniken wie das Tapping. Nun ist Eddie van Halen, Gitarrist und Namensgeber der Band Van Halen, nach Angaben seiner Familie gestorben.

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          Es gibt mittlerweile viele junge Gitarristen, deren Fähigkeiten die Eddie van Halens übersteigen dürften. Aber nur wenige schaffen es, ein Instrument neu zu definieren. Eddie van Halen, der an diesem Dienstag nach Angaben seines Sohnes und Bandkollegen Wolfgang van Halen einem Krebsleiden erlegen ist, gehört zweifellos zu dieser Kategorie, in die es sonst nur Namen wie Jimi Hendrix, Jimmy Page oder Steve Vai geschafft haben. Künstler, die der E-Gitarre eine neue Sprache abgerungen, einen Sound und neue Spieltechniken entwickelt haben.

          Wer an Van Halen denkt, hat bestimmte Passagen im Ohr – und die sind obertonreich und im Zweifelsfall sehr schnell gespielt. Und wer von Van Halen spricht, wird vor allem sein Tapping in Erinnerung haben, sein schnelles Spiel, bei dem die Anschlaghand auf dem Bund liegt und dort auf die Seiten hämmert, um so ein ungemein facetten- und obertonreiches Solospiel zu ermöglichen. Eddie van Halen hat diesen Stil nicht erfunden, er hat ihn aber populär gemacht – und zwar nicht nur mit seiner Band Van Halen, die in den Siebzigern und Achtzigern große Erfolge feierte („Jump“) und mehr als 75 Millionen Alben verkaufte, sondern auch mit berühmt gewordenen Fremdengagements wie bei Michael Jacksons Klassiker „Beat It“. Während Steve Lukather das berühmte Riff einspielte, steuerte Eddie van Halen das noch berühmtere Gitarrensolo bei – in einer Zeit, als Gitarrensoli noch ganze Songs dominierten. Selbst in der Welt des eingängigen Popsongs.

          Der Name Van Halen war nicht nur der Name eines Gitarristen, sondern zugleich einer musikalischen Marke, die auch seinen Bruder Alex und später seinen Sohn Wolfgang miteinbezog. Die Brüder Van Halen wurden im niederländischen Amsterdam geboren, Eddie 1955 und Alex 1953, und wanderten noch im Kindesalter nach Kalifornien aus. Alex und Eddie übten Gitarre und Schlagzeug und wechselten die Instrumente, sie gewannen Musikwettbewerbe – und gründeten im Schulalter, 1972, „Van Halen“. Mit den Sängern David Lee Roth und Sammy Hagar gehörten sie zu den erfolgreichsten amerikanischen Bands, der Song „Jump“ wurde 1984 zum internationalen Hit in den Charts. Anders als bei vielen Hair-Metal-Bands dieser Zeit produzierten Van Halen ihre Alben in einem rohen Soundgewand, tatsächlich wurden viele Songs live und direkt im Studio aufgenommen – nachträglich kamen nur einige andere Spuren dazu. Ende der achtziger Jahre war die Band auf dem Zenit ihres Erfolgs. 

          Eddie van Halen (l.), Alex van Halen (am Schlagzeug) und David Lee Roth (r.) 2008
          Eddie van Halen (l.), Alex van Halen (am Schlagzeug) und David Lee Roth (r.) 2008 : Bild: Reuters

          Mit dem Ausstieg David Lee Roths und später Sammy Hagars schlitterte die Band in eine Krise, aus der sie auch Gary Cherone, der Sänger von „Extreme“, nicht herausholen konnte. Ende der neunziger Jahre pausierte die Band. Eddie van Halen, der wegen seiner Alkoholsucht und Kettenrauchens mit gesundheitlichen und zudem mit privaten Problemen zu kämpfen hatte, zog sich zwischenzeitlich aus der Öffentlichkeit zurück. 2007 stieß David Lee Roth wieder zur Band, die danach immer mal wieder auf Tour und ins Studio ging. Die große Zeit der Stadionrockmusik vom Schlage Van Halens war da schon vorüber, aber der Ruhm Eddie van Halens als Wegbereiter des modernen E-Gitarrenspiels ist bis heute nicht verblasst. Van Halen wurde 2007 in die „Rock and Roll Hall of Fame“ aufgenommen. Das Magazin „Rolling Stone“ führte ihn auf Platz acht seiner Liste der hundert größten Gitarristen.

          Eddie Van Halen (2015)
          Eddie Van Halen (2015) : Bild: Picture-Alliance

          Eddie Van Halen sei der beste Vater gewesen, den er sich hätte wünschen können, schreibt sein Sohn Wolfgang, der seit Michael Anthonys Weggang den Bass bei Van Halen spielte, am Dienstag auf Twitter. Jeder Moment auf der Bühne mit ihm sei ein Geschenk gewesen. „Mein Herz ist gebrochen und ich glaube nicht, dass ich mich jemals vollständig von diesem Verlust erholen werde.“

          Auch berühmte Kollegen meldeten sich in den Online-Netzwerken zu Wort: Black-Sabbath-Gitarrist Tony Iommi zeigte sich in einem Tweet „erschüttert“ über den Tod seines „lieben Freunds“.  Der britische Sänger Cat Stevens, der sich seit seinem Übertritt zum Islam Yusuf Islam nennt, würdigte Van Halen als „Gitarren-Innovator“ mit einem starken musikalischen und technischen Entdeckergeist. Eddie van Halen ist am Dienstag im Alter von 65 Jahren gestorben.

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