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Musikstadt Nashville : Vom Banjospieler zum Millionär

  • -Aktualisiert am

Der Broadway verrät, warum man Nashville auch „Nash Vegas“ nennt. Doch das Glück der Honky-Tonks liegt nicht im Spiel, sondern im Gitarrensound. Bild: visitmusiccity

Nashville ist Inbegriff der Musik aus dem Herzen Amerikas, aber auch Inbegriff ihrer Industrie. Wo einst genießerische Melancholie zählte, entsteht heute eine ganz neue Szene - zwischen Country und Käsekuchen.

          9 Min.

          Der Mann am Mikrofon muss etwa achtzig sein - sein Alter ist nicht leicht zu schätzen, da sein Gesicht von einem riesigen Hut beschattet wird. Er ist auch nicht ganz leicht zu verstehen; Sprache und Aussehen lassen auf einen Hillbilly schließen. Dabei hat er ja noch gar nicht gesungen und gespielt: Das kommt jetzt. Seine Stimme ist hoch und brüchig, das Lied heißt „Rocky Top“ und ist einer der offiziellen Songs des Staates Tennessee: „Ain’t no smoggy smoke on Rocky Top; ain’t no telephone bills.“ Das muss ein rechtes Eldorado sein, und ein Mädchen kommt auch noch vor: „Once I had a girl on Rocky Top, half bear, the other half cat, / Wild as a mink but sweet as a soda pop, I still dream about that.“

          Jan Wiele

          Redakteur im Feuilleton.

          Drei weitere Hügelmenschen in sehr ausgefallenen Anzügen bedienen Banjo, Fiedel und Kontrabass dazu, die Bluegrass-Gruppe steht auf der Bühne des Ryman-Auditoriums in Nashville. Das Jahr könnte 1953 sein, doch es ist 2013 - hier nicht leicht zu unterscheiden. Beim Abschied immerhin gibt der Alte noch einen Hinweis: Man könne seine Band jetzt auch auf Facebook finden. Gelächter aus dem großen Halbrund der alten Holzbänke in dieser ehemaligen Kirche, die bis zum letzten Platz gefüllt ist. Ob man mit Facebook vertraut sei? Wie auch immer, er selbst benutze das Ding jedenfalls nicht. Dann spielt die Band noch ein sehr schnelles Bluegrass-Juckellied, und der Greis legt dabei ein Mandolinensolo hin, das einem die Haare zu Berge stehen lässt.

          Die Grand Ole Opry sendet noch

          In den Applaus hinein dringt die Stimme eines Mannes auf einer Kanzel links von der Bühne. Es ist aber keine Predigt, sondern der live vorgelesene Werbeblock für ein Cowboystiefelgeschäft - amerikanisches Radio wie in seiner goldenen Zeit. Wir befinden uns nämlich in einer Übertragung der „Grand Ole Opry“, Amerikas langlebigster Radioshow überhaupt, die 1925 erstmals auf Sendung ging und maßgeblich für den Aufstieg der Countrymusik verantwortlich war. Fast jeder, der in diesem Genre etwas zählt, gastierte früher oder später in der Opry. Von Nashville aus, das nicht ganz in der Mitte der Vereinigten Staaten liegt, reichten die Radiowellen bis tief in den Süden und in den ganzen mittleren Westen, bei gutem Wetter sogar auch schon mal bis Kanada hoch, wie Neil Young einmal erzählte. Inzwischen wird die Sendung auch über ein Internetradio ausgestrahlt.

          Was des Rappers Bling, ist des Countrysängers Showanzug: Hier die mit Planwagen und Kakteen bestickte Variante von Porter Wagoner (1927-2007), einem langjährigen Lieblingsgast der „Grand Ole Opry“
          Was des Rappers Bling, ist des Countrysängers Showanzug: Hier die mit Planwagen und Kakteen bestickte Variante von Porter Wagoner (1927-2007), einem langjährigen Lieblingsgast der „Grand Ole Opry“ : Bild: J. Wiele

          Die Opry ist über die Jahrzehnte mehrfach umgezogen. Erst 1943 kam sie ins Ryman Auditorium, 1974 in ihr eigenes „Opryhouse“ mitsamt Vergnügungspark außerhalb der Stadt. Der Park wurde inzwischen wieder geschlossen, aber die Sendung gibt es immer noch, in den Wintermonaten, wenn weniger Besucher nach Nashville kommen, wieder im Ryman, wo sie auch während der großen Überschwemmung des Cumberland River im Jahr 2010 wieder Herberge fand. Ganz spurlos ist die Zeit natürlich auch am Programm nicht vorbeigegangen: Schon lange vor Bob Dylans berüchtigter Elektrifizierung des Folk gab es in der prägenden Institution des Country Auseinandersetzungen über den Einsatz von Schlagzeug und elektrischen Instrumenten, in denen die Traditionalisten dann doch irgendwann das Nachsehen hatten.

          Heute versucht man in jeder Sendung eine ausgewogene Mischung zwischen traditionellen und jüngeren Spielarten von Bluegrass, Country und Gospel. Den größten Applaus an diesem Abend streicht ein junges Vokalensemble aus Alabama ein, das ein Lied über einen gefallenen Soldaten singt, bei dem alle Veteranen im Publikum aufstehen. Über vieles Vergangene sagt man ja in Amerika gern: „They don’t make ’em like that anymore.“ Aber die Grand Ole Opry machen sie, wenn auch mit sanften Modifikationen, eigentlich noch ziemlich so wie immer.

          Ein Ameisenhügel in Tennessee

          Nashville sei der einzige Ort auf der Welt, an dem ein Banjospieler ein sechsstelliges Einkommen beziehen könne, hat Bob Dylan einmal gescherzt. Ob das heute noch stimmt, ist die Frage, aber gewiss träumen davon viele der Musiker, die hier täglich in den sogenannten Honky-Tonks rund um den Broadway auftreten, als Hintergrundmusik in Pizza-Schnellrestaurants oder auch nur an einer der Straßenecken vor aufgeklapptem Koffer.

          Country früher: Johnny Cash
          Country früher: Johnny Cash : Bild: AP

          Aus einem musikalischen Witz über die Stadt, den sich die Hippies von The Lovin’ Spoonful mal erlaubten, weiß man allerdings auch, dass es hier an versierten Instrumentenzupfern nicht eben mangelt: „There’s thirteen hundred an fifty-two guitar pickers in Nashville / And they can pick more notes than the number of ants on a Tennessee anthill“, heißt es in dem Lied „Nashville Cats“. Das war respektvoll gemeint, aber es wirft auch ein Licht auf den mechanistischen Geist des Ortes: Nashville, das ist nicht nur der Inbegriff uramerikanischer Musik, sondern vor allem auch Inbegriff der Musikindustrie.

          Wo diese Industrie gerade steht, davon kann man sich jedes Jahr kurz vor dem Winter einen Eindruck verschaffen. Es ist acht Uhr früh, und auf einer Bühne draußen vor der Bridgestone Arena singt ein Typ namens Luke Bryan ein Lied namens „Crash My Party“ vor einer Traube von Hunderten Teenies. Bis auf ein vorsichtig kariertes Hemd verrät nichts an ihm oder dem Song, dass es hier um Countrymusik geht, aber sein Auftritt ist der Auftakt zu ihrem kommerziell wichtigsten Event, den Country Music Awards.

          Und heute: Sängerin Taylor Swift
          Und heute: Sängerin Taylor Swift : Bild: dapd

          Schon dieser Morgen-Gig wird im nationalen Frühstücksfernsehen übertragen, respektvoll geben die Ostküstenmoderatoren ab zu ihrer Kollegin „down in Music City U.S.A.“, und in einem Interview sagt Luke Bryan dann, welches Versprechen Nashville seit je bereithalte. Dass man hier in kurzer Zeit ganz groß rauskommen könne, weil eben alles auf einem Fleck sei: die Musiker, die Studios, die Verlage und die Produzenten. Längst gibt es mit „Chasing Nashville“ auf einem anderen Sender auch eine eigene Castingshow, die diesen Traum im Stil der zahlreichen Superstar-Drills mit Dreizehnjährigen durchspielt, indem sie ihnen ein Banjo umhängt oder sie jodeln lässt.

          Bier, Trucks und Jesus

          Die abendliche Zeremonie zeigt dann, dass es für den großen Country-Erfolg nicht so sehr der Originalität, vielmehr der richtigen Ausfüllung eines sehr formularisierten Genres bedarf, in dem man schon die halbe Miete hat, wenn man in einem Song die Begriffe „beer“, „truck“ und „Jesus“ unterbringt. Was man hier hört und sieht, hat mit der Vorstellung von „Classic Country“ zwischen Hank Williams und Johnny Cash nur noch sehr wenig zu tun. Wenn man die heutigen Stars wie Carrie Underwood, Taylor Swift und Eric Church nicht kennte, würde man sich eher in eine Zeitschleife wähnen: Ihre Sounds und Shows erinnern an Bombast-Rock der achtziger Jahre.

          Interessant ist aber vor allem, wie sich die Liedtexte verändert haben: Vom Weltschmerz der armen Malocher, von der genießerischen Melancholie der Verlassenen oder Betrogenen, die einmal der Inbegriff von Countrymusik waren, ist fast nichts mehr zu hören - das wird im Kontrast besonders deutlich, wenn die Single des Jahres „Cruise“ und der Song des Jahres „I Drive Your Truck“ heißt, während ein Herzbruch-Lied wie George Jones’ „He Stopped Loving Her Today“ nur noch bei einem Auftritt zu Ehren des im April verstorbenen Musikers zu hören ist. Im Publikum der Arena erheben sich dabei zum ersten Mal auch die älteren Männer und Frauen mit großen Hüten zu standing ovations.

          Manche sind ja sogar der Meinung, dass es Country gar nicht mehr gibt. In seinem Buch „Sing Me Back Home“ begrenzt der „New York Times“-Journalist Dana Jennings die klassische Countrymusik auf die Phase von 1950 bis 1970 und sieht danach nur noch Niedergang, die jungen Stars von heute böten nichts als „cheesecake for the men“ und „beefcake for the women“ - also Sexbomben und Muskelprotze, während die Inhalte nichtssagend und austauschbar seien. Nach Jennings liegt das vor allem daran, dass die Lebensumstände des ländlichen Amerika der Arbeiterklasse aus der von ihm benannten Country-Kernepoche heute nicht mehr existierten. Aber ist das wirklich wahr? Geht es vielen nicht sogar inzwischen schlechter? Möglich ist ja auch, dass der Gestus des Leidens und Verlierens heute im Mainstream-Country schlicht nicht mehr gewollt ist. Wie es auch sei: Die Kritik an der kommerziellen Countrymusik ist selbst schon alt, sie bestimmte schon 1977 Robert Altmans Spielfilm „Nashville“, über den manche hier nicht so gern sprechen. Aber diese Kritik sollte auch nicht übersehen lassen, dass Nashville durchaus vielseitiger ist als die Country Music Awards.

          Auf der anderen Seite

          Kurt Wagner kommt mit einem Auto, das neben all den Pick-up-Trucks und panzerartigen SUVs hier ziemlich klein wirkt. Der Sänger der Band Lambchop, deren Stil gern als „Alternative Country“ apostrophiert wird, wurde 1958 in Nashville geboren und hat seine Kämpfe mit der Stadt ausgefochten, aber dann nach langem Herumreisen doch noch seine künstlerische Heimat hier gefunden. Mit siebzehn wollte er aber erst mal nur weg und ging nach Memphis, das er musikalisch inspirierender fand. Damals sei Nashville schäbig und hinterwäldlerisch gewesen, sagt er, „a hick town“. Und auch eine zweigeteilte Stadt, denn hier regierte die Segregation.

          Er hat so seine Kämpfe mit Nashville ausgefochten - und trotzdem jetzt eine künstlerische Heimat dort gefunden: Lambchop-Sänger Kurt Wagner
          Er hat so seine Kämpfe mit Nashville ausgefochten - und trotzdem jetzt eine künstlerische Heimat dort gefunden: Lambchop-Sänger Kurt Wagner : Bild: Kaufhold, Marcus

          Um daran zu erinnern, fährt er zunächst die Church Street entlang: Hier gab es 1962 die ersten Sit-ins, mit denen Studenten gegen die Nichtbedienung von Schwarzen in den Restaurants von Downtown Nashville protestierten. So gut wie alle Gebäude von damals seien verschwunden, sagt Wagner, die Stadt habe sich in den vergangenen Jahren stark verändert: Während er den Titel von Bob Dylans hier 1969 aufgenommenem Album „Nashville Skyline“ früher für Ironie gehalten habe, könne man das heute nicht mehr sagen. Eine derart boomende City ist Wagners Ort nicht, die Gegend um den Broadway empfindet er als „Disneyland“.

          Wir fahren also auf die andere Seite der Stadt, unter dem Highway durch, wo Lagerhäuser, Liquor Stores und bodenständige American Diners langsam übergehen in Wohngebiete. Es sieht viel weniger spektakulär aus als drüben, doch auch hier hat sich einiges getan: Seit einigen Jahren nun schon lassen sich immer mehr Musiker aus allen Genres und allen Gegenden der Vereinigten Staaten hier nieder, man spricht gar von einer „Nashville migration“. Am auffälligsten sieht man das am Geschäft von Third Man Records, der Plattenfirma von Jack White. Das ästhetisch Durchstilisierte des ehemaligen Möbelpolsterers und stilprägenden Gitarristen des neuen Bluesrock drückt sich auch in dem pechschwarzen Gebäude mit Blitz-Logo aus, vor dem ein ebenso schwarzer Firmenlieferwagen mit denselben Insignien parkt. Drinnen ist alles vintage, es gibt eine uralte Aufnahmekabine für Klangbotschaften zur direkten Vinylpressung. Und Alben jener Künstler, die White entdeckt oder ganz anders präsentiert hat, wie die Country-Ikone Loretta Lynn.

          Als Quereinsteiger eine neue Heimat in Nashville gefunden haben auch Ben Folds, Dan Auerbach mit seinen Black Keys oder die Kings of Leon, um nur einige zu nennen. Dass außerdem der inzwischen einundachtzigjährige Rock-Begründer Little Richard das hiesige Hilton-Hotel als Dauerdomizil gewählt hat, sollte nicht verschwiegen werden. Die Zugezogenen sagen gern, dass sie hier als Musiker die augenfälligen Synergien nutzen. Allerdings hört man auch, dass Häuser günstig und Lebenshaltungskosten in Nashville niedrig sind. So oder so haben sie tatsächlich eine neue Musikszene hervorgebracht. Ein paar Meilen weiter in East Nashville sieht sie noch etwas mehr nach Boheme aus, dort gibt es sogar schicke Kaffeebars, Läden mit extravaganter Kleidung und immer mehr junge Hipster.

          Mit Kurt Wagner fahren wir aber zum Schluss noch mal dorthin, wo alles begann: in die „Music Row“ auf der Westseite, jenes Viertel also, wo aus ganz normalen Wohnhäusern irgendwann Tonstudios und Musikverlage wurden und heute Tür an Tür Musikgeschichte steht. Wir kommen an einer Kirche vorbei, an die Wagner gleich doppelte Erinnerung hat: Er hat dort in seiner langjährigen Tätigkeit als Fliesenleger den Boden gemacht, und er besuchte 1997 die Beerdigung des traurigen Troubadours Townes van Zandt, bei der dessen Sohn so gespenstisch wie sein Vater gesungen habe, dass die Leute regelrecht schockiert gewesen seien.

          Der „Nashville Sound“

          Dass man auf der Music Row ist, merkt man dann allenfalls an den Straßenschildern: Das RCA Studio B ist ein unscheinbarer Flachbau, aber eben doch „Home of a thousand hits“, von Elvis bis zum schwarzen Countrysänger Charley Pride. Wenn es so etwas gibt wie einen „Nashville Sound“, dann ist es der an diesem Ort vom Gitarristen Chet Atkins und dem Bandleader Owen Bradley geschaffene: viel „Twang“, aber auch zuckriges Orchester darüber. Ein paar Häuser weiter stehen die Quad Studios, in denen Neil Young 1971 das Album „Harvest“ aufnahm, einen Meilenstein der Folkgeschichte und zudem das erfolgreichste Album des Folgejahres in Amerika.

          Die Studios auf der legendären „Music Row“ sind oft unscheinbare Wohnhäuser - aber eben doch manchmal „home of a thousand hits“: Notenständer im RCA Studio B
          Die Studios auf der legendären „Music Row“ sind oft unscheinbare Wohnhäuser - aber eben doch manchmal „home of a thousand hits“: Notenständer im RCA Studio B : Bild: J. Wiele

          Erst in diesem Umfeld kam auch Wagners Band Lambchop recht auf die Beine: indem sie am Wochenende in verschiedenen Studios ihre Debütaufnahmen machte. Das bisweilen ausufernd große Kollektiv, das die Lambchop-Auftritte so besonders macht, die Pedal-Steel-Gitarre in einem ganz neuen Kontext - auch dies sind wohl Prägungen Nashvilles. Und für das Cover seines Duett-Albums mit der Sängerin Cortney Tidwell hat Kurt Wagner sogar einmal seine sonst wie festgewachsen wirkende Trucker-Kappe gegen einen zünftigen Hut eingetauscht.

          Die Schnalle am Bibelgürtel

          Zu den jüngsten Produkten der Stadt zählt eine nach ihr benannte Fernsehserie (F.A.Z. vom 26. Februar), die Kabale und Liebe im New-Country-Milieu durchspielt. Kurt Wagner meint, sie sei etwas zu „glossy“, also aufgehübscht, und grinst: Er könne einem auch Orte zeigen, die Nashville sehr unattraktiv aussehen ließen. Stattdessen aber fahren wir noch in seine Lieblingsbar, die ziemlich attraktiv aussieht und extravagante Drinks bietet. Einen „Sinnerman“ zum Beispiel - hochprozentige und sehr schmackhafte Erinnerung daran, dass die Stadt noch vor dem Advent der Musik für ihren religiösen Konservatismus und ihre Bibelverlage bekannt war. Nicht ohne Grund nennt man Nashville auch „the buckle on the bible belt“. Bis heute ist es die Hauptstadt der amerikanischen Bibelindustrie mit Verlagssitzen von Thomas Nelson Publishers, United Methodist Publishing und Gideons International.

          Wofür Nashville schließlich noch steht, mehr als für alle Stars, die hier gemacht wurden, sind seine exzellenten Musiker, die oft im Hintergrund agieren - und die Songschreiber. In der Musicians’ Hall of Fame kommen sie zu ihrem Recht, dort sieht man auch viele Instrumente, die sie benutzt haben. Manche tragen die Spuren vom Wasserschaden der großen Flut von 2010. Aber Nashville hat sich wieder aufgerappelt, auch dank vieler Charity-Konzerte.

          „I’d smoked my brain the night before /  On cigarettes and songs I’d been pickin’...“ (Kris Kristofferson, „Sunday Morning Coming Down“)
          „I’d smoked my brain the night before / On cigarettes and songs I’d been pickin’...“ (Kris Kristofferson, „Sunday Morning Coming Down“) : Bild: visitmusiccity

          Am letzten Abend muss es dann doch noch einmal die Partymeile sein, der Broadway mit seinen Honky Tonks, die mit bunten Leuchtschildern locken - diese glitzernde Seite hat der Stadt den ganz anderen Spitznamen „Nash Vegas“ eingehandelt. In den Musikclubs kann man auch Bekanntschaft mit der etwas ruppigeren Cowboyklientel machen, die hier schon ab Mittag trinkt und schwoft.

          Bist du einsam heut' Nacht?

          Im „Paradise Park“ spielt gerade eine Südstaatenrockband im Stil von Lynyrd Skynyrd, das Publikum ist eher auf der jüngeren Seite, es wirkt fast ein bisschen wie eine Spring-Break-Veranstaltung: Bier aus Saftkrügen und viel beefcake. Für die etwas Älteren ist „Robert’s Western World“ der klassische place to be: Hier spielt ein Gitarrist namens Chris Casello eine derart feine Rockabilly-Gitarre mit so viel Twang, dass wir hängenbleiben. Alle Klassiker hat er im Programm: Dick Dales „Misirlou Boogie“, dann eine höllisch schnelle Version von Chet Atkins’ „Mister Sandman“, dann auch eigene Kompositionen im Geiste des großen Hank: So wird es denn „Midnight On The Bayou“ in den Hügeln von Tennessee.

          Gegen zwei Uhr ist es Zeit für das Lied „I Honky-Tonked All The Way Back Home“, wobei in den Musikschuppen noch längst kein Ende in Sicht ist. Es ist auch noch keine Zeit für Nashville: Schließlich war es 4.30 Uhr morgens, als am 4. April 1960 einige Blocks entfernt Elvis Presley nach langem Herumprobieren endlich die richtige Atmosphäre für den Song fand, den er aufnehmen wollte: Alle Lichter im Studio B wurden gelöscht, und in dunkelster Nacht und nur einem Take sang der Hüftschwinger „Are You Lonesome Tonight?“ ein.

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