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Musikstadt Nashville : Vom Banjospieler zum Millionär

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Wir fahren also auf die andere Seite der Stadt, unter dem Highway durch, wo Lagerhäuser, Liquor Stores und bodenständige American Diners langsam übergehen in Wohngebiete. Es sieht viel weniger spektakulär aus als drüben, doch auch hier hat sich einiges getan: Seit einigen Jahren nun schon lassen sich immer mehr Musiker aus allen Genres und allen Gegenden der Vereinigten Staaten hier nieder, man spricht gar von einer „Nashville migration“. Am auffälligsten sieht man das am Geschäft von Third Man Records, der Plattenfirma von Jack White. Das ästhetisch Durchstilisierte des ehemaligen Möbelpolsterers und stilprägenden Gitarristen des neuen Bluesrock drückt sich auch in dem pechschwarzen Gebäude mit Blitz-Logo aus, vor dem ein ebenso schwarzer Firmenlieferwagen mit denselben Insignien parkt. Drinnen ist alles vintage, es gibt eine uralte Aufnahmekabine für Klangbotschaften zur direkten Vinylpressung. Und Alben jener Künstler, die White entdeckt oder ganz anders präsentiert hat, wie die Country-Ikone Loretta Lynn.

Als Quereinsteiger eine neue Heimat in Nashville gefunden haben auch Ben Folds, Dan Auerbach mit seinen Black Keys oder die Kings of Leon, um nur einige zu nennen. Dass außerdem der inzwischen einundachtzigjährige Rock-Begründer Little Richard das hiesige Hilton-Hotel als Dauerdomizil gewählt hat, sollte nicht verschwiegen werden. Die Zugezogenen sagen gern, dass sie hier als Musiker die augenfälligen Synergien nutzen. Allerdings hört man auch, dass Häuser günstig und Lebenshaltungskosten in Nashville niedrig sind. So oder so haben sie tatsächlich eine neue Musikszene hervorgebracht. Ein paar Meilen weiter in East Nashville sieht sie noch etwas mehr nach Boheme aus, dort gibt es sogar schicke Kaffeebars, Läden mit extravaganter Kleidung und immer mehr junge Hipster.

Mit Kurt Wagner fahren wir aber zum Schluss noch mal dorthin, wo alles begann: in die „Music Row“ auf der Westseite, jenes Viertel also, wo aus ganz normalen Wohnhäusern irgendwann Tonstudios und Musikverlage wurden und heute Tür an Tür Musikgeschichte steht. Wir kommen an einer Kirche vorbei, an die Wagner gleich doppelte Erinnerung hat: Er hat dort in seiner langjährigen Tätigkeit als Fliesenleger den Boden gemacht, und er besuchte 1997 die Beerdigung des traurigen Troubadours Townes van Zandt, bei der dessen Sohn so gespenstisch wie sein Vater gesungen habe, dass die Leute regelrecht schockiert gewesen seien.

Der „Nashville Sound“

Dass man auf der Music Row ist, merkt man dann allenfalls an den Straßenschildern: Das RCA Studio B ist ein unscheinbarer Flachbau, aber eben doch „Home of a thousand hits“, von Elvis bis zum schwarzen Countrysänger Charley Pride. Wenn es so etwas gibt wie einen „Nashville Sound“, dann ist es der an diesem Ort vom Gitarristen Chet Atkins und dem Bandleader Owen Bradley geschaffene: viel „Twang“, aber auch zuckriges Orchester darüber. Ein paar Häuser weiter stehen die Quad Studios, in denen Neil Young 1971 das Album „Harvest“ aufnahm, einen Meilenstein der Folkgeschichte und zudem das erfolgreichste Album des Folgejahres in Amerika.

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