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Musikproduzent Ganter : Der Mann im Hintergrund

Markus Ganter in einem Studio in der Forsterstraße in Berlin Bild: Julia Zimmermann

Seine Karriere begann er als Party-DJ in Heidelberg. Heute ist Markus Ganter Produzent von Musikern, die Nummer-eins-Alben veröffentlichen.

          2 Min.

          Markus Ganter vergleicht seine Arbeit als Musikproduzent gern mit der eines Regisseurs: mitverantwortlich für das Gesamtwerk, aber im Rampenlicht stehen die Schauspieler. Die Rolle beherrscht Ganter ziemlich gut – er arbeitet für AnnenMayKantereit und die Hamburger Indie-Rock-Veteranen Tocotronic. Auch an den Alben „Hinterland“ und „Lang lebe der Tod“ des Rappers Casper war er beteiligt. Mittlerweile zählt der 33 Jahre alte Wahlberliner zu den gefragtesten Produzenten im, wie er es nennt, „poppigeren Indie-Bereich“.

          Benjamin Fischer

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Ganter ist in Müllheim aufgewachsen, einem 19.000-Einwohner-Städtchen nahe Freiburg, idyllisch gelegen im Schwarzwald, direkt an der Grenze zu Frankreich. Eine schöne Ecke, aber: „Wenn du Musik machen und ein gewisses Level erreichen willst, musst du weg“, sagt Ganter. Während seines Studiums an der Pop-Akademie in Mannheim – deren Absolventen tummeln sich an den verschiedensten Stellen in der Musikbranche – lernte Ganter seine Freundin kennen – und einen Mann namens Martin J. V. Müller, Künstlerischer Leiter des Heidelberger Kulturhauses Karlstorbahnhof.

          „Ich will Sachen machen, die mich begeistern“

          Damals suchte Müller einen DJ-Host für eine Party-Reihe mit Elektromusik. Er engagierte Ganter und überzeugte ihn etwas später davon, einen Remix von „So This Is Goodbye“ zu machen, einem Song des damals noch völlig unbekannten Folkmusikers William Fitzsimmons. „So This Is Goodbye“ wurde 2010 die erste Veröffentlichung des Produzenten Ganter – und der Student, der eigentlich im Fach Bass lernte, war angefixt. „Ich musste erst einmal lernen, wie man Musik in Form bringt,“ erzählt Ganter. Als er sich mit zwei Mitgliedern der Indie-Band Sizarr und seiner Freundin in einem Haus in Mannheim einmietete, um an dem Debütalbum der Band zu arbeiten, begann er, sich zu professionalisieren. „In dieser Zeit bin ich in meinem Kopf zum Produzenten geworden.“

          Die Arbeit der musikalischen Wohngemeinschaft sprach sich in der Branche herum. Irgendwann schlug auch Benjamin Griffey, wie Casper mit bürgerlichem Namen heißt, in Mannheim auf – damals hatte er gerade mit „XOXO“ ein Nummer-eins-Album veröffentlicht. „Wir saßen ein halbes Jahr lang bis in die Nacht im Studio“, berichtete dieser später in einem Interview. Das Ergebnis, „Hinterland“, brachte Ganter eine Echo-Nominierung ein.

          Rau und unscharf soll es sein

          „Ich will Sachen machen, die mich begeistern“, erzählt Ganter heute. „Einfach nur Dienstleister sein, das kann ich nicht.“ So erscheinen auch nicht jedes Jahr zehn Alben unter seiner Mitwirkung. Fließbandarbeit liege ihm nicht, lieber nehme er sich Zeit. Seine Ideen will er tunlichst auch umsetzen, da sei es wichtig, dass die Chemie stimme. „Meistens reizt mich die Herausforderung, mit wenig viel zu erreichen“, sagt Ganter. „Gern ein bisschen rau und unscharf“, so beschreibt er seinen Sound.

          In Berlin, wo er seit 2014 lebt, bewegt er sich meist nur in Kreuzberg und Neukölln. Hier liegen die Studios, in denen er arbeitet. Derzeit tüftelt er mit Mille Petrozza, dem Gitarristen der deutschen Trash-Metal-Band Kreator, an Musik. Einfach nur Musik genießen, ohne sie zu analysieren, kann Ganter schon lange nicht mehr. „Wenn Musik ganz nonchalant aus der Hüfte kommt, steckt oft unheimlich viel Arbeit dahinter, damit es so wirkt“, sagt er. Teilweise werde eine sechsstellige Summe in ein Album investiert.

          Das Thema Geld betrachtet der Produzent entspannt. „Es war immer mein Ziel, dass ich auch mal ein Jahr freinehmen könnte“, sagt er. Irgendwie würde das schon gehen, große Ausgaben habe er keine. Er muss keine Angebote annehmen, die ihn nicht überzeugen. Zumal er nie das Bedürfnis verspürt habe, berühmt zu werden. Ein wenig Rockstar-Feeling bekommt Ganter trotzdem. Als Bassist in der Casper-Band spielt er auf riesigen Bühnen. Die Fans himmeln seinen Kumpel an. Aber es ist zum Teil auch seine Musik, die da gefeiert wird.

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