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Musikblogs im Internet : Die Jukebox der Pandora

  • -Aktualisiert am

Viele Bands kommen erst durch das Internet groß raus Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Musikblogs im Internet erobern die Popmusik zurück: Es existieren Tausende von Websites, von denen man sich Millionen von Musikstücken downloaden kann. Eins jedoch haben alle Audioblogs gemeinsam: Sie sind schlicht illegal.

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          „Hmm“, sagt der mäßig interessierte Experte von der Plattenfirma, einem Unternehmen mit dreistelligem Millionenumsatz. „Audioblogs? Was genau meinen Sie denn damit?“ „Na, klicken Sie doch einfach mal folgende Website an.“ „Jetzt habe ich sie auf dem Schirm.“ Ein unterdrücktes Gähnen. „Ja, und?“ „Ungefähr hundertfünfzig Musikstücke, die Sie sich als Mp3-Dateien downloaden können. Von Stan Getz bis Massive Attack. Umsonst, versteht sich.“ „He, Moment mal. Da ist ja einer von unseren Acts. Und da noch zwei! Gratis? So geht das aber nicht.“

          Und wie es geht. Trotz der im Mai 2006 durchgeführten Abschreckungsrazzia, bei der die deutsche Polizei bundesweit Nutzern auf den Leib rückte, die sich über Tauschbörsen wie Edonkey Musikdateien heruntergeladen hatten und denen nun Strafverfahren, saftige Geldbußen und Zivilklagen der betroffenen Labels drohen. Und selbst wenn der eine oder andere „Fachmann“ für neue Medien den Trend im Konzernsessel verschlafen zu haben scheint, ist auch dem Bundesverband der phonographischen Wirtschaft (IFPI) klar, daß im Internet Tausende von Websites existieren, von denen man sich Millionen von Musikstücken downloaden kann - ganz ohne Registrierung, Gebühren oder Extra-Software.

          Audioblogs sind illegal

          Die argwöhnisch beäugten Seiten tragen abenteuerliche Namen wie „Voltage Controlled Technicolor“, „An Idiot's Guide to Dreaming“ oder „Blowupdoll“. Sie featuren einzelne Songs oder gleich komplette LPs - wobei letztere Variante von den meisten Bloggern als unehrenhaft empfunden wird. Meist handelt es sich um längst vergriffene Pretiosen, doch findet man ohne größere Mühen auch das Gesamtwerk von Madonna oder den Red Hot Chili Peppers. Eins jedoch haben alle Audioblogs gemeinsam: Sie sind schlicht illegal. Wer Musikdateien ins Netz stellt, macht sich strafbar, auch wenn er sich, wie die meisten Betreiber, an gewisse Regeln hält: Sie bieten selten mehr als zwei Songs von einer CD an und begrenzen den Download meist auf sieben bis zehn Tage. Doch angesichts der radikalen Schritte, mit denen die Musikbranche in der Regel selbst gegen Bagatellfälle vorgeht, ist dieser entspannte Umgang der Blogger mit dem Urheberrecht an Dreistigkeit kaum zu überbieten.

          Und zumindest offiziell zeigen sich die Konzerne auch eher verschnupft: „Wir wollen unsere Produkte verkaufen und nicht verschenken“, meint Thorsten Klages, Director New Media bei Universal Music in Berlin. „Ich lade mir ja auch nicht eben mal ein Auto runter, um damit umsonst zu fahren.“ Den Majors geht es insbesondere darum, den legalen Download nach vorn zu bringen - obgleich man nicht vergessen sollte, daß den zwei Millionen Songs, die man sich gegen Entgelt über Internet-Musicstores herunterladen kann, eine mindestens ebenso große Anzahl von Stücken gegenübersteht, die man bei iTunes oder Napster in tausend Jahren nicht finden wird. Hier zeigt sich eine der großen Stärken der Musikblogs: vergessene, apokryphe, obskure oder nicht mehr lieferbare Musik einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.

          Bei kleineren Firmen sieht man das Blogging-Phänomen deutlich lockerer. „Die Blogs können auch einen gewissen Hype generieren“, so Reimer Bustorff, als Chef des Hamburger Indie-Labels Grand Hotel Van Cleef und Mitglied der Band Kettcar gleich doppelt betroffen. „Von unserer ersten Platte haben wir selbst vier Songs ins Internet gestellt - ein Schachzug, der auch dazu beigetragen hat, uns bekanntzumachen.“ Stefan Rath, Produktmanager bei L'Age d'Or, geht noch einen Schritt weiter: „Von der altmodischen Rechteverletzungsnummer sollte man sich verabschieden. In vielen Fällen ist das coole Promo.“

          Promo statt Strafe

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