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Mike Oldfield zum Sechzigsten : Musik für Momente

  • -Aktualisiert am

Mike Oldfield im September 2007 bei Aufnahmen im Berliner Teldex-Studio Bild: Christian Thiel

Seine Melodien flirrten durch die Jugendzimmer einer bestimmten Zeit, ohne weiter zu stören. Auch damit schaffte es Mike Oldfield zu einigem Ruhm in der elektronischen Popmusik. An diesem Mittwoch wird er sechzig.

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          Es ist weder ehrenrührig, Mädchenmusik zu hören, noch, sie zu machen. Irgendetwas, das nicht sonderlich störte, musste man ja auch in den Siebzigern mitlaufen lassen, während man sich interessanteren Dingen zuwandte. Und Mike Oldfield hat es damit weit gebracht. Von den zweistelligen Millionenverkäufen seiner 1973 erschienenen Debütplatte „Tubular Bells“, die der Plattenfirma Virgin einen perfekten Start und für lange Zeit auch eine solide Grundlage schufen, konnte er sich an den schönsten Orten der Welt ein in jeder Hinsicht luxuriöses Leben leisten und hätte sich, mit damals zwanzig Jahren, im Grunde auch schon zur Ruhe setzen können.

          Edo Reents
          Redakteur im Feuilleton.

          Er legte aber zügig weitere Trivialsymphonien nach, mit denen man ebenfalls die Reklame für typische Siebziger-Jahre-Produkte wie „Irischer Frühling“ hätte beschallen können, heiratete wahllos, tanzte sich jahrelang durch die Diskotheken von Ibiza, schob immer mal wieder einen „Tubular Bells“-Wiederaufguss dazwischen und fand zu Beginn des neuen Jahrzehnts ein zweites Standbein, als er Sängerinnen wie Anita Hegerland und Maggie Reilly für seinen nun etwas kräftiger akzentuierten Softrock einspannte und einmal sogar Roger Chapman für sich singen ließ („Shadow on the Wall“).

          Über die Popmusikszene erhaben

          Das phantasievoll Beiläufige, Verspielte, manchmal wohl auch ganz planlos Eingearbeitete war immer Kennzeichen dieser Musik - umso merkwürdiger, dass die mechanisch-kühlen Pianoläufe von „Tubular Bells Part I“, die noch Oldfields Herkunft vom Minimalismus verraten, schon im Jahr ihrer Erstveröffentlichung von William Friedkin für würdig genug befunden wurden, den Seelenhorror seines „Exorzisten“ auszumalen. Aber vermutlich war diese Klangtüftelei, der Oldfield durchweg eigenhändig an mehr als zwei Dutzend Instrumenten nachging, auch Ausdruck persönlicher Abgründe.

          Die Familien- und Lebensgeschichte weisen jedenfalls, soweit man ihnen glauben kann, geradezu schauerromantische Züge auf: Seine Mutter, eine irisch-katholische Krankenschwester, die von ihrer Familie verstoßen wurde, nachdem sie einen evangelischen Arzt geheiratet hatte, soll nervlich zerrüttet gewesen sein und den kleinen Mike geschlagen haben. Mit seltener Professionalität wusste der Musiker danach den Phantasien seiner ganz überwiegend weiblichen Hörer zu schmeicheln, die sich mit Platten wie „Hergest Ridge“, „Ommadawn“, „Platinum“, „QE 2“ und „Five Miles Out“ in ihren eskapistischen Neigungen bestärkten.

          Im kollektiven Gedächtnis hat Mike Oldfield, dessen ältere Schwester Sally eine ganz ähnliche Klientel bediente, auf jeden Fall einen unverrückbaren Platz. Über die jüngere und gegenwärtige Popmusikszene ist er auf eine seltsame Weise erhaben. Michael Gordon „Mike“ Oldfield hatte seine Zeit. An diesem Mittwoch wird das einstige Wunderkind der elektronischen Popmusik sechzig.

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