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Metronomy in München : Was ist schon ein verlorener Abend?

  • -Aktualisiert am

Konnten oder wollten sie nicht? Metronomy live in München Bild: Seewald

Anbiedernde Moderationen und ein gut geöltes Programm: Die englische Band Metronomy weckt beim Deutschland-Tour-Auftakt in München Erwartungen, die sie nicht erfüllt.

          2 Min.

          Zeitreise. Wer in den Achtzigern musikalisch sozialisiert wurde fühlt sich bei dem Quintett gut aufgehoben. Da werden Elemente der Residents, von Devo, aber auch ganze Riffs von New Order neu arrangiert. Darum hatten sich in den Neunzigern auch schon Pulp und Blur verdient gemacht. Doch Metronomy treiben die eklektische Idee weiter und versöhnen auf ihrem neuen Album ´“Metronomy Forever“ auch die Akustikgitarre mit dem Synthesizer, vermischen den funkigen Bass etwa von Living Colour mit swingenden Drums.

          Beste Voraussetzungen also, das Publikum in der ausverkauften Münchner Tonhalle in eine dampfende besinnungslos der Band folgende Audience zu verwandeln. Doch trotz zweier kurzer anbiedernder Moderationen von Mastermind Joseph Mount sprang der Funke bei diesem Konzert nicht über. Wer die Band vor zwei Jahren beim Primavera Festival in Barcelona sah, weiß um die Energie, die sie ausstrahlen, dass sie das Publikum restlos für sich einnehmen kann. Der Auftritt in München zum Auftakt ihrer Deutschland-Tour lässt nun die Frage aufkeimen, ob die Band ihren Zenit überschritten hat und selbstzufrieden ein gut geöltes Programm abspult, das die meisten doch seltsam gelangweilt und kalt lässt oder ob die Idee von Brechts epischem Theater hier Einzug gehalten halt.

          Möglichst großen Abstand zu dem was man da aufführt? In diese Richtung weisen auch die zwischen Tatortreiniger und Astronaut changierenden Strampelkostüme hin, die sich die Band diesmal verpasst hat. Einzig Drummerin Anna Prior und Bassist Olugbenga Adelekan, wenn man so will das Rhythmus-Gerüst von Metronomy, entziehen sich diesem Uniform-Diktat und gerade der Bassist verlässt oft die selbstauferlegte Distanz zur Emotion und fordert hin und wieder das Publikum zum Mitklatschen auf. Alte verzweifelte Rockisten-Geste und offensichtlich nicht im Sinne von Joseph Mount.

          War es also ein verlorener Abend, diese eine Stunde und 35 Minuten Konzert von Metronomy? Bestimmt nicht, dafür gab es zu viele Songideen, die aufhorchen ließen und Hits wie „Love Letters“ und „The Look“, die den zweiten Teil des Konzerts nach einem unsäglichen und trotzdem gefeierten Synthesizer-Duell von Michael Stebbing-Lovett und Oscar Cash, für das sich Eloy vermutlich  geschämt hätten, doch noch zu einer halbwegs lebhaften Veranstaltung machten.

          Vom neuen Album wurden nur die Singles gespielt, darunter auch „Salted Caramel Ice Cream“, das auch ein wenig Lebensfreude entfacht und den einzig anrührenden Moment des Konzerts mit „Upset My Girlfriend“ zu Beginn des Zugabenteils, wo Gitarre und Synthesizer eine aufregende Beziehung eingehen. Um in diesem Bild zu bleiben: Dieser Beziehung bleibt die Erfüllung versagt. Immer wieder nehmen die Songs mit einer halbwegs plausiblen Idee Anlauf um dann kurz vor dem Höhepunkt schmählich in sich zusammenzufallen, gemeuchelt zum Beispiel von dem billig pluckernden Synthie-Piano wie im letzten Song ganz am Ende bevor die Lichter angehen.

          Am Ende fragt man sich ratlos: Konnten oder wollten sie nicht kommen, beziehungsweise ihr Publikum kommen lassen? Lieber Dekonstruktion als Emphase? Chancen zur Besserung haben sie ja bei ihren weiteren Auftritten in Deutschland am Mittwoch in Hamburg (Docks), am Donnerstag in Berlin und zum Abschluss am Samstag in Offenbach (Capitol).

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