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Metallica-Konzert : Killer, Künstler, Krisenfresser

Er habe ein wenig neues Zeug mitgebracht, sagt Metallica-Vorstand James Hetfield seinen Fans, aber zunächst einmal gab es: altes Zeug Bild: dpa

„Verausgabung“ wird von ihnen als musikalischer Fachbegriff verstanden und verwirklicht: Metallica, eine der erfolgreichsten Rockbands der Welt, zeigen mit neuer Spielfreude und einer uralten, unzerstörbaren Grundhaltung, was echte Schmerzen sind.

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          Eine schöne Maschine steht unweit der Frankfurter Festhalle: kurze Rückenlehne als Steißbeinstütze, Mehrscheiben-Kupplungssystem, Kickstarter, riesige Gussspeichenräder. Wo ist die Besitzerin oder, wenn es denn sein muss, der Besitzer? Rübergegangen natürlich, in die Halle, um einer anderen Maschine zuzuhören, die fast genauso schön ist und von vier Millionären bedient wird, die, wenn sie nicht gerade Investment-Portfolios verbrennen, sich für Computerspiele („Guitar Hero“) in Pixelmarionetten übersetzen lassen oder komische Kunst ersteigern, mit altem Öl und Rostwasser gurgeln, um sich zu entspannen.

          Dietmar Dath
          Redakteur im Feuilleton.

          Das Publikum wird weichgewalkt: Zwei Vorgruppenauftritte, zu deren ausführlicher Würdigung hier der Platz fehlt (The Sword: Gesangsprobleme, Fiepen, trotzdem breites Grooveglück; Machine Head: Dampfen, Sprühen, „Hallowed be thy Name“ von Iron Maiden, wilde Stretta, total geile Musik), formatieren die Ohren, dann holt man noch rasch Bier, und endlich weiten sich die Herzen, Lungen, Ohrläppchen, denn jetzt versammelt der üppige Orchester- und Chorschaum von Ennio Morricones „Ecstasy of Gold“ uns Lärmwillige um die in der Hallenmitte errichtete Bühne. Es brandet, brodelt, schwappt; endlich stehen Lars „Kurze Rückenlehne“ Ulrich (Schlagzeug), Kirk „Mehrscheiben-Kupplungssystem“ Hammett (Lead-Gitarre), James „Kickstarter“ Hetfield (Rhythmusgitarre, große Gefühle & Gebrüll) und Robert „Gussspeichenräder“ Trujillo (Bass) da, wo sie hingehören, und machen Lärm.

          Erst einmal: altes Zeug

          Zunächst greift man ins Kurzzeitgedächtnis und zockt flink die beiden Eröffnungsnummern der neuen Platte „Death Magnetic“ (siehe auch: Neue Platte von Metallica: Vier Väter im Steinbruch ihrer Werke) runter, während Laserstrahlen-Laufbänder, messerscharfe Lichtgitter und heisere Schreie aus dem Moshpit die erforderliche Atmosphäre einrichten. Hetfield, bestens bei Stimme und als Kind in einen Kessel Charisma geplumpst, schmeißt mit beiden Händen Laune um sich; ein brennender Faschingsprinz. Der Chef schrubbt auf seinem Brettchen, durchmisst sein Reich in engen Hosen, steigt auf Kisten und Kästen, dann lehnt er sich locker ans Mikro und sagt: „We've got some new stuff for you ... but right now ... old stuff!“

          Die vier freundlichen Herren bei Tageslicht ...
          Die vier freundlichen Herren bei Tageslicht ... : Bild: dpa

          Das wirkt aufs Volk, als würde der Papst bei der Osterpredigt plötzlich seiner vom Eifer der Rechtschaffenheit beseelten Gläubigenmenge zurufen: „Wisst ihr was, vergesst das ganze komplizierte Zeug, hier ... kommen ... die ... Zehn, Zehn ... Gebote!“ Die Nummer heißt „No Remorse“, stammt von der allerersten Platte „Kill 'em All“ aus dem Jahr 1983 und besteht im Wesentlichen aus einem von langer Hand zähgestreckten Strophe-Refrain-Pulsvorspiel für den unfassbaren Moment, in dem Hetfield enthemmt „Watch ouuut!“ schreien darf, woraufhin seine Kollegen und er einen Beschleunigungsexzess aus ihren Körpern und Geräten prügeln, dass es nur so Sternchen spritzt.

          Ein Duft aus Teer, Socken und Seegrasmatratzen

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