https://www.faz.net/-gqz-9ouus

Mavis Staples wird achtzig : Sind Gospel und Protestsong nicht dasselbe?

  • -Aktualisiert am

Unter Freunden und Fans: Mavis Staples im Mai bei einer Show ihr zu Ehren in Nashville Bild: AFP

An ihrem Beispiel erklärte Präsident Obama, was Freudentränen sind: Mavis Staples, Stimme des Soul und der Bürgerrechtsbewegung, hat in der Spätphase ihrer Karriere erst so richtig losgelegt. Heute wird sie achtzig Jahre alt.

          In Popmusik-Karrieren ist es eigentlich eher die Regel, dass auf eine genialische Frühzeit (so man sie denn überlebt) eine Phase der Stagnation und des Auslaufens oder gar Verstummens folgt. Anders bei Mavis Staples: In ihrem siebten und achten Lebensjahrzehnt hat sie erst so richtig aufgedreht. Nach dem musikalischen Beginn in der Familien-Gospelband The Staple Singers, in den Sechzigern bekannt als „God's greatest Hitmakers“, und ersten Soloschritten um 1970 war es immer wieder jahrelang still um sie – wenn auch unterbrochen von Überraschungen wie der Kollaboration mit Prince für zwei Alben 1989 und 1993.

          Jan Wiele

          Redakteur im Feuilleton.

          Aber erst mit „Have a Little Faith“ begann 2004 ihre produktivste Phase: Sechs weitere Alben sind seither erschienen, 2011 gewann sie einen Grammy für jenes in der Sparte „Best Americana Album“ mit „You Are Not Alone“, und größer noch als ihr Ruhm beim Publikum scheint der unter Musikern zu sein: Vom Jazz über HipHop zum Independent Rock reißt man sich um Kollaborationen mit Mavis Staples, schätzt ihre Soulstimme ebenso wie die der Bürgerrechtsaktivistin. Präsident Obama erklärte an ihrem Beispiel, was Freudentränen sind.

          Von „Long Walk to D.C.“, das sie mit ihrer Familie 1968 über den Marsch auf Washington sang, bis zu „If All I Was Was Black“ (2017) führt eine Linie durch ihr Werk, die eine Unterscheidung von Gospel und Protestsong schwierig macht: Sind das nicht alles nur Varianten von „We Shall Overcome“, mal optimistischer, mal wütender? Dass sich leider gar nichts geändert habe für die Schwarzen in Amerika, sagte sie noch jüngst resigniert. Ihr neuestes Werk, erschienen kurz vor ihrem heutigen achtzigsten Geburtstag und produziert von Ben Harper, klingt zum Glück hoffnungsvoller: „We get by, on love and faith“ – wir kommen durch, vielleicht sogar davon. Wenn's so wäre, wäre das doch schon etwas.

          Weitere Themen

          Rezo kritisiert die Medien

          Youtuber vs. Print : Rezo kritisiert die Medien

          Drei Tage vor der Europawahl wurde der Youtuber Rezo mit einem Video bekannt, in dem er harte Kritik an der CDU übte. Jetzt nimmt er sich die Zeitungen vor.

          Hoffnung im Ansicht der Apokalypse Video-Seite öffnen

          Filmkritik „Endzeit“ : Hoffnung im Ansicht der Apokalypse

          Blutverschmierte Münder, abgehackte Gliedmaßen und non-stop Action – so kennt man als geneigter Zuschauer das Zombiefilm-Genre. Wie sich der deutsche Film „Endzeit“ dagegen abhebt, und warum man gerade als Nicht-Zombie-Fan den Gang ins Kino wagen sollte erklärt FAZ-Redakteur Andreas Platthaus.

          Topmeldungen

          Jeder hat sein Kreuz zu tragen: Matteo Salvini am Strand auf Sizilien.

          Italienische Regierung : Ohne den Segen des Papstes

          Italiens Innenminister Salvini gibt sich gerne als gläubiger Christ. Damit hat er den Zorn Franziskus’ auf sich gezogen – und am Ende auch den des scheidenden Ministerpräsidenten Conte.

          An Scholz’ Seite : Manchmal liegt das Glück ganz nah

          Das Rennen um den SPD-Vorsitz geht weiter: Wofür die Kandidatin an Scholz’ Seite steht – und wieso der erfolgsverwöhnte Niedersachse Stephan Weil plötzlich beschädigt ist.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.