https://www.faz.net/-gqz-13g8i

Mark Knopfler zum Sechzigsten : Der Onkel mit der Gitarre

  • -Aktualisiert am

In den Achtzigern waren die Dire Straits der unspektakuläre, doch erfolgreiche Gegenentwurf zum hektischen Popzirkus. Und für Richard Kämmerlings war Bandleader Mark Knopfler, der heute sechzig wird, zumindest eine Zeit lang der Inbegriff großer Rockmusik.

          Die Erinnerung an Popmusik kennt nicht nur Sternstunden, sondern auch Augenblicke von Scham und Schande. Mit Mark Knopfler und seiner Band Dire Straits verbinde ich einen der peinlichsten Momente meiner Popsozialisation. Seit ich angefangen hatte, Musik zu hören, in der Pubertät also, zu den Zeiten von New Wave und Neuer deutscher Welle, hatte ich mich für einen Pop-Kenner gehalten - was in einem provinziellen Milieu nicht so schwierig ist. Auch meine Freunde und Klassenkameraden hielten mich für einen und raubkopierten in blindem Vertrauen regelmäßig die Schallplatten und CDs, für die ich jeden Samstag im Plattenladen in der Kreisstadt mein ganzes Geld hergab.

          Dabei hörte ich neben so tollen Sachen wie The Police, XTC, Elvis Costello, Rickie Lee Jones oder den frühen Joe Jackson auch - rückblickend betrachtet - ganz furchtbare, kitschige, bombastische und abgreiferische Musik. Supertramp zum Beispiel. Boston. Toto. Queen (in ihrer schlimmen „Radio Gaga“-Phase) oder auch Herbert Grönemeyer. Meine absolute Lieblingsgruppe aber waren die Dire Straits.

          Entdeckt hatte ich die Band erst 1982 mit ihrem vierten Album „Love Over Gold“. Das enthielt nur fünf Stücke, darunter das vierzehnminütige, mindestens zur Hälfte aus Gitarrensoli bestehende „Telegraph Road“, ein Epos über die Pioniere Amerikas, über Aufstieg und Niedergang einer Stadt im Mittleren Westen und den Wandel der Zeiten, dessen Text ich auch heute noch vollständig auswendig kenne: „Well, a long time ago came a man on a track, walking thirty miles with a sack on his back“. Allein diese Pause und dieser Auftakt nach dem langen Intro, wenn Mark Knopfler Luft holt und - „well“ - mit der Story beginnt: Das war für mich der Inbegriff großer Rockmusik.

          Virtuose am Griffbrett

          Ehrlich gesagt, konnte ich (und kann es immer noch) so gut wie alle Texte der ersten fünf Dire-Straits-Platten auswendig, wie ich auch die meisten Songs auf der Gitarre nachspielen konnte, ohne die Soli, versteht sich. Ich konnte mich auch nicht an den Fachsimpeleien beteiligen, ob denn nun der Stilwechsel zwischen dem entspannten Bluesrock von „Communique“ von 1979 und dem melodischen Rock'n'Roll von „Making Movies“ von 1980 einen Sündenfall bedeutete oder ob die Band gar mit dem alle Verkaufsrekorde brechenden Werk „Brothers in Arms“ von 1985 (dreißig Millionen Stück) endgültig dem Kommerz anheimgefallen war.

          Für mich waren „Sultans of Swing“, „Romeo and Juliet“ und „Telegraph Road“ schlicht drei der besten Rocksongs aller Zeiten, „Brothers in Arms“ war das Werk, für dessen Klangqualität ich mir meinen ersten CD-Spieler zulegte (ohne zu wissen, dass ich damit genau dem Marketing-Kalkül von Philips und Sony zum Opfer fiel), und Mark Knopfler der virtuoseste Griffbrettakrobat, den ich kannte. (Ich kannte nicht so viele wirklich große Gitarristen, dafür war ich zu jung.)

          Nur immer so weiter

          Weitere Themen

          Whoop De Doo, zum Solo!

          Mark Knopfler : Whoop De Doo, zum Solo!

          Rhythmus und Leadgitarre vermählt in einem Musiker: Seine ikonischen Fingerpicking-Soli schrieben Geschichte. Der Meister der Ekstasen, Gitarrist und Sänger Mark Knopfler, wird siebzig.

          Hoffnung im Angesicht der Apokalypse Video-Seite öffnen

          Filmkritik „Endzeit“ : Hoffnung im Angesicht der Apokalypse

          Blutverschmierte Münder, abgehackte Gliedmaßen und Non-Stop-Action – so kennt man als geneigter Zuschauer das Zombiefilm-Genre. Wie sich der deutsche Film „Endzeit“ dagegen abhebt und warum man gerade als Nicht-Zombie-Fan den Gang ins Kino wagen sollte, erklärt F.A.Z.-Redakteur Andreas Platthaus.

          Topmeldungen

          Bundesfinanzminister Olaf Scholz

          Nach Vorstoß von Söder : Scholz prüft Verbot von Negativzinsen

          Nach dem Vorstoß aus Bayern will nun der Bundesfinanzminister die rechtliche Grundlage von Strafzinsen überprüfen lassen. Diese seien eine „echte Belastung für private Sparer“. Er fordert die Banken auf, auch ohne Verbot darauf zu verzichten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.