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Madonnas neues Album : Mein Zucker ist nicht von Pappe

  • -Aktualisiert am

Wandelbares Phänomen: Madonna Ciccone Bild: Steven Klein/Warner

Die neue CD von Madonna ist da. Was kann das heißen? Schlangen vor den Kaufhäusern, Öffnung kurz nach Mitternacht? Edo Reents macht sich auf Einkaufstour und kommt zu dem Ergebnis, dass Madonna mit „Hard Candy“ dem alten, knarrenden Rad der Tanzmusik wieder einmal einen kräftigen Ruck verpasst hat.

          Es ist ein strahlender Morgen, acht Minuten vor halb zehn. Karstadts Glastüren sind noch verschlossen, aber man sieht durch sie, dass die Rolltreppen schon in Betrieb sind. Das beruhigt mich: alles ganz normal also. Um mir meine Nervosität nicht anmerken zu lassen, lehne ich mich rücklings an die Karstadt-Wand, ein Bein dabei hochgezogen, wie ein Reiher oder Flamingo. So aufgeregt war ich seit 1980 nicht mehr, als ich, ebenfalls am Erscheinungstag, das Elektrogeschäft in meinem Heimatdorf betrat, um mir die neue AC/DC-Platte „Back In Black“ zu kaufen, die erste nach Bon Scotts Tod. Ich weiß es noch genau, es war ein Tag im August, und ich kriegte dann leider die Platte (Vinyl!) in die Speichen, so dass eine Ecke des wunderschönen schwarzen Covers abknickte, was mich so ärgerte, dass ich mir sie Jahre später, als mir solche Geldverschwendung vertretbar erschien, nochmal gekauft habe.

          Edo Reents

          Verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton.

          Heute ist der 25. April 2008. Dass ich hier überhaupt herumlungere, daran ist die Plattenfirma schuld: Keine Vorabexemplare, hatte es geheißen, „aus Sicherheitsgründen“. Was denken die denn, was man mit der CD macht? Es warten jetzt zehn, vielleicht fünfzehn Personen vor der Tür, fast nur Frauen: Hausfrauen und wahrscheinlich Mütter mittleren Alters, also im Prinzip Frauen wie Madonna, auch wenn sie natürlich ganz anders aussehen. Ob man die einfach mal fragen sollte, ob sie auch aus dem einen Grund hier sind?

          An der Spitze der Madonna-Bewegung

          Um auf Nummer sicher zu gehen, hatte ich am Vortag noch in der Musikabteilung von Karstadt angerufen und gefragt, wann die neue Madonna-CD zu haben sein würde. „Doch wohl sofort nach Mitternacht?“, nahm ich die Lage eigenmächtig vorweg. Die Schlange all dieser Madonna-Hörer würde doch sicher länger als bei Harry Potter sein, schwadronierte ich professionell, campieren auf offener Straße inklusive. Der Mann am Telefon blieb ganz ruhig: „Um Mitternacht verkaufen? Warum?“ Ich sage: „Na, wegen Madonna!“ Der Laden mache ganz normal um halb zehn auf, Extrawürste gebe es nicht.

          Wandelbares Phänomen: Madonna Ciccone Bilderstrecke

          Dass erst so wenig Leute da sind, kommt mir jetzt aber doch verdächtig vor: Sollte man mich geleimt haben, und die erste Lieferung ist längst weg? Aber die Türen sind ja noch zu. Da gehen sie auf – vier Minuten zu früh! Ich stehe zu weit entfernt und komme nicht als Erster rein, wie ich es doch vorgehabt hatte: der erste Mensch, der die neue Madonna-CD hat, jedenfalls der erste in Frankfurt. Die Frauen, Hausfrauen und Mütter gehen ins Geschäft, ich hinterher. Im Eingangsbereich entsteht ein kleines Gedrängel – also doch: Gedrängel um die neue Madonna-CD! –, ich arbeite mich energisch nach vorne und setze mich an die Spitze der Madonna-Bewegung, so dass ich die Rolltreppe mit deutlichem Vorsprung als Erster erreiche. Jetzt kann nicht mehr viel passieren, es sind nur noch vier Stockwerke.

          Für immer in pink

          Oben herrscht absolute Ruhe. Hastig laufe ich durch die Abteilung mit den Kindersachen, da kommt schon die Elektroabteilung in Sicht. An der Kasse bezahlt ein Kunde zwei CDs. Es sind nagelneue Madonna-CDs, das ist an der unanständigen, pinkfarbenen Aufmachung schon von weitem zu erkennen. Wo kommt der Mann her? Wahrscheinlich durch die Hintertür.

          Vor lauter Herzklopfen merke ich gar nicht, dass dort, wo ich jetzt stehe, die Abteilung „Deutschrock“ ist. Dabei kenne ich den Laden wie meine Westentasche, man hat offenbar alles umgestellt. Aber in der Abteilung „Rock/Pop“ ist das Ding auch nicht zu sehen. Ich traue mich nicht, den Verkäufer zu fragen, der hier gerade mit einem Stapel CDs in den Händen vorbeiläuft, weil mir das so unglaublich albern vorkommt, „entschuldigen Sie, wo finde ich hier wohl die neue Madonna-CD?“, tue es dann aber doch. Kopfschüttelnd drückt er mir eine CD in die Hand. Es ist eine Madonna-CD, und zwar nicht irgendeine, sondern die absolut neueste: „Hard Candy“.

          Privater Zeigestolz

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