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Konzerte in der Coronakrise : Von zu Hause für zu Hause

Nahm seinen ersten Song seit 2017 auf: Der Sänger Bono von U2. Bild: AFP

Die einen singen vom Balkon, die anderen spielen über soziale Netzwerke Konzerte. Und ein sehr prominenter Sänger schreibt sogar ein Lied über das Coronavirus. Und denkt dabei an die Lage in Italien.

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          In Sizilien treten die Menschen auf ihre Balkone, ein Volkslied wird angestimmt, Akkordeon und Tamburin erklingen. Manche Bewohner klatschen im Takt. In einer anderen italienischen Stadt spielt ein Mann Trompete auf dem Balkon, die Klänge schallen durch die engen Gassen des Stadtteils. Zwei Kinder in Ohio geben auf der Terrasse ein Cellokonzert für alte Nachbarn, die einsam sind und nicht das Haus verlassen können. Solche Videos kursieren momentan in den sozialen Netzwerken. Mit Musik versuchen die Menschen, sich gegenseitig Mut zu machen.

          Der Balkon wird in Italien zu einem Ort der Gemeinschaft und Solidarität, es wird geklatscht – auch um Ärzten, Pflegern zu danken, und denen, die im Supermarkt an der Kasse stehen oder Regale einräumen. In Deutschland wird nun zu Flashmobs aufgerufen, zu einer bestimmten Zeit sollen alle auf den Balkon gehen oder ihr Fenster öffnen und dann: klatschen, rufen, singen, Lärm machen oder mit Töpfen scheppern, und so ihre Wertschätzung ausdrücken.

          Die Musik, so scheint es, ist zu einem verbindenden Element geworden. Nicht nur in der Nachbarschaft wird musiziert, in sozialen Netzwerken kündigen Musiker Konzerte an. Schon seit Tagen spielt der Pianist Igor Levit Livekonzerte per Twitter und Instagram. Sein Wohnzimmer in Berlin hat er umfunktioniert, zwei Kameras hat er aufgestellt, das Setting teilte er auf seinem Twitter-Profil. Er spielt zum Beispiel Stücke von Franz Schubert oder Ludwig van Beethoven, fast jeden Abend etwas anderes. „Danke fürs Zuhören und Dabeisein. Es sind dunkle Zeiten. Licht und Leuchten zu bewahren ist existenziell“, schrieb er in einem Tweet.

          Unter dem Hashtag #TogetherAtHome oder #Gemeinsamzuhause, schließen sich immer mehr Musiker an. Chris Martin von Coldplay und der Singer-Songwriter John Legend geben Konzerte via Instagram-Livestream, um ihre Fans aufzumuntern. Chris Martin spielt Lieder wie „Yellow“ und „A Sky full of Stars“ zu Hause und begleitet mit Klavier und Gitarre. Sie riefen andere Musiker auf, es ihnen gleich zu tun. Auch der amerikanische Sänger Charlie Puth, dessen bekanntester Song „See You Again“ ist, gibt Konzerte via Instagram und improvisiert am Klavier. „Es wird eine musikalische Woche werden“, postete er.

          Der amerikanische Jazz-Pianist Charles Cornell spielte für sein Publikum via Stream „Claire de Lune“ von Claude Debussy und schrieb dazu: „Ich weiß, die Dinge sind momentan verrückt und viele von euch sitzen zu Hause fest. Deswegen spiele ich Claire de Lune für euch, damit ihr fünf Minuten entspannen und von den Nachrichten entfliehen könnt.“

          Abseits des neuen Hashtags haben zum Beispiel die Berliner Philharmoniker eine digitale Konzerthalle eingerichtet. Während der Corona-Krise können dort dreißig Tage kostenfrei Konzerte angeschaut werden.

          Der Sänger von U2, Bono, veröffentlichte am Mittwoch seinen ersten Song seit 2017 und widmete ihn den singenden Italienern auf dem Balkon. An dem Tag, an dem die Feierlichkeiten zum St. Patrick's Day wegen der strengen Vorschriften gegen das Coronavirus in Irland ausfallen mussten. Inspiriert wurde Bono von Italienern, die wegen der Ausgangssperre nicht aus dem Haus können. Auf Instagram schrieb er: „Für die Italiener, von denen ich davon inspiriert wurde… Für die Iren…“. Außerdem für jeden „der am St. Patrick's Day an einem einengenden Ort ist und immer noch singt.“

          Er singe für die Ärzte, Krankenschwestern, Pfleger, die in der ersten Reihe kämpften. Bono ist in dem Video zu Hause in Dublin zu sehen, wo er das Video eine Stunde vor der Live-Performance auf Instagram geschrieben hat. In dem Lied beschreibt er, wie die Straßen von Dublin menschenleer sind, es ist still. Selbst Menschen, die eigentlich um die Ecke wohnen, seien auf einmal weit entfernt. Auch wenn Menschen sich nicht berühren könnten, könnten sie zumindest singen. Im Text heißt es: „Sing, und du wirst nie alleine sein.“

          In Italien haben die Menschen den Balkon oder das offene Fenster schon als Orte dafür gefunden. Wer weiß, vielleicht kramen auch in deutschen Städten bald viele Menschen ihre Musikinstrumente heraus und spielen – es muss ja nicht gleich der Balkon sein.

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