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Leslie Mandoki im Gespräch : „Heute bin ich Deutscher“

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Sie sind Einwanderer, Geflüchteter, Sie haben aber auch für die CSU gearbeitet. Passt das zusammen?

Ich bin ein leidenschaftlicher Umweltschützer. Das erste Umweltministerium wurde in München gegründet, von der CSU, und auch die erste Verfassung der Welt, in die der Umweltschutz einging, ist nun einmal die bayerische.

Was denken Sie über die sogenannte Flüchtlingsdebatte von heute?

Ich liebe dieses Land, und es soll so tolerant bleiben. Als ich damals kam, musste ein Ehemann noch unterschreiben, damit die Ehefrau arbeiten gehen durfte. Und dann ist dieses Land sehr fortschrittlich geworden. So soll es bleiben, eine bunte Republik, wie mein Freund Udo Lindenberg das nennt. Deswegen habe ich mich skeptisch geäußert zur Einwanderungskrise. Ich will als Künstler ein Europa, das als eine Wertegemeinschaft funktioniert. Martin Schulz will eher eine Schuldengemeinschaft. Ich will ein buntes, tolerantes Europa. So eine Gemeinschaft kann nicht dauerhaft funktionieren, wenn es für einzelne Länder Sonderregeln gibt.

Leslie Mandoki mit Jazzgrößen wie Bill Evans, Klaus Doldinger, Till Brönner, Randy Brecker

Nun haben Sie auch noch einen Dokumentarfilm gedreht, „Sehnsucht nach Freiheit“. Was soll er uns sagen?

Mein Film soll den Deutschen die Zusammenhänge zwischen 1956 in Ungarn und 1989 in Deutschland zeigen, und wie nah wir uns sind. Ungarn und Deutschland haben seit 1000 Jahren keinen Krieg gegeneinander geführt. Das wissen nur noch wenige Menschen.

Sie reden viel mehr über Politik als über Jazz.

Das scheint nur so. Eigentlich geht es mir um Musik und das, was wir damit bewegen können. Ich mache botschaftsschwangere, ungemütliche Musik mit 17 Minuten langen Songs. Ich bin ein renitenter Rebell.

Ist Jazz nicht grundsätzlich sehr unpolitisch?

Diktatoren wie Hitler und Stalin haben den Jazz gehasst und verboten. Und mein Freund Michail Gorbatschow hat mir bestätigt, dass der Soundtrack der studentischen Opposition immer Jazzrock war. Schlager ist Opium für das Volk. Jazzrock weckt die Sehnsucht nach Freiheit.

Was kann ein Musiker denn überhaupt politisch erreichen?

Es gibt zwei Stacheln im Fleisch einer Gesellschaft, das sind Journalisten und Künstler. Die Welt ist heute in einem fragwürdigen Zustand, Stichwort: alternative Fakten, Echokammern und Filterblasen. Die Faulheit des Denkens blockiert die Erkenntnis. Wenn es nach mir ginge, wären Journalisten mehr geschützt. Dieser Beruf ist so wichtig für die Freiheit. Wir reden von einer der bedeutendsten Säulen der Gesellschaft. Ich habe noch Deutsch gelernt, indem ich die „FAZ“ und die „SZ“ gelesen und verglichen habe.

Wie hat die deutsche Kulturszene Sie aufgenommen?

München war damals Europas musikalisches Zentrum, Queen haben dort aufgenommen, die Stones waren da, Elton John, Deep Purple, Donna Summer. Wir sind da angekommen, und ich hatte nichts bei mir als die Nummer von Klaus Doldinger, mit dem ich in Slowenien mal gejammt hatte. Ich sagte: Ich brauche deine Hilfe. Drei Stunden später war er da. Er hat mir vier große Zettel vollgeschrieben mit Kontakten. Das war die Basis für eine ganze Karriere als Musiker, bis heute.

Sie haben aber auch mit dem Rapper Sido zusammengearbeitet. Was war da anders als mit den Jazzern?

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