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Les Paul gestorben : Der Mann, der die Gitarre unter Strom setzte

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Lester William Polsfuss, genannt Les Paul 1915 - 2009 Bild: picture-alliance/ dpa

Er gilt als der Vater der E-Gitarre. Ohne ihn wäre die Geschichte der Rockmusik anders verlaufen: Im Alter von 94 Jahren ist der Gitarrist und Gitarrenerfinder Les Paul an den Folgen einer Lungenentzündung gestorben.

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          Ohne ihn wäre die Rock- und Popwelt kaum zu denken. Les Paul hat wirklich Musikgeschichte geschrieben. Er hat für den Gitarrenhersteller Gibson eine Gitarre erfunden, ohne deren satten, warmen und melodischen Klang Musiker wie Eric Clapton, Jeff Beck, die Gitarristen von The Who, Led Zeppelin, Guns 'N' Roses, Oasis oder Metallica und mit ihnen Millionen unbekannter Sechssaitenhelden ohne Instrument dastünden. An diesem Donnerstag ist Les Paul, wie die Firma Gibson mitteilte, im amerikanischen Bundesstaat New York im Alter von 94 Jahren an den Folgen einer schweren Lungenentzündung gestorben. Paul habe „einen wichtigen Einfluss auf den Sound des 20. Jahrhunderts“ gehabt, heißt es in einer Erklärung des Gitarrenherstellers Gibson, dessen größter Markenartikel die nach dem ehemaligen Mitarbeiter benannte „Gibson Les Paul“ war und ist.

          Les Paul gilt als der Vater oder einer der Väter der E-Gitarre, die „New York Times“ verlieh ihm einmal den Titel des „Wizard of Pop“. Er hat die E-Gitarre sozusagen eingestöpselt, die Solidbody-Gitarre entwickelt, die, anders als vorhergehende Instrumente, elektrisch verstärkt ohne akustischen Resonanzkörper auskommt. Zudem gilt Les Paul als Pionier der Klangeffekte und der Mehrspur-Aufnahme.

          An der Seite von Sinatra und Crosby

          Der am 9. Juni 1915 als Lester William Polsfuss in der Kleinstadt Waukesha in Wisconsin geborene Impressario trat bis ins hohe Alter noch selbst als Gitarrenvirtuose auf. Schon als Junge spielte er Banjo und Gitarre und war nach eigenen Angaben ein begeisterter Bastler, der Elektrogeräte zerlegte und wieder zusammenbaute. Schon da kam er auf den Gedanken, dem Klang seiner Gitarre mehr Volumen und Lautstärke zu geben. In den dreißiger und vierziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts arbeitete Paul in Chicago für einen lokalen Radiosender. Als Jazzgitarrist trat er mit zahlreichen Big Bands und Musikgrößen wie Bing Crosby, Nat King Cole und Frank Sinatra auf. Später landete er mit seiner damaligen Frau, der Sängerin Mary Ford, Hits mit den Songs „How High the Moon“ und „Vaya Con Dios“. Bei einem Autounfall im Jahr 1948 wurde Les Paul schwer am Arm verletzt. Er gab dem Arzt die Anweisung, seinen Arm so zu richten, dass er weiter eine Gitarre halten könne.

          1941 hatte Les Paul seinen Prototyp der Solidbody-Gitarre entworfen, er nannte ihn „The Log“ (Holzklotz), wenig später bot er seine Kreation der Firma Gibson an, die jedoch zögerlich war. Erst in den fünfziger Jahren kam die von ihm entworfene „Gibson Les Paul“-Elektrogitarre auf den Markt, die später von vielen Künstlern, darunter Eric Clapton und Pete Townshend, gespielt wurde. Ob Les Paul tatsächlich der alleinige „Erfinder“ der E-Gitarre ist oder sich den Titel teilen muss, darüber streiten die Gelehrten, schließlich entwickelte zur selben Zeit, da Paul seinen „Holzklotz“ bearbeitete, ein gewisser Leo Fender ein ebensolches Instrument.

          Der mehrfache Grammy-Gewinner Les Paul erhielt im Laufe seiner langen Karriere viele Ehrungen. 1988 wurde er in die „Rock and Roll Hall of Fame“ aufgenommen. Bis ins hohe Alter trat der an Arthritis leidende Gitarrist noch in Clubs und bei Konzerten auf, bis in die neunziger Jahre hinein gab er sich einmal pro Woche in dem New Yorker Jazzclub „Sweet Basil“ die Ehre. „Wenn man dickköpfig ist, geht alles“, scherzte er einmal in einem Interview mit der „Washington Post“. „Ich spiele mit den Fingern, die mir noch geblieben sind“.

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