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Lenas erste CD : Bandsalat in der Stimme

  • -Aktualisiert am

Da war sie gut: Lena bei Song Contest in Oslo Bild: dpa

Schritt zurück in analoge Zeiten: Auf ihrem erstaunlich altmodisch gestalteten ersten Album kann Lena Meyer-Landrut nicht verhehlen, dass ihre Gesangsqualitäten ihre Grenzen haben. Wie gut, dass es Stefan Raab gibt.

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          Die größte Überraschung ist, dass sie offenbar über einen Kassettenrekorder verfügt, als wäre sie nicht 1991 geboren, sondern zwanzig, fünfundzwanzig Jahre früher. Auf Musikkassette werden heute allenfalls noch Kinderhörbücher vertrieben. Oder handelt es sich hier um eines? Rein optisch grüßt „My Cassette Player“ geradezu aufreizend aus der analogen Zeit herüber: Eine Jeans- und Turnschuhträgerin sitzt auf einem Drehsessel, zu ihren Füßen der Rekorder und Dutzende Kassetten, die fast alle aus den unbeschrifteten Plastikhüllen herausgenommen sind. War der kleine Bruder mal wieder heimlich im Zimmer und hat alles durcheinandergebracht? Aber sie ist ja Einzelkind, und so lässt sich dieses Durcheinander nur so deuten, dass sie Musik verschlingt und sich meistens nur nicht entscheiden kann, welche sie hören soll. Deswegen muss alles jederzeit zur Hand sein - wie sie selbst ja auch.

          Edo Reents

          Redakteur im Feuilleton.

          Nach dem Song-Contest-Sieg kommt man auch um die Musik nicht mehr herum. Der Osloer Beitrag „Satellite“ greift das Erfolgsrezept von „Macarena“ auf, diesem Tanzlied des spanischen Duos Los del Río: Keck-gewitzte Mädchenhaftigkeit lebt sich aus über einem Midtempo-Beat, der, nun ja, junge Menschen würden sagen: bemerkenswert fett daherkommt. Das Titelstück hat hörbar bei Janet Jacksons „Whoops Now“ geklaut, das aus demselben Jahr wie die erste Vorlage stammt (1993) und seinerseits schon von Motown gelernt hatte: ein gemäßigter, durchaus nicht reizloser Upbeat, der so etwas wie eine Melodie gar nicht erst aufkommen lässt. Selbst im reizvollsten Lied, dem swingenden Jazz von „My Same“, kann Lena Meyer-Landrut nicht verhehlen, dass sie mit ihrer meist doch arg gequetschten, am ehesten noch für zeitgenössischen Soul geeigneten Stimme höchstens eine Oktave schafft und es also schon ganz gut ist, wenn sie einen Produzenten wie Stefan Raab hat. Nicht immer gewinnt der musikalisch Beste. Aber als sie gewonnen hatte, da war sie auch gut.

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