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George Michael gestorben : Tod nach 53 Jahren und mindestens zwei Leben

  • -Aktualisiert am

George Michael (1963 – 2016) Bild: Reuters

Seit mehr als drei Jahrzehnten ertönt sein Hit „Last Christmas“ zu Weihnachten auf allen Kanälen: Der britische Sänger war Stilikone der Achtzigerjahre, wurde durch Skandale zum Bad Boy, bevor er Frieden mit sich und seinen Fans schloss.

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          Im Alter von nur 53 Jahren ist der Popsänger George Michael in der Nähe von London gestorben. Michael sei „friedlich zu Hause entschlafen“, hieß es in einem Statement seines Pressesprechers. Als Todesursache gab sein langjähriger Manager Michael Lippman Herzstillstand an. Schon 2011 hatte Michael nach einer Lungenentzündung mit dem Tod gerungen.  

          George Michael wurde 1963 als Georgios Kyriacos Panayiotou in London geboren. Sein Vater war ein griechisch-zypriotischer Gastronom, der nach England ausgewandert war, seine Mutter eine englische Tänzerin. Michael wollte schon als Teenager Musiker werden; im Laufe seiner Karriere nahm er Duette mit Größen wie Aretha Franklin, Paul McCartney und Mary J. Blige auf. Doch George Michael haderte zeitlebens mit dem Ruhm; er rang darum, als Künstler ernst genommen zu werden.

          Stilikone der Achtzigerjahre

          Wer in den Achtzigerjahren aufgewachsen ist, hat womöglich seine coolsten Dancemoves als Teenager zu den Klängen des Duos „Wham!“ einstudiert, jene Popgruppe, die George Michael 1981 gemeinsam mit seinem Schulfreund Andrew Ridgeley gegründet hatte. „Wham!“ stilisierte ihn zunächst als taffen Rebellen, der keinen Bock auf das spießige Leben der Eltern hat und lieber einen draufmachte. Ridgeley und Michael machten blondierte Strähnchen, in die Stirn geföhnte Haartollen und hochgestellte Kragen schick und eroberten mit Dance-Rap-Hymnen wie „Young Guns“ oder „Wake Me Up Before You Go-Go“ die Musikcharts. Neben „Duran Duran“ und „Culture Club“ dominierten sie die britische Popszene und gelangten 1985 als erste westliche Band, die in China auftrat, zu Weltruhm. Die wohl berühmteste Ballade des Duos bleibt „Last Christmas“.

          1986 löste sich „Wham!“ auf und George Michael verlegte sich als Solokünstler auf anspruchsvollere Songs für ein erwachseneres Publikum. Die bewährte Kombination von fetzigem Pop und großen Balladen nahm einen zunehmend melancholischen Tonfall an, thematisch mischten sich sozialkritische Texte in sein Werk. Songs wie „Careless Whisper“ und „Freedom“ wurden umgehend zu viel gesummten Ohrwürmern, und die Kriegsballade „Mother´s Pride“ wurde während des Golfkriegs im amerikanischen Radio rauf und runter gespielt.  Aber Michaels Solo-Debüt „Faith“ geriet auch zu einem kleinen Skandal, als sich zahlreiche Radiostationen in England und Amerika weigerten, die Single „I Want Your Sex“ zu spielen – oder sie als „I Want Your Love“ spielten. Das Stück wurde gleichwohl zum Hit und Michael zum Superstar.

          Skandale, Drogen, Depressionen

          David Fincher inszenierte seine Videos, Supermodels wie Linda Evangelista und Naomi Campbell traten darin auf. Doch der Popstar-Rummel nagte an George Michael. Er begann, an Depressionen zu leiden. 1991 lernte er bei einem Konzert in Rio Anselmo Feleppa kennen, der sein Lebenspartner wurde. Doch Feleppa erkrankte an Aids und starb 1993 an den Folgen der Krankheit. 1994 veröffentlichte Michael mit „Jesus To a Child“ sein Tribut an Feleppa. Als 1997 seine Mutter starb, verschärften sich seine Depressionen; er kämpfte auch später immer wieder mit Drogenabhängigkeit und verbrachte deswegen 2010 vier Wochen im Gefängnis.

          Das britische Pop-Duo „Wham!“: Andrew Ridgeley (links) und George Michael, aufgenommen 1986 während ihres Abschiedskonzerts im ausverkauften Wembley Stadion in London. Bilderstrecke
          Das britische Pop-Duo „Wham!“: Andrew Ridgeley (links) und George Michael, aufgenommen 1986 während ihres Abschiedskonzerts im ausverkauften Wembley Stadion in London. :

          1998 wurde Michael In Beverly Hills von einem Undercover-Polizisten wegen „unzüchtiger Handlungen“ auf einer öffentlichen Toilette festgenommen und zu einer Geldstrafe und Gemeinschaftsdienst verurteilt; es war der Anlass für sein Coming-Out. In den Neunzigern war dies noch ein kleiner Skandal, und für manche wurde der schillernde Popstar zum Bad Boy.

          Popsänger : Trauer in der Musikwelt um George Michael

          Sein Album „Songs From the Last Century“ von 1999 wurde lauwarm aufgenommen, erst mit „Patience“ gelang ihm 2004 ein Comeback, das auch kontroverse politische Songs wie „Shoot The Dog“ (eine scharfe Kritik an George W. Bush und Tony Blair) sowie eine Neuaufnahme von Don McLeans Vietnam-Protestsong „The Grave“ beinhaltete. 2005 kündigte er seinen Rückzug aus dem kommerziellen Musikgeschäft an – fortan wolle er nur noch Gratis-Lieder im Internet veröffentlichen und die Fans zu Spenden an wohltätige Organisationen aufrufen. Dennoch folgten zwei Tourneen. Mit George Michaels Tod fügt sich nun der Riege berühmter Musiker, die 2016 verstarben, ein weiterer großer Name an.

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