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Lady Gaga singt in Berlin : Materialistisches Mädchen

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Ihre Bühnenschau folgt dem Mehr-ist-noch-mehr-Prinzip: Lady Gaga in Berlin Bild: Steffi Loos/ddp

Sie ist nicht gaga, sie heißt nur so: Eine junge Sängerin namens Lady Gaga steigt aus dem Untergrund New Yorks auf in den Berliner Diskohimmel - und könnte eine neue Madonna werden.

          Lady Gaga scheint einen Koffer verloren zu haben. Bei ihrem Auftritt in der Berliner Columbiahalle griff sie nur vier Mal in die Klamottenkiste. Für eine Musikerin, die sich mit wechselnder Garderobe als exzentrische Diva inszeniert, ist das keine Glanzleistung. Mit Sparsamkeit kann das nichts zu tun haben. Angeblich hat Stefani Germanotta, wie Lady Gaga von ihren italoamerikanischen Eltern getauft wurde, den Erlös aus den millionenfachen Verkäufen ihres Debüts „The Fame“ wieder in ihre Konzerte gesteckt. Die vier Termine in Deutschland sind ausverkauft.

          Als Sängerin und Go-Go-Tänzerin tingelte sie mit schrägen Burlesk-Nummern durch Manhattans Clubs, war dann Songschreiberin unter anderem für Britney Spears und wurde vom R & B-Star Akon schließlich entdeckt. Dass sie aus der Untergrundszene stammt, merkt man ihrer Musik nicht an, den Einfluss von David Bowie und Queen, nach deren Lied „Radio Ga Ga“ sie sich benannt hat, hingegen schon. Zwar gelingt ihr auf dem Debüt nicht alles - die Melodie von „Eh, Eh“ klingt nach schlimmem Euro-Pop aus den Neunzigern, der Beat von „Beautiful, Dirty, Rich“ ist ähnlich plump -, dennoch besticht die Platte mit synthesizerlastiger, überwiegend gut gemachter Diskomusik, die auf Breitenwirkung zielt.

          Ihre Wurzeln im Varitétheater und im Musical kann die ehemalige Studentin einer Schauspielschule nicht verleugnen, wie sich bei ihrem Auftritt in Berlin zeigte. Hinterlegt von einer stilisierten Stadtansicht New Yorks, folgt wie in einer Revue Stück auf Stück, ohne dass eine Verbindung zwischen den belebten Bildern hergestellt würde. Zum Keyboarder und drei Tänzern gesellen sich drei langhaarige Rocker. Man stimmt eine Mischung aus hochenergetischen Disko-Hymnen, theatralischen Balladen und brachialen Heavy-Metal-Riffs an.

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          Nicht jede hat so ambitioniert begonnen

          Ist schon die Musik von Lady Gaga überladen, so folgt auch ihre Bühnenschau dem Mehr-ist-noch-mehr-Prinzip. Das meiste Geld ist offensichtlich in die mobilen Projektionswände geflossen. Hier laufen in den Umzugspausen Kurzfilme. Darin taucht Lady Gaga als Candy Warhol auf. So beeindruckend die Reizüberflutung ist, so stimmungstötend ist sie auch. Die Zuschauer sind hauptsächlich mit Fotografieren und Filmen beschäftigt. Lady Gaga wird wie eine Puppe nach jedem Garderobenwechsel auf die Bühne getragen. Auch ihre eckig-ungelenken Bewegungen erinnern an ein Aufziehspielzeug. Irgendwann setzt sie sich in einem Kleid aus Plastikblasen an ein mit Kugeln gefülltes, durchsichtiges Klavier und spielt ganz alleine vor sich hin, bis aus den Akkorden allmählich eine Akustikfassung ihres Hits „Poker Face“ entsteht. Mit Händen und Füßen bearbeitet sie die Tasten und offenbart gleichzeitig eine gehörige Intonationskraft.

          Dann ist auch schon Schluss. Die Musik von Lady Gaga sprüht nicht gerade vor Innovation, und dem Programm würden etwas mehr Struktur und Konzentration sicher nicht schaden. Ihre intelligente, unterhaltsame Darbietung und ihr souveräner Umgang mit popkulturellen Referenzen weisen die Dreiundzwanzigjährige jedoch als beängstigend eigenständig und überaus reflektiert aus. Was davon am Ende bleibt, wird man sehen. Zur Erinnerung: Madonna hat da weniger ambitioniert angefangen.

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