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Kramms Hits : New-Wave-Notärzte und Tiefenökologen

  • -Aktualisiert am

Hörprobe: „Answers and Keys“ Bild: The October Game

Wenn Folksänger mit Blaulicht durch die Ukraine touren und Ray Bradbury Videospiele zockt, laufen im Hintergrund die GEMA-freien Online-Charts.

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          1. „Answers and Keys“ von The October Game

          Die britische Band The October Game, benannt nach der skurrilen Halloween-Kurzgeschichte des amerikanischen Phantasten Ray Bradbury, reichert ihren düster rockenden Alternative-Sound mit nicht minder schmutziger Elektronik an. Dabei bleiben die pointiert arrangierten Songs im Ohr hängen, sie klingen so, als wäre die New-Wave-Bewegung erst gestern erfunden worden. Kein Wunder, dass BBC-Alternative-Papst Tom Robinson die Band in seiner aktuellen Radioshow feiert.

          http://www.theoctobergame.com/

          2. „City“ von The Medics

          Und weiter geht’s mit New Wave: Mit alarmierendem Stimmeinsatz und hektischen Riffs braust die holländische Ambulanz mit Schwarzlicht durch die City. Die Band ist mit ihrem Soundtrack zum letztjährigen Fifa-Video-Bolzer von Electronic Arts berühmt geworden, bietet ihre Songs unter Creative-Commons-Lizenz zum Gratis-Download an und hat sich trotzdem auch in den regulären Verkaufskanälen durchsetzen können. Momentan feilt man am nächsten Album, um sich dann gleich wieder ins Tourmobil zu stürzen.

          http://www.themedics.nl/

          3. „All You Know“ von Quietly Concerned

          „I Care, I Write, I Share“: Das ist das Erste, was man auf der Seite des Folksängers lesen kann, und klickt der Interessierte dann auf „Care“, offenbart der Barde sein wahres Selbstverständnis. Die Hälfte der Einnahmen aus CD-Verkäufen, Konzerten und Spenden fließen an die wohltätigen Organisationen Warchild und Freemewildlife. Damit aber nicht genug, überzeugen die Songs der aktuellen EP „Homeless“ mit ihrer stillen Inbrunst und dem verinnerlichten Widerstand. Inhaltlich ist der Gute dabei immer ganz nah an der Tiefenökologie des Norwegischen Philosophen Arne Naess – man könnte auch sagen: ein hoffnungsloser Positivist.

          http://www.quietlyconcerned.com

          4. „The Mirror of You“ von The Saymory

          Zur ukrainischen Alternativeband Saymory findet man leider fast ausschließlich Informationen in kyrillischer Schrift. Dabei orientiert sich die handwerklich professionelle, fünfköpfige Band an den Kriterien westlicher Popästhetik und vermengt groovende Rockgitarren mit elektronischen Spielereien. Wer sich die Mühe macht, findet eine Vielzahl von Handy-Videos von den gut besuchten Auftritten der Band im Nirgendwo zwischen Kiew und Wladiwostok. Die Aufmerksamkeit gilt aber fast ausnahmslos der stimmlichen Performance der zierlichen Sängerin, deren russischer Akzent allenfalls ein kleines bisschen Kritik aufkommen lässt.

          http://www.myspace.com/saymory

          5. „These Canvas Shoes“ von Kick Up The Fire

          Man bedient sich bei den Akkorden der großen Vorbilder Blur und schrubbt sie in zivilisierter Hipsterpunk-Attitude des Londoner Südostens, anstatt dem klassischen Shoegaze zu frönen. „These Canvas Shoes“ ist ein echter Mitgröhl-Partykracher. Wer genau diesen Sound für seine Creative-Commons-Party sucht, findet noch die ein oder andere Perle auf den beiden EPs der momentan im Winterschlaf befindlichen Band.

          http://kickupthefire.com/

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