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Kramms Hits : Digitale Füllhörner statt kreative Rohrkrepierer

  • -Aktualisiert am

Kramms Hits: „The Unyielding Summons” von The National Orchestra of the United Kingdom of Goats Bild: The National Orchestra of the United Kingdom of Goats

Wenn Musiker ohne Erfolgs- und Formatzwang das Beste aus allen Genres vereinen, erscheinen viele Mainstream-Produktionen erschreckend blass: Kramms gemafreie Hits aus dem Netz - letzte Lieferung!

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          1. „The Unyielding  Summons“ von The National Orchestra of the United Kingdom of Goats

          Mit dem Label „Symphonic Grind Pop Extravaganza“ hat man sich eine  übergroße Schublade geschaffen, die für die monumentalen Soundeskapaden  zwischen Metal, Oper und Industrial gerade noch so reicht. Mag der  Bandname auch darüber hinwegtäuschen, die Band stammt aus Italien und  schafft einen ungeheuerlichen Spagat zwischen Faith No More, Aerosmith  und Nine Inch Nails. Das aktuelle Album „Vaaya at the Sea“ ist so wie  die Vorgängeralben unter Creative Commons Lizenz auf der Bandseite zu  finden.

          http://www.ukog.net/

          2. „Du bist toll“ von Das war Krach

          Krach ist so ungefähr das Gegenteil von Schönklang, aber der wiederum  ist ja bekanntlicherweise Geschmackssache. Die Schweiz-Amerikanische Koproduktion wäre ohne Netz nicht vorstellbar,  denn die Zürcher Band emailt die im heimischen Studio entstanden Titel nach Amerika zu ihrem Produzenten Chad Blinman, der sie in seiner  Soundschmiede veredelt. Im ständigen Austausch entstand ein ganzes  Album, auch wenn man sich noch nie persönlich kennen gelernt hatte. „Du  bist toll“ ist ein augenzwinkerndes Geschenk an Wichtigtuer,  Aufschneider und Egozentriker und erinnert an die goldenen Zeiten der  Neuen Deutschen Welle, bevor sie von der Unterhaltungsindustrie entdeckt  wurde.

          www.daswarkrach.com

          3. „The Promise“ von Superdrama

          Die Mainzer Band steht in der Tradition der großen Siebziger-Revolution  zwischen Yes, Genesis und King Crimson. Superdrama haben sich nicht  weniger vorgenommen. Die epischen Songs glänzen mit einer Erzählstruktur  irrwitziger Wendungen über Höhen und Tiefen. In unbändiger Spielfreude  und Einheit huldigt man der Schönheit, Komplexität und Ästhetik des  Lebens. Wie schnöde würde da das Etikett „Progressive Rock“ wirken!  „The Promise“ ist der Vorbote auf das im Sommer erscheinende Album.

          www.superdrama.de

          4. „Outbreak Hour“ von Missue

          Wer hats erfunden? Neben der guten „Schoggi“ kann sich jetzt noch das  minimalistische Earcandy von Missue gesellen. Das in den verschneiten Alpen vergangenes Jahr gegründete Duo beherrscht  virtuos die Kunst, mit minimalen Mitteln rauschhafte Fahrten durchs Unterbewusstsein zu erzeugen. Dabei klingt der synthetische Kosmos  organisch und lebendig wie ein elektronisches Kammerensemble. Die flirrenden Soundwolken lösen sich auf und rematerialisieren dann in  neuen Räumen. Die Schweizer haben den größten Teil ihrer Songs umsonst auf ihre Bandseite gestellt, aber Achtung: drohende Prokrastination!

          http://missuemusic.com/

          5. „This Side of the Wasteland“ von Shadow Image

          Wer erinnert sich noch an die Fields of the Nephilim, jene von Roger  Waters im Hausboot zu cineastischer Breite produzierte Ikone des  Gothic-Rock? Die Herrschaften um den kleinen Dunkellord mit Mehlstaub auf der Hutkrempe standen sicher Pate  für die amerikanischen Düsterrocker 2.0. Klagende Gitarrenwände und treibende Rockdrums erinnern mitunter auch an die Sisters Of Mercy,  wobei in Sachen Stilechtem Styling die Youngster eindeutig punkten. Auf der Indiegogo-Crowdfundingplatform präsentieren sich die Musiker aber  als klassische „Digital Natives“, die ihre „Dark Cloud“ zur Finanzierung der Eigenproduktion aufrufen.

          https://www.facebook.com/ShadowImageband

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