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Konflikt mit Russland : Ukraine sagt Teilnahme am ESC ab

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Die ukrainische Sängerin Maruv sagt, sie wolle sich nicht politisch instrumentalisieren lassen. Dabei war der ESC immer auch ein politisches Ereignis. Bild: dpa

Die Ukraine wird nicht am Eurovision Song Contest teilnehmen. Nach einem Skandal um die Gewinnerin des Vorentscheids und ihre Auftritte in Russland wollen auch die anderen Kandidaten nicht mehr mitmachen.

          Der zweifache Eurovision-Sieger will sich in diesem Jahr nicht am ESC beteiligen. Das teilte die öffentlich-rechtliche Fernsehanstalt am Mittwoch in Kiew mit. Der nationale Vorentscheid habe gezeigt, wie eng die Verbindungen der Show und ihrer Organisation zum Nachbarland Russland nach Jahren des militärischen Konflikts immer noch seien. „Für einen Teil der Gesellschaft ist diese Tatsache annehmbar, bei einem anderen Teil ruft sie Entrüstung hervor.“ Die Europäische Rundfunkunion EBU, die den ESC ausrichtet, bestätigte die Entscheidung. Die Absage sei bedauerlich, man hoffe, die Ukraine werde sich im nächsten Jahr wieder am Wettbewerb beteiligen.

          Mehrere ukrainische Musiker hatten zuvor angekündigt, nicht für ihr Land auftreten zu wollen. Am Samstag hatte die Sängerin Maruv (Anna Korsun) den nationalen Vorentscheid deutlich gewonnen. Politiker kritisierten die Siebenundzwanzigjährige daraufhin für vergangene und geplante Auftritte im Nachbarland. Es folgten ein öffentlicher Streit und lange Verhandlungen mit der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalt, schließlich verzichtete die Sängerin Anfang der Woche auf die Teilnahme. Sie erklärte, sie wolle sich nicht politisch instrumentalisieren lassen. Die Rundfunkanstalt wiederum warf ihr vor, ihrer Aufgabe als „Sprachrohr der öffentlichen Meinung der Ukraine“ nicht nachzukommen.

          „Keinen Sieg um jeden Preis“

          Maruvs Entscheidung sorgte für eine Art Domino-Effekt: Kurz darauf erklärte die Gruppe Freedom Jazz, die auf dem zweiten Platz gelandet war, sie werde nicht auftreten. Am Mittwoch sagten dann auch die Drittplatzierten ab: „Wir brauchen keinen Sieg um jeden Preis. Unsere Mission ist es, die Menschen mit unserer Musik zu einen und nicht Zwist zu säen“, verkündete die Gruppe Kazka auf ihrer Facebook-Seite.

          Kiew befindet sich seit der Annexion der Halbinsel Krim durch die russische Arme vor fünf Jahren und der Unterstützung von Separatisten im Osten des Landes vonseiten Moskaus im Krieg mit dem Nachbarn. Als der Wettbewerb 2017 in Kiew ausgetragen wurde, war Russland nicht dabei: Die Ukrainer kündigten damals an, die russische Sängerin Julia Samoilowa, die vorher auf der Krim aufgetreten war, nicht ins Land zu lassen.

          Der nächste ESC wird vom 14. bis zum 18. Mai in Tel Aviv ausgerichtet. Die Ukraine gehört zu den erfolgreichen Ländern beim ESC – 2004 und 2016 gewannen ukrainische Künstler, immer wieder belegten Vertreter des Landes vordere Plätze. Im Vertrag, den ukrainische Musiker vor dem ESC unterschreiben müssen, steht unter anderem, dass sie nach dem Wettbewerb drei Monate lang nicht in Russland auftreten dürfen.

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