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Keith Jarrett wird geehrt : Und er braucht das Publikum

  • -Aktualisiert am

Wenn die Töne fließen: Keith Jarrett bei einem Konzert im Jahr 2006 Bild: Roberto Maotti

Keith Jarrett erhält als erster Jazzmusiker den Goldenen Löwen von Venedig. Die Auftritte des erkrankten Pianisten sind abgesagt. Aber es wäre nicht das erste Mal, dass er wie ein Phönix aus der Asche zurückkehrt.

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          Ein besseres Timing kann es kaum geben. Der Pianist Keith Jarrett wird auf der am Wochenende beginnenden Musikbiennale von Venedig mit dem Goldenen Löwen für sein Lebenswerk geehrt. Zum ersten Mal erhält damit ein Jazzmusiker die angesehene Auszeichnung, die in jüngerer Zeit an die Komponisten Pierre Boulez, Luciano Berio, Wolfgang Rihm und Steve Reich ging. Und wie um zu demonstrieren, dass gerade ein Improvisationskünstler über ein gutes Zeitgefühl verfügen muss, bedankt sich der solchermaßen Geehrte mit einer morgenrot glühenden Solo-Einspielung, die auch noch den Namen des Opernhauses von Venedig im Titel trägt: La Fenice.

          Über dem Ereignis liegt freilich ein Schatten, der dem Zusatz „für sein Lebenswerk“ etwas Bedrückendes verleiht: Keith Jarrett wird den Goldenen Löwen nicht selbst in Empfang nehmen können. Sein Solo-Auftritt in Venedig wurde ebenso abgesagt wie zuvor schon sämtliche Konzertverpflichtungen des Künstlers seit März und alle weiteren in diesem Jahr. Ob und wann der Erkrankte wieder öffentlich zu erleben sein wird, lässt sich nicht voraussagen. Lediglich die Hoffnung bleibt, dass er auch dieses Mal irgendwann wie ein Phönix aus der Asche auf die internationalen Konzertpodien zurückkehren wird, wie das schon einmal geschah, als er nach Überwindung eines chronischen Erschöpfungssyndroms und fast dreijähriger Pause Ende der neunziger Jahre, kreativ und risikobereit wie eh und je, die Bühne wieder betrat.

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