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Megakapitalist kauft Musik : Spiel mir das Lied von der Gier

Das ganze Leben ist nur ein Spiel, und er bewegt die Figuren: Martin Shkreli. Bild: Bloomberg

Martin Shkreli zeigt, wie brutaler Kapitalismus geht. Er treibt den Preis eines lebensrettenden Medikaments hoch. Nun hat er das einzige Exemplar des neuen Albums der Wu-Tang-Clan-Rapper ersteigert. Welche Genesung sollen wir ihm wünschen?

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          Wie wird man der „meistgehasste Mensch“ im Internet? Martin Shkreli weiß es. Er weiß, wie man sich viele Gegner schafft, auch in der analogen Welt. Mit seiner Firma Turing Pharmaceuticals hat er unlängst die Vermarktungsrechte des Medikaments Daraprim gekauft und den Preis einer Charge von 13,50 Dollar auf 750 Dollar heraufgesetzt. Das ist eine Preiserhöhung von fünftausend Prozent für Patienten, die an der Parasiten-Krankheit Toxoplasmose erkrankt sind und deren Leben von dem Medikament abhängen kann, so sie ein geschwächtes Immunsystem haben – wie zum Beispiel Menschen, die an Aids und Krebs leiden.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          An ihnen verdient Martin Shkreli, der als Hedgefond-Manager anfing, dann eine Pharma-Firma ins Leben rief, die ihn alsbald vor die Tür setzte und zurzeit gegen ihren eigenen Gründer prozessiert, weil man dort wohl den Eindruck hatte, dass es dem 32-Jährigen nur darum gegangen sei, Investoren seines zuvor pleite gegangenen Investmentfonds abzufinden. Als sich dies im Herbst dieses Jahres vollzog, war Shkreli aber schon längst abgezogen, um mit dem Toxoplasmose-Mittel den ganz großen Reibach zu machen.

          Neben ein paar anderen sorgt sein Beispiel eines menschenverachtenden Kapitalismus, der buchstäblich über Leichen geht, dafür, dass sich der amerikanische Kongress gerade mit exorbitanten Preissteigerungen bei Medikamenten befasst. Wie Martin Shkreli Geld verdient, ist also bekannt. Seit gestern weiß man auch, wofür er es ausgibt. Er ist derjenige, der das nur mit der Auflage von einem einzigen Exemplar verlegte Album „Once Upon a Time in Shaolin“ der amerikanischen Rap-Gruppe Wu-Tang Clan ersteigert hat. Die Rapper dürften damit gerechnet haben, dass ihre Platte in die Hände eines Spekulanten gerät – darauf zielte das one hit wonder schließlich ab. Doch jetzt gibt sich der Clan ein wenig pikiert und will einen Teil der Einnahmen spenden.

          Ungute Geschäfte: Gegen die Geschäftspraktiken von Investor Martin Shkreli haben wie hier in New York schon viele Menschen demonstriert.

          Wofür? Da hätten wir eine Idee: Das Geld sollte an Menschen gehen, die sich das Medikament Daraprim nicht mehr leisten können. Sie werden von dem Pharma-Spekulanten Martin Shkreli nämlich weiter ausgenommen, der auf seinem Twitter-Account lästert, Kritikern den Stinkefinger zeigt und überlegt, welchem Musiker er das nächste Privatalbum abkaufen soll. Ob er „Sympathy for the Devil“ in Endlosschleife hat? Seine bevorzugte Musikrichtung könnte auch „Acid“ sein.

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