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Jubiläum der „Bravo Hits“ : Sampler für den simplen Geschmack

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Die erste Ausgabe der „Bravo Hits“ erschien am 21. April 1992 – mit Liedern, die für viele Teenager damals musikalische Höhepunkte waren. Bild: dpa

An diesem Freitag erscheint die „Bravo Hits 100“. Die Compilation-Serie hat Generationen mit ihren wilden musikalischen Mischungen geprägt und gegruselt. Sechs Redakteure erinnern sich.

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          Und schon wieder Bravo Hits! Jahrelang, ja jahrzehntelang war diese Wortkombination aus meinem aktiven Wortschatz verschwunden – und dann das: Vor einigen Tagen fiel in einem Gespräch mit einem guten Freund, eher beiläufig, der Titel: Bravo Hits. Der Freund, mit dem ich viele Jahre in einer Band gespielt habe, wollte sich, warum auch immer, von seinem Musikgeschmack in Teenagerjahren distanzieren. Er wusste, in meinem Kopf ist er fast unwiderruflich verknüpft mit Bravo Hits, der Scheibe, die er in zigfacher Ausführung im CD-Regal stehen hatte. Er hatte sie sogar immer wieder aufgelegt.

          Ich weiß nicht mehr, ob ich der Scheibe unrecht tue, aber ich erinnere mich an eine Vielzahl nervtötender Eurodance-Nummern darauf. Wer sich nicht erinnert: Das waren meist ziemlich simple Songs rund um eine weibliche Stimme, die die Hookline sang, und einen Rapper, der dazwischen den harten Kerl mimen durfte. Culture Beat, 2 Unlimited, Dr. Alban, Snap. Na, klingelt’s?  Mir zumindest in den Ohren, und das noch immer. Wobei: Nicht alles war schlecht, „Mr. Vain“ von Culture Beat hatte Potential. Musikalisch überlebt hat aus dieser Zeit eigentlich nur DJ Bobo (und Scooter). Ausgerechnet er. Bravo Hits, für mich heute noch immer die Chiffre meiner schweren musikalischen Kindheit und Jugend. Und deshalb irgendwie auch: wertvoll.
          (Martin Benninghoff)

          Zuhause hörten wir Dire Straits und Commodores, und ich war stolz darauf, nicht zu denen zu gehören, die sich in der siebten Klasse schon dem Mainstream beugten. Nie, hatte ich mir vorgenommen, würde eine dieser peinlich-bunten CDs in meine Sammlung gelangen. Wenn mir jemand von der aktuellen Neuerscheinung erzählte, verkündete ich, auch dieser Trend werde vorübergehen. Bis zu einem einwöchigen Skiausflug mit der Schulklasse, als meine Freunde jeden Abend ekstatisch zu „Oops – I did it again“ und „Teenage Dirtbag“ tanzten und grölten. Am Tag nach unserer Rückkehr hörte ich mich unter handtellergroßen Kopfhörern im Drogeriemarkt in meine ersten Bravo Hits hinein. ‎Es war die Nummer 31. Sie begann mit Ronan Keatings überragend schnulzigem „Life is a Rollercoaster“ und blieb für die nächsten drei Songs, „She's Got That Light“ und „Dancing in the Moonlight“, beim Thema. Nach „We Will Rock You“ fiel die Qualität zugegebenermaßen etwas ab. Nachmittagelang schloss ich mich mit dem Gefühl, etwas Neues, Unerhörtes zu entdecken, in meinem Zimmer ein.

          Die nächste Ausgabe, die ich mir kaufte, war die 33. Die Zeit der Skikurse und Schullandheime war vorbei und meine Freunde hatten angefangen, Kurt Cobain zu hören. Ich musste in der Nähe der Stereoanlage bleiben, um bei den Songs, die mich nervten, weiter zu drücken. Es blieb bei diesen beiden Bravo Hits: mehr kaufte ich mir nicht. Aber sie stehen noch in meiner Sammlung. Manchmal gibt es sie noch, die „Teenage Dirtbag“-Momente. Und zum Mitgrölen findet sich dann auch immer jemand.
          (Elena Witzeck)

          Mit 13 oder 14 änderte sich die Welt schlagartig. War man bei jemandem eingeladen, ging es nicht mehr darum, wie man mit ihm spielen konnte, sondern ob er Geschmack hatte. Zählten vorher Kletterqualitäten, Einbildungskraft und die He-Man-Burg, musste man jetzt mit der richtigen CD-Sammlung glänzen. Was aber, wenn man (noch) keinen Musikgeschmack hatte? Dann schienen die Bravo Hits ein Ausweg zu sein. Das hat auf den ersten Partys die Meinungsführer zur Verzweiflung getrieben: Das Volk wollte tanzen, keine Musik war vorhanden.

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