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Joe Cocker zum Siebzigsten : Sein Schrei geht um die Welt

  • -Aktualisiert am

Mit 15 Jahren sang er das erste Mal in Clubs, 55 Jahre später ist seine Stimme noch immer unverwechselbar. Bild: Kretzer, Michael

Der gurgelnde Sound und die exzessive Körpersprache machen ihn auf der Bühne einzigartig. Selbst permanente Tourneen und harte Drogen konnten ihn nicht zu Fall bringen: Heute feiert Joe Cocker siebzigsten Geburtstag.

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          Er hat, obwohl einer der Gefährdetsten, den Selbstzerstörungsfuror der Achtundsechziger-Musikrebellen überlebt. Nie überlebt hat sich dagegen sein atemberaubender Gesangsstil. Noch heute, 45 Jahre nach Woodstock, genügt der endlose, gurgelnde, gequälte und triumphierende, legendär tierische Schrei, und jeder weiß: dieser vokale Koitus ist Joe Cocker bei „High with a little Help from my Friends“.

          Andere hätten damit auf der Stelle ihre Stimme verloren, Cocker schreit ihn noch heute auf fast jedem seiner Konzerte. Dass er damit die Coverversion eines Beatles-Titels bietet, spielt seit Jahrzehnten keine Rolle mehr. Cocker hat sich den High-Song zu eigen gemacht wie seinen zweiten Beatles-Titel „She came in through the Bathroom Window“, „The Letter“ von Box Tops, Bruce Fishers „You are so beautiful“ oder Julie Londons „Cry me a river“.

          Schnulzen klingen nach verschwitzen Laken

          Sein Schrei hat Cocker unverwechselbar werden lassen. Und seine Körpersprache. Nie sah man ihn anders singen als zuckend, grotesk wie eine schnurlose Marionette mit den Armen rudernd, dem Kopf ruckend, den Beinen stampfend - personifizierter Soul und Rock, Leib gewordener Kampf gegen alles Sämige, Gefällige, Stromlinienförmige der zum musikalischen Narkotikum pervertierten Unterhaltungsindustrie.

          Cocker letztes Jahr beim Zeltfestival Ruhr.

          Mit rauheren Drogen aber hat der junge Joe Cocker gefährlich nahe Bekanntschaft gemacht. Sie - und skrupellose Manager, die ihn in den siebziger Jahren von Kontinent zu Kontinent, Bühne zu Bühne hetzten - hätten den Sänger fast umgebracht. Er hat beides überstanden und hat sich mit diesem gnadenlosen siegreichen Kampf das Recht erworben, zuweilen auch sentimentale Titel wie den im Duett mit Jennifer Warnes eingespielten Welthit „Up where we belong“ zu singen; zumal, da selbst diese Schnulze bei ihm nicht nach Blümchenwiese, sondern nach verschwitztem Laken klingt.

          Joe Cocker, geboren im englischen Sheffield, gelernter Gasinstallateur, der mit fünfzehn Jahren erstmals in Clubs röhrten als sei er doppelt so alt, kann durchaus auch mit hintersinnigen oder doppelbödigen Texten umgehen: Randy Newmans durchtriebenes „You can leave your Hat on“ ist dafür ein Beispiel, oder „High Time we went“, der Countdown-Song von Eric Clapton. Beiden prägte Cocker sein Siegel des mit allen Wassern und allen Schlammpfützen der Welt Gewaschenen auf. An diesem Dienstag wird er siebzig Jahre alt.

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