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Zum Tod von Paul Kantner : Rock unter Kontrolle

  • -Aktualisiert am

Paul Kantner, 1941 bis 2016 Bild: Picture-Alliance

Er war der Gitarrist und Songschreiber bei Jefferson Airplane und überlebte die achtziger Jahre mit eher mittelmäßiger Musik. Jetzt ist Paul Kantner, dem gerade der Ehren-Grammy zugesprochen wurde, gestorben.

          An keiner anderen Band ließen sich Aufstieg und (Sünden-)Fall der Hippies besser studieren als an Jefferson Airplane aus San Francisco. Der offensive, kompromisslose Hedonismus, den sie mit komplexem, dicht arrangiertem Psychedelik-Rock unterlegten, mündete Anfang der siebziger Jahre zwangsläufig in die zunächst noch musikalisch kaschierte Ernüchterung, wohl auch Erschöpfung, um dann zu etwas zu werden, das man nicht anders als einen Offenbarungseid nennen kann, jedenfalls musikalisch. Waren Jefferson Starship, in die man sich umbenannte, noch ein würdiges Vehikel alter, aufsässiger Ideen, so geriet die Schwundstufe Starship mit glatten Achtziger-Produktionen, die auch von Europe hätten sein können, einfach nur noch unvorteilhaft – man höre bloß „We Built this City (On Rock and Roll)“. Das war in der Tat die Grundlage: Jefferson Airplane imponierten mit einem unberechenbar rockigen Zuschnitt; es war, trotz ihrer Freizügigkeit, kontrollierte Freak-Musik. Und Paul Kantner, in die Band geholt vom zweiten Alpha-Mann Marty Balin, gehörte, als Gitarrist und Songschreiber, von Anfang an dazu. Zwar stammten die beiden wichtigsten Titel „Somebody to Love“ und „White Rabbit“ von Grace Slick, die als Haupt-Sängerin die prägende Kraft wurde; aber seine Science-Fiction-Ambitionen, die über das, was die Byrds und die Steve Miller Band in dieser Hinsicht zu bieten hatten, weit hinausgingen, konnte er produktiv umsetzen.

          Edo Reents

          Verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton.

          Jefferson Airplane durchlebten am eigenen Leibe die Umwandlung von Love&Peace in den Horror der Gewalt, indem sie sowohl in Monterey und Woodstock wie auch in Altamont spielten, wo der von Haus aus friedfertige Kantner von einem Hells Angel halb k.o. geschlagen wurde. 1970 nahm er sich die Freiheit, den noch nicht offiziellen neuen Namen für sein erstes Soloalbum „Blows Against The Empire“ zu verwenden. Er zeugte und besang dann mit Grace Slick das Mädchen China, kehrte aber, trotz Rechtsstreitigkeiten, immer wieder zur Stammband zurück. Den gerade versprochenen Ehren-Grammy wird er nicht mehr entgegennehmen können: Am Donnerstag ist Paul Kanter im Alter von vierundsiebzig Jahren gestorben.

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