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Internationale Punktevergabe : Ist der ESC ein Beliebtheitswettbewerb?

ESC-Aspirantin Jamie-Lee Kriewitz wedelt mit der deutschen Flagge. Bild: Picture-Alliance

„Die mögen uns halt nicht“, raunt es durch deutsche Wohnzimmer, wenn es wieder null Punkte gibt beim Eurovision Song Contest. Spielt das wirklich eine Rolle? Die Zahlen lassen es vermuten.

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          Als Nicole 1982 für Deutschland den ersten Sieg beim Eurovision Song Contest holte, da war die gängige Lesart: Dieser Erfolg konnte nur mit einem Lied über den Frieden gelingen. Als habe die Welt Deutschland nun die jüngere Geschichte verziehen, weil ein zartes blondes Mädchen aus der nachgeborenen Generation alle zu Tränen rührte.

          Der ESC war immer auch politisch, da kann er noch so sehr als reiner Liederwettbewerb annonciert werden. Politische Botschaften sind offiziell verboten, doch das wird immer wieder umgangen. Auch im vergangenen Jahr zeigte sich das deutlich: Armenien ging mit einem Beitrag über den Völkermord ins Rennen. Russland schickte mit „A Million Voices“ ein Friedenslied ins Rennen, das nach gängigen Maßstäben hätte gewinnen müssen, weil es perfekt komponiert, ausgezeichnet vorgetragen und groß inszeniert war. Allerdings schadete es gewaltig seiner Glaubwürdigkeit, dass Russland kurz zuvor die Krim annektiert hatte.

          Dass man sich mit einem Einmarsch in Nachbarländer kaum Freunde in der Welt macht, ist nun nicht weiter überraschend – aber Deutschland hat sich das seit Jahrzehnten nicht mehr zuschulden kommen lassen. Wieso läuft es trotzdem so schlecht für uns beim ESC, wenn man mal von Lenas Erfolg mit „Satellite“ 2010 absieht? Liegt es wirklich nur an den Liedern, oder steckt doch mehr dahinter? Spielt der Umgang mit der griechischen Schuldenkrise eine Rolle? Und hat Deutschlands Umgang mit den Flüchtlingen dieses Jahr positive Auswirkungen, wenn es an die Bewertung der Kandidatin Jamie-Lee Kriewitz geht?

          Aufschluss könnten Zahlen geben, die die BBC seit 2008 erheben lässt. Sie weisen den als positiv empfundenen Einfluss Deutschlands in der Welt aus. Für die Daten dieses Country Ratings Polls wurden die Einwohner von mehr als zwanzig Ländern befragt. Die Länder gehören freilich nicht alle der European Broadcasting Union an, doch das dürfte den Effekt kaum verfälschen.

          Diese Zahlen der letzten acht Jahre lassen sich mit den Punkten vergleichen, die Deutschland bei den darauffolgenden Eurovision Song Contests erhalten hat. Um das darzustellen, ist eine Grafik mit zwei Y-Achsen vonnöten: Die grünen Linien stehen für die Beliebtheit, die gelben für die Punkte.

          Bild: F.A.Z.

          Tatsächlich sieht das Diagramm auf den ersten Blick aus, als würde die Beliebtheit eine Rolle spielen. Statistisch signifikant ist der Zusammenhang nicht. Ohnehin ist mit der Übereinstimmung zweier Graphen generell Vorsicht geboten: Es gibt ganze Websites, die sich an solch schönen Scheinkorrelationen erfreuen. Dort scheinen etwa die Anzahl von Filmen mit Nicolas Cage im Kino und die Anzahl in Swimming Pools ertrunkener Menschen zusammenzuhängen.

          Allerdings hängen diese beiden Statistiken ganz offensichtlich nicht zusammen – während beim ESC zumindest nicht von der Hand zu weisen ist, dass befreundete Nachbarländer einander gerne Punkte zukommen lassen. Internationale Beliebtheit mag nicht ausreichen für den Sieg, aber wer so unbeliebt ist wie Russland im vergangenen Jahr, den kann das den Sieg kosten. Allerdings scheint die ESC-Gemeinde nicht besonders nachtragend zu sein: Der diesjährige Kandidat Sergej Lasarew gilt als Favorit.

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