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40 Jahre Münchener Freiheit : Die Band, die Männern Angst machte

Die Münchener Freiheit in den achtziger Jahren: Aron Strobel, Alex Grünwald, Rennie Hatzke, Micha Kunzi und Stefan Zauner (von links) Bild: INTERFOTO

Die Münchener Freiheit regierte die Charts der Achtziger. Heute wird die Band für einen Stil geliebt, der früher verlacht wurde. Ein Gespräch mit Stefan Zauner, der ihn erfand, über vierzig Jahre Liebeslieder und die Rätsel des Geschmacks.

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          Sie haben zum vierzigsten Jubiläum der Münchener Freiheit zwanzig Ihrer Lieblingslieder neu aufgenommen. Klingen „Ohne dich“ oder „Tausendmal du“ jetzt endlich so, wie sie immer klingen sollten?

          Tobias Rüther
          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Ich hatte bei der ersten Platte 1980 alles selbst produziert, aber noch mit sehr primitiven Mitteln. Das hört man auch. Es war eine interessante Herausforderung, es noch mal so klingen zu lassen, wie ich es in Erinnerung hatte. Ursprünglich wollte ich zum vierzigjährigen Rückblick – es ist ja kein Jubiläum, ich bin ja nicht mehr dabei – mit einem Orchester arbeiten. Aber wenn ich mir jetzt als Beatles-Fan vorstelle, Paul McCartney würde „I wanna hold your hand“ mit Orchester machen, wäre das für mich völlig uninteressant. Es war die Idee meiner Frau Petra Manuela, die frühen Sachen zu überarbeiten. Erst habe ich gedacht, dass es sich bei zu wenigen Songs lohnen würde, aber festgestellt, dass ein paar Lieder von den ersten drei Platten wirklich schön klingen, aber einfach nur schlecht produziert waren.

          Manche Versionen klingen wie stillere Cousins der Originale.

          Das ist von Lied zu Lied anders. Bei „Wenn das so einfach ist“ beispielsweise habe ich es aufs Minimum reduziert. Und gesehen: Was da noch bleibt, ist auch reizvoll. Aber es gab kein Konzept.

          In der Hochphase der Münchener Freiheit Mitte der achtziger Jahre haben immer zwei Elemente gegeneinander gearbeitet: ein von Keyboards und Orchester angefeuerter Sound – und Ihre Stimme, die Liebeslyrik sang, eine Art leise, schlichte Poesie.

          Wenn ich zurückdenke, war das oft auch ein Kampf. Ich wollte das gleiche Recht wie meine englischen Kollegen haben, die ihre Stimme als Instrument sehen und sich weniger auf Worte oder eine wahnsinnig wichtige Aussage konzentrieren. Wenn das Lied gute Laune macht, muss der Text das auch vermitteln, man muss nicht immer darauf achten, kritisch zu sein, um wahrgenommen zu werden. Das haben wir bei manchen Stücken zwar auch gemacht, es aber musikalisch so vorbereitet, dass es im Einklang stand. Ich musste mir bei vielen Interviews den Vorwurf gefallen lassen, dass es oberflächlich sei. Aber ich dachte: Was meine englischen Kollegen dürfen, muss ich doch in Deutschland auch dürfen können. Für mich stand das Musikalische immer im Vordergrund. Ich habe darauf geachtet, dass der Text melodisch ist und nicht holprig wird, nur weil ich eine Aussage machen will.

          Stefan Zauner, Spätsommer 2020
          Stefan Zauner, Spätsommer 2020 : Bild: Maria Irl

          Aber es ist doch nicht leicht, auf eine Zeile zu kommen wie „Wenn das so einfach ist, warum weinst du dann?“.

          Bei diesem Lied ist durch einen Satz sehr viel gesagt. Aber das gelingt halt einmal und ein anderes Mal nicht. Lieder wie „Tut so gut“ habe ich nur deswegen neu aufgenommen, weil ich mir vorstellen konnte, dass sie nur diese Leichtigkeit kriegen, wenn Petra sie singt. Wenn ich das heute singe, kriegt es mehr Gewicht, als es haben sollte.

          Sie waren in den Siebzigern bei den Krautrockern Amon Düül II, haben eine Soloplatte aufgenommen, die wie Genesis auf Deutsch klingt, jahrelang in Los Angeles gelebt, auf Englisch gesungen und nach Ihrer Rückkehr Münchener Freiheit gegründet.

          Ich war richtig überrascht, als ich wieder nach Deutschland kam und die Neue Deutsche Welle herrschte. Okay, dachte ich, dann kann ich jetzt auch wieder auf Deutsch singen. Der Sound, den man heute als Münchener Freiheit kennt, ist erst in der Zusammenarbeit mit unserem Produzenten Armand Volker entstanden, der auch entdeckt hat, was sich ergibt, wenn ich mit mir selbst Harmonien singe und Refrains verdopple. Musikalisch waren wir nicht festgelegt. Der rote Faden war die Stimme.

          Die meisten werden Sie als Sänger einer Schlagerband einordnen. Aber viele, die sonst ganz andere Musik hören, lieben auch Münchener Freiheit.

          Früher habe ich mich dagegen gewehrt, mit Schlager in Verbindung gebracht zu werden, obwohl das natürlich naheliegt, wenn man auf Deutsch über Gefühle singt. Aber als wir mit unseren englischen Alben im englischen Radio und Fernsehen aufgetreten sind, hat niemand nach Kategorien gefragt: Wir waren einfach Popmusik. Wir wurden mit den Beatles und den Beach Boys verglichen, da war kein Wort von Schlager. Im englischen Pop singen sie ganz simple Texte zu guten Melodien, wenn man das auf Deutsch übersetzen würde, hätte man den dicksten Schlager. Der sprachliche Unterschied ist krass. Aber damit muss man leben, und ich habe gelernt, mich darüber nicht mehr aufzuregen. Es ist einfach so bei den Deutschen.

          Sie haben eine Form gesucht, damit Ihre Texte die Melodien mittragen. Gab es dafür literarische Vorbilder?

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