https://www.faz.net/-gqz-9x03u

Moses Pelham im Interview : „Das ist kein Generationenkonflikt“

Moses Pelham im Konferenzraum seiner Frankfurter Produktionsfirma. Bild: Francois Klein

Moses Pelham, Ikone des deutschsprachigen Hip-Hop, singt auf seinem neuen Soloalbum zum ersten Mal. Warum erst jetzt? Wie steht es um die Deutungshoheit im Rap? Und was tun gegen den Hass? Ein Gespräch.

          4 Min.

          Frankfurt, am Morgen nach der tödlichen Attacke eines Rechtsextremen im nicht weit entfernten Hanau. Moses Pelham, der als ehemaliger Kopf des „Rödelheim Hartreim Projekt“ wie nur wenige Künstler für Frankfurt und Hessen steht, kommt in seine Produktionsfirma. Hier hängen goldene Schallplatten und Porträts seiner beiden früheren Schützlinge, Xavier Naidoo und Sabrina Setlur, an der Wand. Eigentlich soll es um Pelhams neues Soloalbum „EMUNA“ gehen, aber der Morgen steht im Schatten von Hanau. Pelham hat nur gehört, dass etwas Schlimmes passiert ist. Wir berichten ihm, er hört interessiert zu, aber sprechen möchte er offenbar darüber nicht, zumindest nicht länger. Er will nachdenken – und schickt später ein klares Statement. Damit beginnt unser Interview.

          Martin Benninghoff
          Oliver Georgi

          Redakteur in der Politik.

          Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie vom Anschlag in Hanau gehört haben?

          Es ist immer dasselbe und wie ich bereits 2004 in meinem Stück „Gott liebt mich“ formulierte: Das macht mich traurig / denn so wahr ich leb’ bedauere ich/jedes bisschen Schmerz das meiner Rasse widerfährt/es bricht mein Herz wie der Hass sich hier vermehrt“ Und bevor Sie fragen, die Rasse, von der ich hier spreche, ist Mensch.

          In Ihrem neuen Song „Wunder“ rappen Sie „Denn ich hab‘ keine Peilung was die Kids gerad‘ fragen/Meinst Du die meinen was ich meine wenn sie Hip-Hop sagen“. Hören wir da ein wenig Wehmut raus?

          Nein. Es gibt eben einen offensichtlichen Unterschied zwischen mir und den Menschen, die gerade Hip-Hop für sich beanspruchen. Das ist aber kein reiner Generationenkonflikt. In Wahrheit war es doch schon 1994 so, dass es keine Einigkeit zwischen mir und anderen Menschen darüber gab, was eigentlich Hip-Hop ist. Keine Einigkeit ist übrigens ein Euphemismus!

          Inwiefern?

          Es gab einfach ganz offensichtliche Diskrepanzen darüber, was Hip-Hop kann, was er darf – und was er ist. Eigentlich ist diese Diskussion sehr müßig. Die zitierten Zeilen habe ich im direkten Anschluss an eine Veranstaltung geschrieben, auf der die Moderatoren ständig sagten: „Das ist Hip-Hop“ und „Dies ist Hip-Hop“, um ihre Unzulänglichkeiten zu entschuldigen. Das war mir sehr unangenehm. Die Veranstaltung war aber nur der Anlass für diese zwei Zeilen. Das ist für mich keine große Sache. Hip-Hop ist sehr groß geworden und so gibt es sehr viele Leute, die definieren wollen, was Hip-Hop ist. Also wächst auch die Uneinigkeit darüber, was das ist und was nicht. Die Songzeilen sind nicht in erster Linie ein Generationending, sondern eher Dokument meiner Andersartigkeit, was mich auch nicht besser oder schlechter macht. Aber ich lebe da eben auf meinem eigenen kleinen Planeten.

          Sie gelten als Ikone, die deutschsprachigen Hip-Hop groß gemacht hat. Könnte Ihre Empfindlichkeit daher rühren, dass Sie nicht mehr gleiche Deutungshoheit wie früher haben?

          Das glaube ich überhaupt nicht. Einfach gar nicht!

          Was? Dass Sie eine Ikone sind?

          Ich weiß nicht, ob ich mich als Ikone sehen würde, auch wenn das sehr schmeichelhaft klingt.

          Und die Deutungshoheit?

          Ich hatte nie das Gefühl, Deutungshoheit zu haben über das, was Hip-Hop ist. Mich störten eher andere, die der Auffassung waren, dieses Recht zu haben. Deshalb würde mir das auch heute nicht einfallen. Und wenn ich was zur jüngeren Generation sagen darf: Ich meine, das wäre ja fürchterlich, wenn sie dasselbe glaubten und machten wie wir.

          Gibt es junge Rapper, die zu Ihnen kommen und Ihren Rat wollen?

          Ich arbeite für einen jungen Rapper, da ist es meine Verantwortung, ihm mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Aber wie und warum sollten mich fremde Menschen konsultieren?

          Dass Sie dem Hip-Hop zum Durchbruch in Deutschland verholfen haben – die Rolle nehmen Sie an?

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ein Bild aus besseren Tagen: Olaf Scholz, Christine Lagarde, Paolo Gentiloni und Bruno Le Maire Mitte Februar in Brüssel

          Ideen von Scholz und Le Maire : EU-Kompromiss zu Corona-Hilfen in Sicht

          Die Politik will den schrillen EU-Streit um Maßnahmen in der Coronakrise deeskalieren. Deutschland und Frankreich verständigen sich auf drei Schritte, die Niederlande machen ein Friedensangebot. Umstritten bleiben die Corona-Bonds.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.